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Einbrecher kommen gern durch die Terrassentür

Diebe haben es oft leicht, in Häuser einzudringen. Dabei lässt sich das mit einfachen Mitteln verhindern.

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© Arvid Müller

Von Peggy Zill

Coswig. Ein bisschen Geschick und ein etwas größerer Schraubendreher genügen, um ein einfaches Kunststofffenster innerhalb einer Minute zu öffnen. Auch Türschlösser sind für Profi-Einbrecher kein Hindernis. Mit den Techniken der Diebe kennt sich Jens Hoffmeister bestens aus. Er verkauft Sicherheitstechnik und sichert Häuser und Läden. Zurzeit hat er viel zu tun.

Zeiten, in denen sich die Bürger unsicher fühlen, bringen Hoffmeister viele neue Kunden. „Aufträge für Hausabsicherungen sind sprunghaft angestiegen“, erzählt er. Nachdem im vergangenen Jahr in den Real-Markt in Niederau Flüchtlinge eingezogen sind, habe er rundherum Häuser gesichert. „Dabei sind es nicht die Asylbewerber, die einbrechen.“ Organisierte Banden aus Osteuropa seien das Problem. Seit der Einbruchsserie in Radebeul haben auch zahlreiche Geschäftsinhaber das Coswiger Sicherheitsunternehmen angerufen. Hoffmeister bedauert, dass viele erst kommen, wenn es zu spät ist. „Wer rein will, kommt auch rein“, würden viele Kunden sagen. Das sieht Jens Hoffmeister anders.

Vor Ort schaut er sich die Häuser an und versetzt sich in die Lage der Einbrecher. „Wir schauen, wo man am schnellsten reinkommt“, so Hoffmeister. In 70 Prozent der Fälle knacken die Diebe die Terrassentür. Die ist meist auch nur ein größeres Fenster und dazu noch an einem geschützten Punkt gelegen. „Einbrecher wollen es auch bequem haben“, weiß Hoffmeister. Dass eine Scheibe eingeschlagen wird, sei sehr selten.

Mechanische Barriere schaffen

Wie schnell so ein Fenster aufgehebelt ist, können Kunden bei der Sicherheitstechnik Hoffmeister an der Kötitzer Straße selbst ausprobieren. Um das eigene Haus zu sichern, müssen die Fenster aber nicht ausgetauscht werden. „Wir empfehlen Nachrüstprodukte. Die sind fast unschlagbar“, so der Experte. Dabei bekommt das Fenster mit einem Stangenschloss zusätzliche Verriegelungspunkte. Der Griff lässt sich außerdem abschließen. Um eine Terrassentür so zu sichern, müssen rund 500 Euro investiert werden.

Eine ordentliche Eingangstür sei bei Geschäften das Wichtigste. „Mitunter ist das aufgrund des Denkmalschutzes schwierig“, so Hoffmeister. Wie bei den Fenstern gilt auch hier, eine mechanische Barriere zu schaffen. Das könnte ein Querriegel sein, der durch die Schiebetür sichtbar ist oder eben ein Schutzgitter. „Sobald die Einbrecher merken, dass es länger als zwei bis drei Minuten dauert, lassen sie die Finger davon“, weiß Hoffmeister.

Bei Türen sei der Schließzylinder der Knackpunkt. Mit einem neueren Modell ist man gegen die Schlagschlüssel- oder Picktechnik, die Profis anwenden, gewappnet. Kosten: 80 bis 120 Euro.

Alarmanlagen können abschreckend wirken, aber sie halten nicht alle Einbrecher von ihrem Vorhaben ab, meint der Coswiger. „Denn sie reagieren erst, wenn die Tür schon offen ist. Bis die Polizei da ist, bleibt den Dieben Zeit zum Einpacken“, so Hoffmeister. Eine Alarmanlage sei deshalb nur sicher, wenn es auch eine mechanische Sicherung gibt.

Maschen werden immer dreister

Und ein wachsamer Nachbar ist ebenso hilfreich und unbezahlbar. Denn die Maschen der Einbrecher werden immer dreister. Sie spähen ihre potenziellen Opfer aus. Wenn die außer Haus sind, fahren die Langfinger im Blaumann mit Transporter vor und die Nachbarn denken, der Handwerker ist da. „Oder sie kaufen einen ausrangierten Höffner-Lkw, sodass es wie eine Möbellieferung aussieht“, erzählt Hoffmeister, wie einfallsreich die Diebe unterdessen vorgehen.

Manche Hausbesitzer seien aber auch zu leichtgläubig und fahrlässig. „Da bekommt, während das Haus gebaut wird, jeder Handwerker einen Schlüssel und zum Schluss hat man den Überblick verloren“, so Hoffmeister.

Oft bekomme er auch den Satz zur hören „Bei uns gibt es doch gar nichts zu holen“, wenn er auf eine Sicherheitslücke hinweist. Damit würden die Leute falsch liegen. „Das Gefühl der Sicherheit ist nach einem Einbruch weg. Und das kann man sich nicht zurückholen“, sagt Jens Hoffmeister. 40 Prozent der Einbruchsopfer wechseln später Haus oder Wohnung.