Teilen: merken

Ein Smartie zum Wohnen

In einer kleinen Version ist die organische Form bereits fertig. Es ist das weltweit bisher größte Gebäude aus Carbonbeton.

© René Meinig

Von Claudia Schade

Der Stolz ist Gerd Priebe anzusehen. Gern lässt sich der Architekt von Besuchern in und neben einer Schale aus Carbonbeton fotografieren. Recht unspektakulär mag das graue eiförmige Teil mit großem Mundloch zunächst aussehen. Tatsächlich stecken darin aber drei Jahre Arbeit, die Priebe, Forschungseinrichtungen, Ingenieure und Baustoffexperten aufgebracht haben. Geschaffen haben sie mit fünf Metern Durchmesser und 2,50 Metern Höhe das bisher größte Bauwerk aus Carbonbeton.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Kuschelige Stunden mit heißem Aufguss

Gemütliches Schwitzen in der Mitternachts-Sauna im Freitaler "Hains". Sekt gibt's gratis dazu.

Architekt Gerd Priebe hat daran mit vielen Partnern gearbeitet. © René Meinig
Der Architekt will mit seiner Frau in eine 18-Meter-Version des Smarties einziehen (r). © Gerd Priebe Architekten

Die besondere Herausforderung ist die doppelt gekrümmte Form. Wie ein etwas plattgedrücktes Ei oder wie ein Smartie sieht das Bauwerk aus. Doch wie stellt man so etwas her? Wie gießt man das in Beton? Dafür wurden neue Wege beschritten. Auslöser waren Überlegungen zum Bauen der Zukunft. Ressourcen werden knapp, Leichtbau und eine besondere Formengebung immer wichtiger und umweltschonendes Bauen ein immer drängenderes Thema. Auf all diese Herausforderungen will der neue Carbon-Pavillon als Demonstrationsobjekt für das Bauen der Zukunft eine Antwort geben.

Das Besondere: Im Innern wird der Beton nicht von einem Stahlgeflecht gestützt, sondern von einem Carbongitter. Dieses ist in unterschiedlichste Formen biegbar. Carbon rostet nicht, wie es bei Stahlgeflecht passiert, es ist leicht und ermöglicht damit Bauen in großer Höhe. Und es erfordert wegen einer besonderen Stabilität deutlich weniger Material. Der Smartie hat eine Wandstärke von nur 25 Millimetern. An den Verbindungsstücken sind es 50 Millimeter. Zu begutachten war das am vergangenen Wochenende zum Tag der Architektur auf der Bautzner Straße.

„Wir haben angenommen, dass wir 30 Prozent Beton einsparen können“, sagt Daniel Franitza von der an der Entwicklung beteiligten Firma FE-Union. „Tatsächlich sind es aber 80 Prozent. Das haben wir nicht erwartet.“ Gerald Eisewicht von der Natur- und Spezialbaustofffirma BCS sagt: „Zum Gießen der ungewöhnlichen Form wurden Methoden aus dem Metallguss angewendet.“ Wegweisend war hierbei auch, dass ganz im Sinne der neuen Industrie 4.0 mit einheitlichen Daten gearbeitet wurde, die allen beteiligten Gewerken zur Verfügung gestellt wurden.

In den nächsten zwei Jahren wollen die Entwickler die Materialeigenschaften testen. Wie viel Druck hält die Außenhaut aus? Wo entstehen Risse? Wie kann man diese verhindern? Wie reagiert das Bauwerk auf Witterung?

Gerd Priebe denkt schon weiter. „Wir wollen unser Werk auf der Weltausstellung präsentieren“, sagt er. Marktfähig sei die Entwicklung ohnehin schon. Dresden sei hier Vorreiter. Mögliche Einsatzgebiete hat der Architekt auch schon im Kopf. Der Smartie könne als Konzertmuschel oder Veranstaltungssaal fungieren. „Unsere Entwicklung hat großes Potenzial für öffentliche Gebäude, wo keine Stützen in der Mitte gewünscht sind“, sagt Franitza. „Mit Fantasie und Offenheit finden sich da auch noch mehr Einsatzgebiete“, ist Priebe zuversichtlich.

Er selbst geht bald den direkten Weg. Wenn die Ergebnisse am Demonstrationsobjekt positiv sind, wird er mit seiner Frau in eine 18-Meter-Version des Smarties einziehen und sich selbst damit als Versuchskaninchen für den Test als Wohnobjekt zur Verfügung stellen. Und sich neue Möbel ausdenken, die in die Rundform passen.