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Ein tolles Geschäft für die Energieriesen

über die längerenLaufzeiten derAtomkraftwerke

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Von [email protected]

In den Energiekonzernen haben gestern die Sektkorken geknallt. Ihre Lobbyarbeit, zuletzt mit großformatigen Anzeigen, hat sich rentiert. Die millionenschwere Kampagne wird ein Vielfaches einbringen: Denn bei dem Energiekonzept, das die Kanzlerin revolutionär nennt, handelt es sich um ein glänzendes Geschäft. Abgeschriebene Atommeiler, die weiter Strom produzieren, sind wie Gelddruckmaschinen. Sogar dann noch, wenn man ein wenig davon für Haushaltskonsolidierung und fortschrittliche Technologien wieder abgeben muss.

Und nebenbei: Dass eine Wirtschaftsbranche im Prinzip selbst festlegt, was sie der neue Gewinn kostet, macht Politik eigentlich überflüssig. Dabei ist die Kernenergie umstritten wie keine zweite Technologie. Der Kompromiss, mit dem 2002 der langfristige Ausstieg vereinbart und von allen unterschrieben wurde, hieß völlig zurecht Atomkonsens. Er sollte nach Jahrzehnten, oft erbittert ideologisch geführtem Streit einen Ausgleich schaffen zwischen wirtschaftlichen und grob gesagt Umwelt-Interessen. Nicht nur irgendwelche Öko-Spinner – inzwischen lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung aus unterschiedlichen Beweggründen die Kernkraft ab.

Mit der Aufkündigung des Konsenses wurde noch nicht mal der Strompreis stabilisiert. Jetzt herrscht wieder Dissens mit allen Demo-Folgen. Und: Die nächste Regierung kann die Laufzeiten wieder beschränken.