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Ein tägliches Katz- und Maus-Spiel

In der JVA Zeithain wurden so viele verbotene Mobiltelefone entdeckt wie in keinem anderen sächsischen Gefängnis. Warum?

© SZ-Archiv/dpa

Von Christoph Scharf

Glaubitz. Sie sind hinter Gittern streng verboten – und doch gehören illegale Mobiltelefone in Gefängnissen zum Alltag. In der JVA Zeithain wurden dieses Jahr bislang so viele Mobiltelefone entdeckt wie in keiner anderen sächsischen Anstalt: In den ersten vier Monaten 2018 waren es 32 Exemplare. Das sind exakt so viele, wie die JVAs Dresden und Leipzig (samt Krankenhaus) zusammen. Das teilt das Justizministerium auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Katja Meier mit.

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Gehen die Funde in diesem Takt das Jahr über weiter, käme man am Jahresende in der JVA Zeithain auf fast 100 Stück – das wäre dann mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr: Damals kamen in der JVA Zeithain insgesamt lediglich 43 Mobiltelefone zum Vorschein, so wenig wie seit Jahren nicht. Tatsächlich schwankt die Zahl, einen Höchststand gab es zuletzt 2011 mit 160 aufgefunden Telefonen – das entspricht etwa drei Funden pro Woche.

Liegt das daran, dass die Gefangenen in Zeithain besonders viel telefonieren? Oder wird in der Anstalt einfach besonders gut kontrolliert? Sowohl als auch, sagt ein Mitarbeiter. „Manche Gefangenen stellen sich beim Verstecken nicht sehr schlau an. Unsere Kollegen kontrollieren auch sehr intensiv. Und wir haben einen guten Hund.“

Tatsächlich gehört der einzige Handy-Spürhund Sachsens zur JVA Zeithain. Hier macht er regelmäßig und auf Verdacht seine Kontrollen. Andere Gefängnisse können Hund und Hundeführer auf Antrag für Kontrollen anfordern. Manchmal reisen beide auch in andere Bundesländer, um dort hinter Gittern nach verbotenen Mobiltelefonen zu suchen. – Während der Handy-Hund einzigartig ist, sind in sächsischen Gefängnissen gleich sechs Drogenspürhunde im Einsatz. In der JVA Zeithain spielen Heroin, Kokain, Ecstasy kaum eine Rolle. In den vergangenen Jahren tauchten sie allenfalls in Einzelfällen auf. Ein größeres Problem bildet Cannabis – und vor allem Crystal: Von der Aufputschdroge wurden in den ersten vier Monaten 2018 zwei Gramm entdeckt. Klingt nicht viel, bringt Zeithain aber nach Torgau auf Platz zwei der Crystal-Rangliste sächsischer Gefängnisse. Auch im Vorjahr hatte Zeithain beim Crystal diesen unrühmlichen zweiten Platz erreicht – da waren es insgesamt 22 Gramm; nur Leipzig bot noch ein Gramm mehr.

Dahinter dürfte jeweils noch eine erhebliche Dunkelziffer stecken. „Üblich bei den Gefangenen sind Kleinstmengen. Und was da ist, wird auch gleich konsumiert“, sagt der JVA-Mitarbeiter. Trotz erfahrener Kollegen und geschulter Hunde: Man bekomme kein Gefängnis drogenfrei. „Es bleibt ein tägliches Katz- und Maus-Spiel.“ Das Justizministerium stellt in der Antwort auf die Grünen-Anfrage die gängigen Importwege verbotener Gegenstände vor: Besucher schmuggeln Sachen rein, Gefangene bringen von Ausgängen was mit – oder sie werden einfach von außen über den Zaun geworfen. Auch Sendungen per Brief kamen vor – und Fälle, in denen Bedienstete zu Komplizen wurden. Zuletzt hatte ein Fall in Dresden für Aufsehen gesorgt: Dort hatte ein Justizbeamter jahrelang dutzendfach Handys und Alkohol geschmuggelt und sich so ein Zubrot verdient.

Dagegen helfen sollen zahlreiche Kontrollen, Detektoren, bauliche Maßnahmen. So erschwert mittlerweile ein Sichtschutz am Zaun der JVA Zeithain das Hinüberwerfen von Gegenständen. Außerdem erhalten des Schmuggelns verdächtige Besucher Hausverbot – aktuell betrifft das bei der JVA Zeithain 14 Personen. Ertappten Gefangenen drohen Disziplinarverfahren, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen, schlechtere Chancen auf Vollzugs-Lockerungen. Und eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gibt es in jedem Fall oben drauf.