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Eine Dresdner Halbleiter-Karriere

Dirk Drescher leitet die drittgrößte Chipfabrik in Dresden. Vorher war er in den beiden anderen.

© Thomas Kretschel

Von Georg Moeritz

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Wer ein Auto-Nummernschild aus den USA in sein Büro stellt und einen Segelflug-Kalender aufhängt, der ist mobil und arbeitet auch gerne mal im Ausland. Doch Dirk Drescher ist nach Amerika-Einsätzen stets nach Dresden zurückgekehrt. Seit einem Jahr leitet er die Mikrochipfabrik des Erfurter Konzerns X-Fab in Dresden, die drittgrößte in der Stadt mit 450 Beschäftigten. Diese Größe wird sie auch behalten, wenn es nach dem Geschäftsführer geht. Sobald allerdings Bosch wie geplant bis 2021 die jüngste Chipfabrik in Dresden mit 700 Beschäftigten hochfährt, wird Dreschers Betrieb nur noch die Nummer vier im Silicon Saxony sein.

Dr. Dirk Drescher (52), Geschäftsführer der Dresdner Chipfabrik von X-Fab, 450 Mitarbeiter.
Dr. Dirk Drescher (52), Geschäftsführer der Dresdner Chipfabrik von X-Fab, 450 Mitarbeiter. © Maximilian L. Dres

Doch auf die Größe kommt es dem promovierten Physiker nicht an. Er war auch schon bei Infineon samt dessen pleitegegangener Tochterfirma Qimonda. Für Globalfoundries hat er ebenfalls gearbeitet, zeitweilig im US-Staat New York. Dort hat Globalfoundries seine jüngste Fabrik gebaut, der Dresdner durfte dabei sein. Noch heute ist Dirk Drescher nicht nur von dem Auftrag begeistert, sondern auch von der Landschaft, die er als Hobby-Segelflieger von oben erlebte. Nur mit Windgeräuschen und Vögeln um die Wette zu fliegen, das begeistert ihn. Radfahren und Joggen, im Winter Langlauf, das hält Drescher in Bewegung. Doch er hat auch das Akkordeon wieder hervorgeholt und spielt Klavier – als Kind bekam er Unterricht, als Erwachsener fing er wieder an.

Dirk Drescher hat in Dresden Physik studiert, ist also durch die Umgebung der Halbleiterfabriken geprägt. Doch der Prozessingenieur gibt auch ein Bekenntnis zu Leipzig ab. Das sei ebenfalls eine tolle Stadt, mit internationalem Flair und viel Grün, berichtet Drescher. Dorthin brachte ihn die Qimonda-Krise, der Stellenabbau in Dresdens damals größter Chipfabrik. Mehr als 4 000 Arbeitsplätze gingen mit der Qimonda-Pleite zu Anfang 2009 verloren. Viele Halbleiter-Experten fanden zeitweilig Stellen in den damals wachsenden Solartechnik-Fabriken, auch wenn die häufig geringere Gehälter zahlten. Drescher zog nach Leipzig und wurde Werksleiter in Bitterfeld bei der Q-Cells-Tochter Calyxo. Von dort kam er zu Globalfoundries, durfte multikulturelle Teams aus Mitarbeitern zusammenstellen, aus Taiwan und Indien, Russland und Frankreich.

X-Fab Dresden investiert kräftig

Bei X-Fab hat der Geschäftsführer nun die Gesamtverantwortung für eine Halbleiterfabrik. X-Fab, das ist in der Stadt keine sehr bekannte Marke. Wer den verglasten Eingang an der Dresdner Grenzstraße passiert, liest dort in gleicher Höhe und Größe auch noch die Abkürzung IDT. Beide Namen stehen in Dresden für Nachfolger einer bekannten, aber untergegangenen Firma: ZMD, Zentrum Mikroelektronik Dresden. Das war der Ursprung der heutigen Halbleiterindustrie in Dresden. 2007 kaufte der X-Fab-Konzern mit Sitz in Erfurt und Haupteigentümer in Belgien die Fabrik von ZMD. Die ZMD-Büros mit Ingenieuren blieben aber daneben bestehen: ein wichtiger Kunde der Fabrik, der Chips konstruierte und weiterhin in Dresden herstellen ließ.

Vor zwei Jahren wurde aber der Rest von ZMD vom US-Unternehmen IDT übernommen, das seinen Namen an den Dresdner Türen anbrachte. IDT bekam damit stärkeren Zugang zum wachsenden Markt für Automobilelektronik. Mikrochips mit Sensoren fürs Auto sind eine Spezialität von X-Fab Dresden. Laut jüngstem Geschäftsbericht für 2016 trug der Autosektor 30 Prozent zu den 42 Millionen Umsatz bei und wird weiter wachsen.

Reifendrucksensoren, Sensoren für Motorsteuerung, Lichtsteuerung und Klima – in Autos werden Mikrochips aus Dresden immer zahlreicher.

Auch Smartphones bekommen immer neue Sensoren, vor fünf Jahren hatten sie noch keine für Fingerabdrücke.

Dirk Drescher begeistert sich auch für die Medizintechnik und zeigt einen handtellergroßen Chip: Das X-Fab-Produkt dient zum schnellen Erkennen von Tumorzellen in Bluttropfen.

Drescher sagt, die räumliche Nähe zum großen Kunden IDT erleichtere die Zusammenarbeit. Mit Prognosen zum Geschäft hält er sich zurück. Doch der jüngste Geschäftsbericht nennt absehbare Umsätze von 77 Millionen Euro für das Jahr 2019. Die Kapazität der Dresdner Fabrik wird ausgebaut. Bisher war von 6 000 Siliziumscheiben pro Monat die Rede, künftig sollen es 350 pro Tag sein. Für die Jahre 2017 und 2018 zusammen plante X-Fab Dresden Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro.