merken

Ein Visionär für die Pirnaische Vorstadt

Platten und Brachen dominieren das Viertel. TU-Student Fabian Jäkel hat eine Vorstellung, wie sich das ändern könnte.

Von Tobias Hoeflich

Großer Zuzug, hohe Geburtenrate, sinkende Arbeitslosigkeit: Dresden boomt. Das macht sich auch auf dem Immobilienmarkt bemerkbar. Der Leerstand sinkt, Wohnungen werden knapp und vielerorts neu gebaut. Die Pirnaische Vorstadt profitiert bislang kaum von der Entwicklung. Wenn es um Bau geht, dann meist um Abriss – wie der Streit um die Hotel-Platte am Terrassenufer zeigt.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Eine schmalere St. Petersburger Straße und Kleinteiligkeit statt DDR-Platten: Ansicht des Rathenauplatzes aus Richtung Carolabrücke. Rechts ist die Synagoge zu sehen.
Eine schmalere St. Petersburger Straße und Kleinteiligkeit statt DDR-Platten: Ansicht des Rathenauplatzes aus Richtung Carolabrücke. Rechts ist die Synagoge zu sehen.
Von der einstigen Schönheit des Sachsenplatzes ist heute nicht mehr viel übrig. So könnte ein angemessener Rahmen für das Amtsgericht (Bildmitte) aussehen.
Von der einstigen Schönheit des Sachsenplatzes ist heute nicht mehr viel übrig. So könnte ein angemessener Rahmen für das Amtsgericht (Bildmitte) aussehen.
Fabian Jäkel Architekturstudent
Fabian Jäkel Architekturstudent

Ein Zustand, der sich dringend ändern muss, findet Fabian Jäkel, Diplom-Architekturstudent an der Technischen Universität Dresden. „Terra Incognita“ nennt der 25-Jährige die Pirnaische Vorstadt – unbekanntes Land. „Der Stadtteil hat eine geringe Aufenthaltsqualität. Es gibt keine öffentlichen Räume und Plätze“, findet Jäkel. Dabei habe der elbnahe Teil großes Potenzial. „Nach der Altstadt ist es das Viertel, wo sich am ehesten etwas ändern muss.“

Wie das aussehen könnte, dazu hat sich der gebürtige Riesaer ein Vierteljahr lang Gedanken gemacht: teils als Studienarbeit, teils in der Freizeit. Oberste Priorität hat für ihn, dem Viertel seine einstige Urbanität zurückzugeben – mit „klaren Kanten zum Terrassenufer und zum Altstadtring“. Geschlossene, kleinteilige Karrees statt frei stehender Wohnblöcke: Jäkel bezieht bewusst traditionelle Elemente in seine Pläne und Visualisierungen mit ein, ohne dabei Geschichtliches nachahmen zu wollen.

Die Rückbesinnung auf vergangene Zeiten hält er für wichtig. „Altstädte schaffen das, was zeitgenössische Architektur nicht imstande ist zu leisten“, sagt Jäkel, der sich schon zu Schulzeiten für Architektur interessierte. Viele Städte hat er bereist und daraus Rückschlüsse auf sein eigenes Bild vom perfekten Stadtbau gezogen. „Ich finde es nur konsequent, dabei zurückzuschauen. Es sind immer die Altstadtviertel, in die es Bewohner zieht.“ Dabei übt er auch Selbstkritik an seiner eigenen Branche. Ein Unding sei es etwa, dass Architektur und Stadtplanung oft getrennt betrachtet werden – obwohl beides zusammengehöre. Doch fehle es auch an Konstanz im Städtebau: Was heute modern erscheint, wird schon wenige Jahre später wieder verworfen. „Das Modell zum Postplatz, das aus den 90er-Jahren stammt, würde heute wohl kein Architekt mehr so entwerfen.“

Umso wichtiger, dass die Entwicklung der Pirnaischen Vorstadt wohlüberlegt ist. Jäkel ist Realist genug, um zu wissen: Es wird Jahrzehnte dauern, das Erscheinungsbild des Viertels nachhaltig zu verändern. Nicht nur manches Wohnhaus müsste verschwinden, auch die St. Petersburger Straße schmaler werden. Dazu braucht es freilich Geld – aber auch die nötigen Entscheidungsträger. „Wir brauchen Politiker, die Visionen haben und die auch umsetzen“, findet der Architekturstudent. Viel zu wenig spreche die Verwaltung in Gestaltungsfragen mit, wenn Investoren Neubauten planen. „Dresden muss sich frühere urbane Qualitäten zurückholen. Mit Plattenbauten kann man das nicht leisten.“

In hiesigen Internetforen, wo über Architektur in Dresden diskutiert wird, hat Jäkels Entwurf bereits für Anerkennung und lobende Worte gesorgt. Dem wird auch sein Professor zustimmen. Er hatte die Studenten mit einem Entwurf für die nördliche Pirnaische Vorstadt beauftragt und Jäkels Arbeit mit der Note 1,3 honoriert. Nach dem Studium will der zunächst im Büro des namhaften Berliner Architekten Hans Kollhoff arbeiten. Schon jetzt entwirft und tüftelt er hier als Praktikant. Einen Posten in der Dresdner Stadtplanung kann er sich aber auch vorstellen. Zu tun gäbe es jedenfalls genug.

www.fabianjaekel.com