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Eine Familie packt ihre Sachen

Die sieben Wachauer gehen für ein Jahr auf Weltreise. Mit dabei: der sieben Wochen alte Tamo.

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© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Wachau. Mandy und Enrico Otto sitzen erstaunlich entspannt auf der Bank im Garten der Eltern in Seifersdorf. Auch ihre fünf Kinder machen den Eindruck, als ginge es morgen wieder in die Schule oder den Kindergarten. Dabei steht ihnen das wohl größte Abenteuer ihres Lebens bevor. Ein Jahr auf Weltreise mit Kind und Kegel, ein Jahr unterwegs mit dem jetzt sieben Wochen alten Tamo. Schon in wenigen Stunden geht es mit dem Zug nach Berlin. Dann in den Flieger und ab nach Asien. Erstes Ziel ist die indonesische Insel Bali. Dann sollen Thailand und Australien folgen.

Was so leicht und locker abläuft, brauchte mehr als ein Jahr Vorbereitungszeit, und die war mitunter harte Arbeit, sagt Mandy Otto. „Wir haben unseren gesamten Haushalt aufgelöst“, sagt sie. Das gemietete Reihenhaus in Wachau wurde gekündigt. „Unsere Wohnungseinrichtung haben wir jetzt bei den Schwiegereltern in Seifersdorf untergestellt“, sagt Enrico Otto. Allerdings ist von der Einrichtung nicht mehr viel übrig. „Den überwiegenden Teil verschenkten oder verkauften wir, auch das Auto. Nur ein Drittel der Möbel haben wir behalten.“ Die Eltern machten eine erstaunliche Erfahrung. „Je weniger wir haben, umso freier fühlen wir uns. So als würde eine Last abfallen“, sagt Mandy Otto. Während der Zeit der Planung sei das Paar auch zusammengewachsen. „Wir haben ein Projekt. Das bereiteten wir vor. Uns hat das zusammengeschweißt.“ So wenig wie möglich Gepäck, ist auch das Motto für die Reise. Drei Koffer sollten es werden. „Das schaffen wir aber nicht ganz.“ Es werden wohl vier, plus Handgepäck und die kleinen Rücksäcke der Kinder. „Wir fahren ja ins Warme. Sollten wir an Bekleidung noch etwas brauchen, dann besorgen wir uns das unterwegs.“

Nächtelang am Computer gesessen

Auch die Auswahl der Route braucht seine Zeit. „Wir haben nächtelang vor dem Computer gesessen und uns informiert.“ Zunächst gab es die Idee, ein Wohnmobil zu mieten. Die scheiterte schlicht an der Größe der Familie. Eins mit sechs oder sieben Schlafplätzen war nicht zu bekommen oder unbezahlbar. Dann wollten die Ottos selber einen gebrauchten Lkw kaufen und umbauen. Das Problem: Der Familienvater hat nur einen Führerschein für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Lkws sind meist schwerer. Er hätte einen neuen machen müssen. Die sind bekanntlich sehr teuer. Auf Indonesien als erstes Ziel ihrer Reise ist die Familie durch ihre Internetrecherchen gekommen. „Wir suchten ein Land, in dem zu der Zeit das Wetter stimmt und wo wir uns die Lebenshaltungskosten leisten können“, sagt Mandy Otto. Zunächst sollte es Thailand sein, doch dort ist gerade Regenzeit. Außerdem lernten sie über das Netz eine österreichische Familie kennen, die zurzeit auf Bali ist. Von ihnen gab es jede Menge Tipps zur Weltreise mit Kindern und zu der Insel im Speziellen. „Sie haben sich auch bereit erklärt, uns eine kleine Ferienwohnung zu besorgen. Sie werden uns auch in der ersten Zeit helfen. Das erleichtert uns den Start enorm.“

Tipps gab es auch zu ganz profanen Dingen. Wie komme ich auf der Weltreise an Geld oder wie läuft das mit der Krankenkasse? „Wir haben uns gleich mehrere besorgt und sind zu einer speziellen Bank gewechselt, bei der man weltweit kostenfrei an Visa-Automaten abheben kann.“ Außerdem galt es, für das Jahr für alle sieben eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. „Sie hat nichts mit einer normalen Urlaubskrankenversicherung zu tun. Sie ist schon erheblich teurer. Außerdem zahlen Kinder den gleichen Satz wie Erwachsene.“ Auch haben sie nicht geglaubt, dass die Visa-Gebühren für die einzelnen Länder einen der größten Posten in der Reisekasse ausmachen würden. „Allein für Indonesien bezahlen wir 45 Euro. Das mal sieben, da kommt schon einiges zusammen.“

Keine Probleme mit den Chefs

Für ihre Reise nutzen Mandy und Enrico Otto die Elternzeit. „Die steht ja jedem Arbeitnehmer zu“, sagt sie. Probleme mit ihren Chefs haben sie keine bekommen. „Ich bin Grundschullehrerin. Meine Schule hat der Freistellung zugestimmt, obwohl sie mich angesichts des Lehrermangels gerne dabehalten hätten.“ Enrico Otto arbeitet bei der Deutschen Post. Auch hier gab es keine Probleme. „Das ist sicher eine Sondersituation. Nicht jeder bekommt so lange eine Freistellung und hat dann auch noch die Sicherheit, wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu können.“ Und warum der ganze Aufwand? Die Eltern verweisen auf die Kinder. „Wir wollen mit ihnen eine intensive Zeit verbringen und gemeinsame Erlebnisse haben. Im Alltag hat man abends ein, zwei Stunden mit ihnen. Das war’s.“ Dass sich die sieben während der langen gemeinsamen Zeit auf den Wecker gehen, kann natürlich sein, sagt Mandy Otto. „Wir wissen, dass jeder auch seinen Freiraum braucht und mal für ein paar Stunden allein sein muss.“

Alles andere lässt das Paar auf sich zukommen. „Man sollte nicht schon mit Angst losfahren, mit Furcht, dass etwas passieren könnte, Krankheiten beispielsweise.“ Darauf hat sich die Familie vorbereitet, so gut es ging. „Eine gute Reiseapotheke haben wir uns zusammenstellen lassen. Außerdem wissen wir, dass wir in südlichen Ländern beispielsweise kein unabgekochtes Wasser trinken und keinen rohen Fisch essen dürfen. Bewusst meiden wir auch Malariagebiete.“

Auf Baby Tamo brauchen sie keine besondere Rücksicht zu nehmen, glaubt die Mutter. „Er bekommt seine Muttermilch, da ist er bestens versorgt. Außerdem wird er viel bei mir im Tragegurt schlafen. Das ist unkompliziert.“ Im schlimmsten Fall setzt sich die Familie in das nächste Flugzeug und kommt zurück, ehe das Jahr um ist. Aber egal was passiert, Mandy und Enrico Otto werden von ihren Erlebnissen auf Facebook berichten.

facebook.com/GemeinsamFreiLeben