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„Eine Art Reisemesse auf dem Land“

Gostewitz feiert nächste Woche das „Internationale Fest der Dörfer“ – mit ganz besonderen Dorfbewohnern.

© Sebastian Schultz

Riesa. Die Welt trifft sich in Gostewitz. Naja, sagen wir: halb Europa. Am Wochenende 21./22. April reisen Dorfbewohner aus Tschechien, Polen, Österreich, Slowenien, Weißrussland und Deutschland zum „Internationalen Fest der Dörfer“ an. Und zwar handelt es sich dabei nicht um ganz gewöhnliche Dorfbewohner, sondern um solche aus „Erlebnisdörfern“. Vor fünf Jahren schlossen sich engagierte Menschen zusammen, um ihre Dörfer bekannter zu machen. Unter den Gründungsmitgliedern war auch Jan Giehrisch vom Wohnkulturgut Gostewitz. Im SZ-Interview erklärt er, was die Gäste Ende nächster Woche bei der Veranstaltung erwartet.

Herr Giehrisch, wie kommen Sie zu der Ehre, Gastgeber des ersten Internationalen Fests der Dörfer zu sein?

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Wir sind von Anfang an im Verein der Erlebnisdörfer dabei und haben die Idee für die Veranstaltung mitentwickelt. Zudem sind wir ja geübt darin, Feste auszurichten.

Was zeichnet ein Erlebnisdorf denn aus?

Jedes Dorf hat sich einem Thema verschrieben. Es gibt das Kräuterdorf Sprögnitz in Niederösterreich, das autofreie Dorf Werfenweng im Salzburgerland, die Krokusgemeinde Drebach im Erzgebirge, das Buchdorf Mühlbeck in Sachsen-Anhalt, das Krabatdorf Metlika in Slowenien, das Flitterwochendorf Wioska Miodowa in Polen oder das Elefantendorf Platschow in Brandenburg. Die Orte sind sehr verschieden. An manchen, wie im Spielzeugdorf Seiffen, gibt es eine funktionierende touristische Infrastruktur und viele unterschiedliche Akteure. In anderen Dörfern gibt es gerade mal eine Handvoll Leute, die sich auch nach außen sichtbar für ihre Dörfer einsetzen. So wie bei uns in Gostewitz.

Unter welchen Titel tritt Gostewitz auf?

Wir haben lange überlegt und uns dann für Künstlerdorf entschieden. Wegen des Kunst- und Handwerkermarktes und der Sommerakademie ist das, denke ich, gerechtfertigt. Zudem leben mit mir als Steinmetz und dem Töpfer Heinz Lindner zwei von 30 Gostewitzern von ihrer Kunst. Das ist doch eine ganz gute Quote.

Was ist das Anliegen der Erlebnisdorfbewohner?

Natürlich wollen wir in erster Linie Besucher anlocken. Es kommt uns aber auch darauf an, das Leben auf dem Land generell zu bewerben – zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man sich einsetzt. Viele Dörfer, besonders in der Lommatzscher Pflege, sterben ja leider aus.

Was erwartet die Besucher des internationalen Dörferfests?

Die Orte präsentieren sich an Ständen und auf der Bühne, etwa mit Fotos und Folklore. Für die Kinder kommt ein Puppenspieler. Auch ein paar Handwerker sind da, aber natürlich soll es kein zweiter Kunst- und Handwerkermarkt werden. Im Grunde ist es eine Art Reisemesse – aber eben nicht in einer sterilen Messehalle, sondern in authentischem Ambiente. Auf dem Land eben.

Könnte man als Tourist eigentlich in Gostewitz übernachten?

Noch nicht. Wir planen aber ein Café und Übernachtungsmöglichkeiten auf unserem Wohnkulturgut. Das ist allerdings Zukunftsmusik. Eins nach dem anderen.

Das „Internationale Fest der Dörfer“ findet am Samstag, 21. April, von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 22. April, von 10 bis 15.30 Uhr statt. Eintritt: vier Euro, Kinder frei.

Das Gespräch führte Britta Veltzke.