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Ein Treffpunkt für Flüchtlinge

Das Leubnitzer Jugendhaus Spike will Asylbewerbern einen Ort der Begegnung bieten. Und ihnen etwas Angst nehmen.

© sächsische zeitung

Von Nora Domschke

Ellen Demnitz-Schmidt ist sichtlich aufgebracht, wenn es um den Tod des jungen Khaled geht. Der 20-jährige Flüchtling wurde am Dienstag vergangener Woche erstochen im Innenhof eines Plattenbaugebietes an der Dohnaer Straße aufgefunden – nur wenige Meter vom Jugendtreff Spike entfernt. Die Leiterin der Einrichtung in der Karl-Laux-Straße 5 erfuhr erst aus der Zeitung, dass bereits seit Monaten derart junge Asylbewerber in der Nachbarschaft leben.

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„Warum hat uns denn die Stadt darüber nicht informiert“, fragt Demnitz-Schmidt und kritisiert damit offen die Arbeit der Ämter. Schließlich kümmern sich die Mitarbeiter des Vereins Altstrehlen 1 seit vielen Jahren um junge Menschen in Dresden – unabhängig von ihrer Hautfarbe und Herkunft. Nun sollen sich Flüchtlinge und hilfsbereite Dresdner künftig im Jugendhaus Spike treffen.

Unterstützt wird Demnitz-Schmidt dabei von der Leubnitzer Kirchgemeinde. Bereits am vergangenen Sonntag organisierte Pfarrer Andreas Horn ein Friedensgebet für den Toten. Etwa 150 Menschen fanden den Weg in die Leubnitzer Kirche – unter ihnen auch zehn junge Eritreer. „Wir haben sie am Freitag dazu eingeladen“, sagt Gemeindepädagoge Jan Weißbach. Der 38-Jährige kümmert sich schon seit 15 Jahren um Kinder, Jugendliche und Familien im Stadtteil und ist über den Mord an Khaled entsetzt. Als er davon erfuhr, telefonierte Weißbach sofort mit Demnitz-Schmidt. Sie hatte mittlerweile bereits Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) kontaktiert, sich bei ihm auch über die Informationspolitik der Stadt beschwert. „Dann ging plötzlich alles sehr schnell“, sagt die Leiterin des Jugendtreffs. „Gemeinsam mit den zuständigen Sozialarbeitern haben wir noch am Freitag fünf Wohngemeinschaften besucht.“

Gut versorgt - aber kaum Kontakte

Seitdem weiß sie, wie verängstigt die Flüchtlinge sind, die in dem Plattenbaublock an der Johannes-Paul-Thilman-Straße wohnen. „Sie sind zwar gut versorgt, auch die Zimmer waren alle sehr ordentlich“, sagt Demnitz-Schmidt. Aber es gebe kaum Kontakt zu den Nachbarn – auch aufgrund der sprachlichen Hürden. Wenige der Männer, die zwischen 18 und 20 Jahre alt sind, sprechen etwas Englisch, kennen einige deutsche Wörter. „Was wir verstehen, ist, dass sie große Angst haben.“ sagt Weißbach. Angst, die Wohnung zu verlassen, denn ihre deutschen Nachbarn sind eher distanziert.

Doch es geht auch anders, wie das Friedensgebet am Sonntag gezeigt hat. „Es war sehr bewegend, als die zehn jungen Männer in die Leubnitzer Kirche eintraten“, erinnert sich Demnitz-Schmidt. Auf die erste Stille folgten freundliche Gesten, lächelnde Gesichter hießen die Flüchtlinge willkommen. „Einige von ihnen sind Christen, die sich über die Gebete und Anteilnahme offensichtlich sehr gefreut haben“, berichtet Weißbach. Bislang fehlte ihnen vielleicht der Mut – künftig wird auch für sie die Kirche ein Anlaufpunkt im Stadtteil sein.

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Genauso, wie der Jugendtreff. Gestern Nachmittag kamen rund 20 Asylbewerber aus der Nachbarschaft, um in den Räumen in der Karl-Laux-Straße Billard, Kicker oder Tischtennis zu spielen. „Natürlich nutzen sie bei uns auch das Internet“, sagt Demnitz-Schmidt, die dieses Angebot noch ausbauen will. Nun suchen sie und Gemeindepädagoge Weißbach hilfsbereite Dresdner. Dabei geht es weniger um warme Jacken oder Wollmützen, sondern vielmehr um menschliche Begegnungen. So haben sich schon einige Dresdner angeboten, den jungen Menschen die Stadt zu zeigen. Mittwochs und sonntags soll das Jugendhaus zum Treffpunkt zwischen Flüchtlingen und Anwohnern werden.

Wer die Flüchtlinge unterstützen möchte, kann sich per E-Mail unter [email protected] direkt an den Jugendtreff Spike wenden. Dort werden alle Angebote koordiniert. Gebraucht werden unter anderem Wörterbücher.