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Ein Verkauf des Seifenwerkes ist denkbar

Nach der Insolvenz wird die Kappus-Gruppe jetzt fremdverwaltet und ist auf Kredite angewiesen.

Von Antje Steglich

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Riesa. Die Kappus-Gruppe kann nicht mehr schalten und walten, wie sie will. Alle wesentlichen Entscheidungen muss die Geschäftsführung jetzt mit Dr. Franz-Ludwig Danko abstimmen. Der 57-Jahre alte Insolvenzverwalter hatte das Unternehmen zwar bereits in den vergangenen Monaten als vom Amtsgericht Offenbach bestellter Sachwalter im Blick. Nachdem Kappus Ende September die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt hat, zählte es zu seinen Aufgaben, die wirtschaftliche Situation der Gruppe zu prüfen und die Tätigkeit der Geschäftsführung zu überwachen. Da das Insolvenzverfahren nun aber nicht mehr in Eigenverwaltung, sondern als Regel-Verfahren vorangetrieben wird, wurde Franz-Ludwig Danko jetzt auch zum Insolvenzverwalter bestellt. Vorläufig. Denn das eigentliche Insolvenzverfahren wird voraussichtlich erst im Dezember eröffnet.

Doch bis dahin sei man nicht untätig. Priorität haben jetzt die Verhandlungen über eine Zwischenfinanzierung, damit die Fortführung des Geschäftsbetriebes gesichert werden kann, so ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters. Konkret gehe es um die Finanzierung von Aufträgen, also vor allem um den Einkauf von Rohstoffen. Diese Kosten würden zwar letztlich durch den Verkauf der Produkte wieder erwirtschaftet. „Allerdings muss Kappus zunächst in Vorleistung treten, was angesichts der dünnen Liquiditätsdecke im Insolvenzverfahren schwierig ist“, so der Sprecher. Deshalb strebt das Unternehmen eine Zwischenfinanzierung in Form von Krediten an. Massekredite nennt sich das im Insolvenzrecht und bedeutet eben auch, dass die Forderungen möglicher Kreditgeber allen anderen Gläubigern vorangestellt werden. Wie viel Geld Kappus derzeit benötigt, dazu wollte man sich allerdings nicht äußern.

Trotz des formalen Wechsels der Verfahrensart laufe die Produktion in Riesa und an den anderen Kappus-Standorten weiter. Entlassungen sind derzeit kein Thema, Riesa zähle weiterhin um die 80 Mitarbeiter. Da diese aber nicht alle Vollzeit beschäftigt sind, kursiert zum Teil auch die Zahl 73, womit das sogenannte Vollzeitäquivalent gemeint ist. Die Gehälter der Mitarbeiter würden weiterhin über Insolvenzgeld bezahlt.

Auch an der Spitze der Geschäftsführung der Kappus-Gruppe würde durch die formale Änderung derzeit nicht gerüttelt. Silvia Lackenbauer bleibt Geschäftsführerin. Die auf Insolvenzrecht spezialisierte Anwältin der Mentor Societät Offenbach wurde erst im September ins Unternehmen geholt, um die Insolvenz zu begleiten.

Wie die weitere Insolvenz verlaufen wird, ist derzeit allerdings noch unklar. Für die einzelnen Standorte – neben dem Riesaer Seifenwerk unterhält Kappus Produktionsstandorte in Offenbach, Krefeld und Heitersheim mit insgesamt 350 Mitarbeitern – werden derzeit keine Aussagen gemacht. „Wir streben weiter eine Sanierung des Unternehmens an“, so der Sprecher des Insolvenzverwalters, „denkbar sind sowohl ein Vergleich mit den Gläubigern als auch eine Investorenlösung.“ Die Übernahme durch einen Investor sei also durchaus vorstellbar.

Da es üblich ist, dass der vorläufige Insolvenzverwalter auch nach der Eröffnung eines Verfahrens für das Unternehmen zuständig bleibt, wird Franz-Ludwig Danko die Kappus-Gruppe wohl bis zum Ende des Prozesses begleiten. In der Region ist er kein Unbekannter – er begleitete unter anderem die Insolvenz der Laubegaster Schiffswerft oder der Druckguss Dohna. Erst im Oktober hat er nun nach Medienberichten seine eigene Kanzlei „Danko Insolvenzverwaltung“ mit Standorten in Dresden, Frankfurt am Main und Kassel gegründet.