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Ein völlig unnormales Duell

Der FC Bayern hat mit RB einen Verfolger auf Augenhöhe und verzichtet vor dem Spitzenspiel auf markige Sprüche.

© dpa

Von Daniel Klein

Die Brisanz eines Bundesliga-Spiels lässt sich im Vorfeld an harten Fakten wie der Tabelle ablesen. Oder an weichen Faktoren wie dem Medienrummel, den Emotionen. Wenn der FC Bayern am Mittwoch RB Leipzig empfängt, stimmt beides. Dass die Münchner am Ende einer Hinrunde auf einen punktgleichen Verfolger treffen, ist für die jüngsten Fußballfans ein völlig unbekanntes Phänomen. 2011 hatte der Serienmeister mal nur drei Zähler Vorsprung auf Dortmund. Danach waren selbst Spitzenspiele rein tabellarisch eher langweilige Angelegenheiten.

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Das droht nun keinesfalls. „Es ist ein Duell, das ganz Deutschland elektrisiert und über die Landesgrenzen hinaus die Leute begeistern wird“, findet RB-Trainer Ralph Hasenhüttl. Die Spannung ist auch deshalb so groß, weil sich nicht nur die Experten fragen, wie die in der Hinrunde selten überzeugenden und meist träge wirkenden Bayern mit diesem Tempo- und Gierfußball des Emporkömmlings zurechtkommen werden.

Auch deshalb ist es ein Duell der Gegensätze. Die vor sieben Jahren gegründeten Rasenballer haben in ihrer Sammlung bisher Titel wie Oberliga- und Regionalligameister sowie Sachsenpokalsieger stehen. Beeindruckend klingt irgendwie anders. Trotzdem spricht Welttorhüter Manuel Neuer vom 26-maligen deutschen Meister von einem „Duell auf Augenhöhe“. Der Respekt vor dem Aufsteiger ist gewaltig, das zeigen auch die Äußerungen aus der Münchner Chefetage.

Normalerweise werden Konkurrenten, die den Bayern gefährlich nahekommen, mit markigen Sprüchen zurechtgestutzt. Werder Bremen wollte Uli Hoeneß mal „richtig niedermachen“. Dem Trainer von Hoffenheim warf er später „Besserwisserei“ vor. Der hieß damals Ralf Rangnick und ist jetzt Sportdirektor bei RB. Statt Kampfansagen schickt Bayern-Präsident Hoeneß eher Lobhudeleien nach Sachsen. „Ralph Hasenhüttl macht es gut bei RB Leipzig“, sagte er im Kicker. „Wenn wir irgendwann einmal einen deutschsprachigen Trainer suchen sollten, gehört er mit Sicherheit zu den drei Kandidaten, über die man nachdenken muss.“

Thomas Müller findet, dass im Duell „sehr viel Prestige“ stecke. „Es geht um mehr als nur die drei Punkte“, sagte der Bayern-Angreifer. „Es ist als Jahresabschlussspiel für ganz Fußball-Deutschland wunderbar. Für uns auch – wenn wir gewinnen sollten.“ (mit dpa)