merken

Einbrüche im Rehazentrum

Die Täter entwenden aus dem Spind Autoschlüssel und Geldbörsen, heben Geld ab. Das wird ihnen zum Verhängnis.

© Jannes Beyer

Von Jürgen Müller

Anzeige
Spektakulärste Rammstein Tribute Show

Am 10. Januar 2020 stellt STAHLZEIT den brachialen Sound, die raue Attitüde und das Spiel mit dem Feuer im Stile RAMMSTEINS in der SACHSENarena dar.

Meißen. Der 58-jährige Meißner zweifelt an jenem Donnerstag im September vorigen Jahres zunächst an sich selbst. Sein Spind in einem Rehazentrum steht offen, die Tasche liegt in einem anderen Fach, der Autoschlüssel ist weg. Hat er ihn verloren? Er sucht im ganzen Haus, auch auf dem Weg zum Parkplatz. Nichts zu finden.

Das Foto zeigt einen der Spinde, den die Täter aufbrachen.
Das Foto zeigt einen der Spinde, den die Täter aufbrachen. © privat

Seine Frau bringt den Zweitschlüssel. Als sich der Mann ins Auto setzt, vermisst er seine Arbeitstasche, die auf dem Beifahrersitz lag. Darin befinden sich die Geldbörse mit 150 Euro Bargeld, die EC-Karte, Personalausweis, Führerschein, Fahrzeugpapiere. Erst jetzt wird ihm klar: In den Spind wurde eingebrochen, der Autoschlüssel gestohlen, sein Wagen damit geöffnet. Sofort sperrt er sein Konto. Doch da ist es schon zu spät. Die Täter haben schon 1 000 Euro am Geldautomaten abgehoben. Das ging nur, weil der Mann die Geheimzahl auf einem Zettel im Portemonnaie hatte. Die Bank ersetzt den Schaden nicht. Auch auf den Kosten, um sich die Papiere neu zu beschaffen, bleibt der Meißner sitzen. Insgesamt kostet ihn das 1 500 Euro. Die Geldbörse hatten die Täter samt Papieren in die Triebisch geworfen.

Vier Tage später wird erneut in einem Spind in dem Reha-Zentrum eingebrochen. Diesmal finden sie dort gleich eine Tasche mit allen Wertsachen, stehlen die Geldbörse mit allen Papieren. Geld abzuheben, gelingt ihnen diesmal aber nicht.

Die Täter, ein 27-jähriger Mann und eine 28 Jahre alte Frau, beide aus Meißen, sitzen wegen Diebstahls im besonders schweren Fall und Computerbetrugs vor Gericht. Zum Verhängnis wurde ihnen, dass sie beim Geldabheben gefilmt wurden. Dem Mann werden zusätzlich noch drei Autofahrten vorgeworfen. Dabei hatte er keine Fahrerlaubnis, der BMW war nicht zugelassen und nicht versichert, hatte falsche Kennzeichen und eine gefälschte Plakette. Dafür hatte der Mann in einem Fall Drogen bei sich, stand auch unter Drogeneinfluss.

Rauschgift ist auch der Grund für die Straftaten. Beide sind seit Jahren schwer drogenabhängig, nehmen bis heute Crystal. Das Geld haben die beiden verbraucht, angeblich für Lebensmittel und Geschenke für die Kinder, sagt die Frau. Tatsächlich haben sie wohl Crystal dafür gekauft. Beide benötigen für ihren Drogenkonsum deutlich mehr Geld, als sie Arbeitslosengeld beziehen. Und dieses Geld beschaffen sie sich durch Straftaten. Während die Frau schon mal eine Langzeittherapie begann, diese aber abbrach, hat der Mann über eine Therapie bisher nur „nachgedacht“. Die Drogenabhängigkeit ist auch der Grund, warum keines ihrer drei Kinder bei der Frau lebt. . Sie hat hohe Schulden, aber inzwischen den Überblick verloren. Wegen Betrugs und Diebstahls wurde sie schon mehrfach zu Geldstrafen verurteilt.

Der Mann dagegen hat schon zweimal im Gefängnis gesessen. Schon als 15-Jähriger stand er wegen Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten vor dem Jugendgericht, kam aber immer mit dem erhobenen Zeigefinger davon. Derart ermutigt und mit der Erfahrung, dass ihm sowieso nichts passiert, legte er richtig los. Dann setzte es endlich wegen dreifachen Raubes, versuchter räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls eine Jugendstrafe von zwei Jahren, die er voll absaß. Später kamen ein Jahr und vier Monate wegen Raubes hinzu. Auch die hat er voll abgesessen.

Auch diesmal bekommt er eine Haftstrafe von einem Jahr, seine Komplizin von acht Monaten. Beide Strafen werden für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Auflagen sind allerdings knallhart. Beide werden einem Bewährungshelfer unterstellt, müssen eine Suchtberatung aufsuchen, einen Drogen-Entzug und eine Langzeittherapie machen, die sie auch nicht abbrechen dürfen und den Schaden von 1 500 Euro ersetzen. Verstoßen sie auch nur gegen eine dieser Auflagen, wird die Bewährung widerrufen und sie rücken ins Gefängnis ein. Mit dem Urteil sind die beiden gut weggekommen. „Man hätte durchaus auch Haftstrafen ohne Bewährung verhängen können, bei Ihnen sind wegen des Drogenkonsums neue Straftaten nur eine Frage der Zeit“, so der Richter.