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Ein Vertrauter geht

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten verabschiedet Frank Gössel in den Ruhestand. Er wird fehlen, gibt aber ein Versprechen.

© Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Altenberg. Da ist er tatsächlich noch einmal gekommen, und das gern. Das hat man ihm zur jüngsten Stadtratssitzung in Altenberg angesehen. Und auch das bisschen Stolz darüber, dass die Bergstädter ihm, dem Fürstenwalder und Mitarbeiter der Verwaltung, so viel Ehre zuteilwerden lassen. In seinem Gesicht spiegelte sich aber auch ein wenig Wehmut bei dem Gedanken, nun Tschüss zu sagen, das letzte Mal im Ratssaal auf den Mitarbeiter-Bänken zu sitzen. Eigentlich ist Frank Gössel, langjähriger harter Arbeiter auf den Äckern der Kommunalpolitik, seit Juni Rentner. Doch Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) wollte diesen Mann nicht sang- und klanglos ziehen lassen. Deshalb hatte er ihn zur Ratssitzung, in der er in den vergangenen Jahren so oft saß und Rede und Antwort stehen musste, eingeladen, um ihn nun noch gebührend zu verabschieden.

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Kirsten bedauert das Ausscheiden von Frank Gössel sehr, wie er gleich anfangs sagte. Er hätte ihn gern noch in ihren Reihen behalten, gerade jetzt, wo die personelle Situation oft angespannt ist, auch aufgrund der Größe der Stadt. Mit fast 146 Quadratkilometern ist Altenberg eine der größten Flächengemeinden in Sachsen. „Wir haben aber dafür nicht ausreichend Personal“, sagte Kirsten. Er hoffe, dass das in Zukunft finanziell besser geregelt wird. Denn die Aufgaben müssen ja trotzdem erledigt werden. „Wir arbeiten dabei genauso hart, wie in der privaten Wirtschaft“, unterstrich er in dem Zusammenhang, wohl wissend, dass die Arbeit in Behörden in der Öffentlichkeit oft unterschätzt und auch kritisiert wird. Auch deshalb fehlt Frank Gössel schon jetzt, ein Mann, der still und leise die Aufgaben auf seinem Schreibtisch abarbeitete, auch in der größten Hektik ruhig und besonnen blieb, mit der Erfahrung von 64 Lebensjahren.

Doch Frank Gössel hat sich anders entschieden, für sich, seine Familie, sein ehrenamtliches Engagement, das er auch weiter ausfüllen will. Nur hat er jetzt endlich mehr Zeit dafür. Kirsten weiß, was er mit dem Rückzug von Gössel aus der Verwaltung verliert: „Einen Vertrauten, einen guten Chef und exzellenten Leiter des Wildparks“, lobte der Rathaus-Chef. Gössel, Bürgermeister der ersten Stunde nach der Wende in Fürstenwalde, später auch in Geising, besitze besondere Ortskenntnisse und kenne die Menschen im ländlichen Raum besser als andere. „Ich konnte mich immer auf ihn verlassen.“ Obwohl Geising finanziell nicht auf Rosen gebettet war, sei es ihm dennoch mit dem Stadtrat gelungen, Geising lebens- und liebenswert zu machen. Kirsten sei dankbar, dass es jetzt kein Abschied für immer ist. Frank Gössel macht als Leiter vom Wildpark weiter. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 60 000 Besucher. Das seien doppelt so viele wie in anderen Einrichtungen der Stadt, sagte Kirsten anerkennend.

Damit Frank Gössel nun ohne Gehalt nicht vom Fleische fällt, gab es zum Schluss einen Präsentkorb und ein geheimnisvolles Paket. Kirsten und seine Mitarbeiter hatten wirklich genau hingehört, was ihrem Kollegen in seiner Freizeit, wenn er denn davon nun hoffentlich mehr hat, gefallen würde. Sie schenkten ihm eine Angel mit Zubehör, verrät Frank Gössel der SZ. Und er habe sich sehr darüber gefreut. „Ich habe doch selber einen kleinen Teich mit Forellen und paar Karpfen.“