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Einbrecher Harry wieder verurteilt

Ein 59-jähriger Serientäter hat mit seinem Reflex, jede Strafe anzufechten, wieder Schiffbruch erlitten.

© dpa

Von Alexander Schneider

Vielleicht hat es das Leben wirklich nicht gut mit Harry N. gemeint. Vielleicht stimmt es, dass der 59-Jährige fünf Berufe gelernt hat, aber nie eine Arbeit fand. Tatsache ist aber leider auch, dass der gebürtige Brandenburger seit 1975 eine enge Beziehung mit der Justiz unterhält. Er hat inzwischen 30 Vorstrafen und mehr als 28 Jahre im Gefängnis gesessen. Ein Staatsanwalt hat es einmal so formuliert: Kaum wird N. entlassen, arbeite er daran, schnell wieder einzufahren. Ein psychiatrischer Gutachter kam zu dem Schluss, N. sei nicht in der Lage, ohne Betreuung ein Leben außerhalb der Gefängnismauern zu führen.

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In N.s letzten vier Prozessen seit 2017 wurde auch deutlich, dass er sich selbst nie ausreichend um Hilfe bemüht hatte, wenn er in Freiheit war. Er ging stehlen. Im Februar 2017 wurde N. am Amtsgericht Dresden für knapp 20 Einbrüche und Diebstähle zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Unter anderem hatte er im April 2015 in diesem Amtsgericht ein Gemälde des Leipziger Malers Robert Schmiedel entwendet, der dort ausgestellt hatte. Wegen der Dreistigkeit seiner Tat hatte N. eine gewisse Bekanntheit erlangt: Er stiefelte im Blaumann in das Haus, nahm im vierten Stock die Federzeichnung von der Wand und verschwand in aller Ruhe. Trotz bewachter Pforte fiel der Diebstahl erst Tage später auf. N. drang auch in Ateliers ein, in Firmen- und Vereinsgebäude, er stahl Verwertbares aus Hotels und aus Handtaschen in Einrichtungen wie der Hochschule für bildende Künste. Da N. sein Urteil trotz Absprache nicht akzeptierte, fand im September 2017 die Berufung statt. Das Landgericht Dresden bestätigte jedoch das Urteil.

Schon im November wurde der Kunstdieb für 18 weitere Taten aus den Jahren 2015 und 2016 verurteilt: Das Amtsgericht erhöhte die letzte Strafe auf drei Jahre und neun Monate. Trotz der Milde des Schöffengerichts legte N. wieder Rechtsmittel ein.

Am Donnerstag fand also wieder ein Berufungsprozess am Landgericht statt. Die Kammer wälzte Harry N.s Verurteilungen hin und her und nach zwei Stunden gab es eine kleine Überraschung. Neben der alten Strafe von drei Jahren und zwei Monaten erhielt N. nun eine zweite Strafe von glatt zwei Jahren dazu. Beide Urteile sollen später von einem anderen Gericht in eine Gesamtfreiheitsstrafe umgewandelt werden. Harry, der Serieneinbrecher, muss nun fürchten, dass diese Strafe auch über vier Jahre hinausgehen kann.