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Ein Waldweg wird Umleitung

Die Sanierung der Straße nach Halbestadt gilt als äußerst kompliziert. Anwohnern graut vor den Bauarbeiten. Die Umleitung führt über einen schmalen Waldweg.

© Dirk Zschiedrich

Von Gunnar Klehm

Sächsische Schweiz. Seit Jahren wird bereits geplant. Trotzdem sind immer noch nicht alle Einzelheiten geklärt. Dieser Straßenbau gehört zu den kompliziertesten in der Region überhaupt. Die nur gut drei Meter breite Straße auf der rechten Elbseite, die vom Bad Schandauer Ortsteil Prossen in den Königsteiner Ortsteil Halbestadt führt, ist die einzige Zufahrt in den Ort. Sie wird zwar erst in zwei Jahren gebaut – frühestens. Trotzdem wurden die betroffenen Anlieger schon jetzt über das Vorhaben informiert.

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Das Planungsbüro und die Bürgermeister von Königstein und Bad Schandau, Tobias Kummer (CDU) und Thomas Kunack (WV Tourismus), stellten am Mittwochabend in einer Einwohnerversammlung in Halbestadt die Pläne vor. Etwa 40 Betroffene waren gekommen. Die SZ erklärt die größten Knackpunkte.

Zwei Kilometer Waldweg als Umleitung

Ohne Vollsperrung geht es nicht
Laut Planer Ronald Wiesner gibt es keine Alternative zur Vollsperrung. Die jetzige Fahrbahn rutscht langsam vom Hang und muss mit einem Kopfbalken aus Stahlbeton auf der Elbseite gesichert werden. Damit dieser nicht rutscht, wird er mit langen Pfählen im Baugrund verankert. Das Baufeld wird in dieser Zeit nicht befahrbar sein. Damit sie überhaupt nach Halbestadt kommen, soll während des Straßenbaus ein Waldweg für Anlieger geöffnet werden. Der sogenannte Wäldchenweg führt von Waltersdorf am Parkplatz Lilienstein vorbei hinunter ins Elbtal. Diesen müssten allerdings nicht nur die Bewohner der gut 70 Haushalte in Halbestadt nutzen, sondern auch die Urlauber. Allein die Familienoase zählt jedes Jahr rund 13000 Gäste.

Im Winter droht völlige Isolation
Gegenwärtig ist der Wäldchenweg, der mitten durch den Nationalpark führt, aber für Pkws ungeeignet. Er wird von 30 sogenannten Wasserabschlagshügeln durchzogen. „Da werden wir noch versuchen, zusammen mit dem Nationalpark eine Lösung zu finden, diese Stellen besser befahrbar zu machen“, sagt Wiesner. Ein Winterdienst ist im Wald ausgeschlossen. Deshalb wäre die Umleitung lediglich von April bis Ende Oktober möglich. In dem Zeitraum muss der Straßenbau abgeschlossen sein.

An der Ampel 15 Minuten Wartezeit
Der Wäldchenweg ist nur 3,20 Meter breit, auf einer Länge von fast zwei Kilometern ist kein Begegnungsverkehr möglich. Die Fahrzeit auf der unebenen Gefällestrecke wird so kalkuliert, dass mit Wartezeiten an der Ampel von einer Viertelstunde gerechnet werden muss. Nun wird überlegt, ob sich gleich ein fester Fahrplan lohnen würde, auf den sich alle Einwohner einstellen können. Etwa nach dem Muster: Zur vollen Stunde geht es rauf und zur Dreiviertelstunde wieder runter. Um den Autoverkehr zu reduzieren, will die Stadt den Halbestädtern während der Bauzeit Stellplätze auf der Königsteiner Elbseite anbieten. Vergünstigungen müssten noch verhandelt werden.

Rettungsdienst braucht länger
Sofort kam von Anwohnern die Frage, wie der Rettungsdienst gewährleistet werden soll. Dass dieser in der Bauzeit eine längere Fahrzeit wegen der Umleitung hat, ist nicht zu vermeiden. Es soll aber eine Regelung geben, dass vorab per Fernsteuerung beide Ampeln auf Rot gestellt werden, damit sich kein Auto auf dem Waldweg befindet, wenn ein Rettungsfahrzeug naht.

Bauarbeiter transportieren Mülltonnen
Im Baustellenbereich der Straße gibt es vier bewohnte Grundstücke. Deren Erreichbarkeit werde gewährleistet, heißt es. „Mit dem Auto aber nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit“, erklärt der Bauplaner. Da seien Abstimmungen mit der Baufirma nötig, „an die sich aber auch beide Seiten halten müssen“, so Wiesner. Die Müllentsorgung bleibe auch gesichert. In der Ausschreibung der Bauleistung werde mit aufgeführt, dass die Baufirma die Mülltonnen zu den regulären Entsorgungsterminen aus der Baustelle rausschaffen muss.

Todeskurve wird nicht entschärft
Mit Verärgerung nahmen die Halbestädter zur Kenntnis, dass die erste Kurve nach dem Gründelbach von Prossen nicht zum Bauvorhaben gehört. Dort gab es schon zwei tödliche Unfälle mit Radfahrern. Erst nach der Kurve beginnt der geplante Straßenbau.

Trockenmauer muss stehen bleiben
Aus Naturschutzgründen darf die Trockenmauer auf der Elbseite nicht angetastet und damit die Straße nicht verbreitert werden. Hangseitig sind fünf zusätzliche Ausweichstellen geplant, die in Sichtweite voneinander angeordnet werden. Über Grundstücksfragen müsse mit den Eigentümern noch verhandelt werden, heißt es. Auf der Hangseite beginnt unmittelbar der Nationalpark. Ein offizieller Vertreter war zur Bürgerversammlung aber nicht dabei.

Baubeginn soll im Frühjahr 2020 sein
Beide beteiligten Städte haben eine Vereinbarung über die Finanzierung getroffen. Es wird mit Baukosten von rund 1,9 Millionen Euro gerechnet, die nach Auskunft des Landesamtes für Straßenbau mit 90 Prozent gefördert werden können. Vorab müssen noch alle offenen Fragen geklärt werden. Im besten Fall wird mit einem Baubeginn im Frühjahr 2020 gerechnet.

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