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Ein totes Haus wird wiederbelebt

Die gähnende Leere im „Haus am Zwinger“ ist vorbei – dank Büros, Restaurants und einer Hommage an die Sophienkirche.

© Sven Ellger

Von Tobias Hoeflich

Vor dem Höhepunkt gibt’s eine Umarmung. Wer künftig die Terrasse mit Zwingerblick aufsucht, passiert ein aufgemaltes Strichmännchen mit ausgebreiteten Armen. „Super, dass du da bist!“, steht in weißen Buchstaben darüber. Wäre das Männchen schon vor Jahren aufgemalt gewesen, es hätte kaum jemanden begrüßt. Lange stand das Haus am Zwinger gegenüber dem Taschenbergpalais leer – trotz bester Lage und spektakulärem Blick auf den prunkvollen Barockbau. Das hat sich geändert: Ab Freitag heißt das Felix hier Gäste zum Speisen, Plaudern und Feiern willkommen.

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Den Namen des Restaurants, das auch für Veranstaltungen gebucht werden kann, hat Besitzer Thomas Scherer schnell erklärt: „So heißt mein achtjähriger Sohn.“

Scherer erwarb mit seinem fränkischen Unternehmen Denkmalneu das 1999 eröffnete Haus am Zwinger. Manche nennen es nach dem damaligen Investor auch Advanta-Riegel. Der Geschäftsführer will nun einen neuen Namen durchsetzen. Er hat das Objekt zum „lebendigen Haus“ auserkoren – nach Jahren der Leere. Bis 2007 waren hier überwiegend Büros untergebracht. Spätere Umbaupläne zu einem Hotel wurden nie Realität. Nur ein paar Händler und Gastronomen harrten noch im Erdgeschoss aus, ehe sich Denkmalneu im Jahr 2014 des Hauses annahm. Rund 45 Millionen Euro hat das Unternehmen in den Umbau investiert.

Für Scherer war schnell klar, dass der Riegel mit seinen 20 000 Quadratmetern Fläche eine Mischnutzung braucht. Nur Büros? „Kriegen wir nicht vermietet.“ Nur Wohnungen? „Ging vom Schnitt nicht.“ Deshalb sieht das Konzept eine Aufteilung vor: Handel und Gastro im Erdgeschoss, darüber Büros und ganz oben Apartments für befristete Aufenthalte sowie Penthouses zur langfristigen Miete. Zum Nulltarif gibt es die exklusive Lage freilich nicht: Für die Penthouses sind mindestens 12,50 Euro Kaltmiete je Quadratmeter fällig. Scherer: „Wir kriegen das Haus nur belebt, wenn wir es zu einem Erlebnis machen.“

Das Konzept kommt an. Rund 80 Prozent der Bürofläche hat Denkmalneu inzwischen vermietet. Schon eingezogen sind die Mitarbeiter des Immobilienunternehmens Engel & Völkers. Eine Anwaltskanzlei folgt in Kürze. Auch die Flächen für Handel und Gastronomie sind zu drei Vierteln vermietet, die Penthouses zur Hälfte. Der Hotel- und Gaststättenverband hat die Apartments zur Fünf-Sterne-Unterkunft gekürt – als eine von nun sechs Einrichtungen in Dresden.

Um den lebendigen Charakter des Hauses zu stärken, arbeitet Denkmalneu mit dem Wiener Künstler Sha zusammen. „Die strenge, serielle Architektur des Hauses hat mit Lebendigkeit nicht viel zu tun“, sagt der Österreicher. Er hat für das Haus eine Art künstlerische DNA entwickelt, die sich unter anderem als meterhohe Kunstwerke in den Treppenhäusern wiederfindet. Auch ein sakral klingender Gesang hallt immer wieder leise durch das Objekt – als Erinnerung an die gotische Sophienkirche, deren Türme sich hier einst erhoben.

Im Krieg 1945 schwer beschädigt, wurden die Reste des Gotteshauses Anfang der 60er-Jahre trotz Protesten von Bürgern und Denkmalschützern abgerissen. Diese Wunde, so Sha, sei noch zu spüren: „Wir konnten die Geschichte nicht weglassen. Es war auch deshalb ein totes Haus, weil sich niemand um diese Energie gekümmert hat.“ Der Künstler hofft, mit seinem Werk einen Heilungsprozess in Gang zu setzen – auch wenn das dauern kann.

Schneller soll sich dagegen das Erdgeschoss des Hauses füllen. Während am Ostende des Riegels schon Gäste in einem italienischen Restaurant bewirtet werden, versprüht ab Oktober am Westende an der Sophienstraße eine Bar Karibikflair. Bis dahin sind in dem Haus noch einige Restarbeiten zu erledigen. Das soll bis September geschafft sein: Dann plant Denkmalneu-Chef Scherer die Eröffnung des gesamten Hauses.