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Wirtschaft

Viel weniger für Fachkräfte in Sachsen 

In manchen Berufen liegt der Gehaltsunterschied zu Westdeutschland bei über 1.000 Euro im Monat. 

© Foto: dpa

Dresden. Ein angelernter Bauhelfer in Westdeutschland bekommt fast 200 Euro mehr im Monat als ein Bauarbeiter mit Berufsausbildung in Sachsen. Auch bei Fachkräften in Gesundheitsberufen und vielen Industriezweigen liegt das Einkommen in Sachsen häufig niedriger als bei Helfern im Westen. Das ergibt sich aus Gehaltstabellen für 2017, die die Bundesregierung auf Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer zusammengestellt hat.

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Die Übersicht zeigt, dass sächsische Fachkräfte im Mittel monatlich 847 Euro weniger bekommen als Fachkräfte im gleichen Beruf in den alten Ländern. Für Hoch- und Tiefbau beispielsweise liegt das mittlere Bruttomonatsentgelt im Sachsen bei 2 208 Euro für Fachkräfte. Im Westen dagegen können Fachkräfte mit 3 131 Euro rechnen und selbst Bauhelfer mit 2 402 Euro. Angegeben ist nicht das durchschnittliche Gehalt, sondern der Median. Das ist die Summe, die von genau der Hälfte der Menschen in dem Beruf überschritten wird, von der anderen Hälfte unterschritten.

Die Unterschiede nach Branchen © SZ

Die Daten stammen aus der Beschäftigungsstatistik der Arbeitsagentur. Als Fachkräfte gelten dort Beschäftigte, die in der Regel mindestens zwei Jahre Berufsausbildung absolviert haben. Dagegen haben Helfer in der Regel keinen formalen beruflichen Bildungsabschluss. Die Beträge gelten für Vollzeitstellen, ohne Auszubildende.

In vielen Berufsfeldern liegen die Ost-Einkommen für Fachkräfte mehr als 1 000 Euro unter denen im Westen – zum Beispiel in der Metall-Erzeugung, in der Informatik und Architektur. In einzelnen Fällen zeigen die Tabellen für Sachsen höhere Gehälter als für den Westen – allerdings bei herausgehobenen Positionen, von denen es nicht viele gibt: bei Experten in Medizin, Lehre und darstellender Kunst. Demnach erhalten Experten in medizinischen Gesundheitsberufen im Mittel 5 480 Euro in Sachsen, das sind 72 Euro mehr als im Westen. Doch laut Springer ist durchweg das Gehaltsgefälle von West nach Ost auch bei Experten und Spezialisten deutlich sichtbar. Der Abgeordnete schreibt, wenn Fachkräfte in Sachsen weniger verdienten als Hilfskräfte in anderen Teilen der Republik, dürfe man sich über Abwanderung nicht wundern. Springer fordert, die wirtschaftliche Entwicklung im Osten „endlich zur Chefsache im Kanzleramt“ zu machen.

Auch die Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann sagt, von gleichwertigen Lebensverhältnissen könne nicht gesprochen werden. Sie schlägt als ein Gegenmittel vor, mehr Tarifverträge für allgemein verbindlich zu erklären, sodass sie auch für nicht tarifgebundene Unternehmen gelten. Die Linke fordert zudem, den gesetzlichen Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde zu erhöhen. Anfang 2015 wurde der gesetzliche Mindestlohn eingeführt – damals mit 8,50 Euro pro Stunde.

Derzeit müssen mindestens 9,19 Euro gezahlt werden, ab kommendem Januar 9,35 Euro. Das sind dann laut Mindestlohn-Rechner des Bundesarbeitsministeriums monatlich 1 621 Euro bei einer 40-Stunden-Woche. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte: „Wir müssen den Mindestlohn mittelfristig auf ein existenzsicherndes Niveau heben.“ Beschäftigte, die Vollzeit arbeiten, sollten nicht unter 2 000 Euro verdienen. Das sei eine Frage des Respekts vor ihren Arbeitsleistungen.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Lohnunterschiede zwischen Ost und West würden immer geringer. Der größte Unterschied bestehe darin, dass es im Osten praktisch keine ganz großen international tätigen Konzerne mit Hauptsitz und Forschungsabteilungen gebe – mit hohen Gehältern. Doch allein die Bevölkerungsentwicklung werde dazu führen, „dass im Osten der Wettbewerb um Arbeitskräfte noch intensiver wird und deren Löhne und Gehälter steigen“.