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Eine filmreife Story

Ein Radebeuler stiehlt Gartenmöbel und fährt betrunken Auto. Auf die Geschichte, die er erzählt, muss man erst mal kommen.

© Symbolfoto: dpa

Von Jürgen Müller

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Meißen/Radebeul. Die Sache scheint sonnenklar zu sein: Der angeklagte Radebeuler soll an einem Julitag vorigen Jahres kurz nach Öffnung eines Baumarktes aus dem Außenbereich Gartenmöbel gestohlen haben. Als er die Sachen in sein Auto packt, spricht ihn eine Verkäuferin an, was er denn da mache. Daraufhin setzt er sich ins Auto und haut mit den gestohlenen Gartenmöbeln ab.

Schnell kann er aufgrund des Kennzeichens ermittelt werden. Als die Polizei an seinem Wohnort eintrifft, stellt sie Alkoholgeruch fest. Der Mann hat knapp zwei Promille Alkohol im Blut. Morgens kurz nach neun.

Wegen Diebstahls und Trunkenheit im Verkehr sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht. Und erzählt eine filmreife Story. Er sei im Baumarkt Stammkunde, habe zwei Garnituren Gartenmöbel kaufen wollen und erst mal probiert, ob die in sein Auto passen, sagt er. Als er angesprochen wurde, sei er wegen eines Zuckerschocks „in Panik“ verfallen, ins Auto gesprungen und mit offener Kofferklappe losgefahren.

„Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne“, sagt er. Zu Hause habe der Diabetiker auf den Schreck erstmal kurz hintereinander zwei Dosen Cola mit Whiskey, zwei Flaschen Bier und ein halbes Glas Whiskey pur reingekippt. Dann fiel ihm ein, dass er einkaufen müsse. Deshalb habe er seinen Nachbarn gebeten, ihn zum Netto in Radebeul zu fahren. Das habe der auch gemacht. Als die beiden zurückgekommen seien, hätte er den Streifenwagen der Polizei gesehen.

Weil er wusste, dass er gestohlen habe, habe er seinen Nachbarn aufgefordert zu wenden. Sie seien zu seiner Schwester gefahren. Diese sei nicht da gewesen. Während er an der Tür geklingelt habe, sei sein Nachbar aus dem Auto gestiegen und mit seinem Hund weggegangen. Derweil habe er sich auf den Fahrersitz gesetzt und gewartet, bis der Nachbar zurückkäme. Wer aber kam, war die Polizei. Er sei nicht gefahren, beteuert er.

Der Nachbar als der wichtigste Zeuge ist aber nicht erschienen. Der hatte einen Tag vor der Verhandlung ein Fax an das Gericht geschickt, dass er krank sei. Obwohl der Angeklagte und der Zeuge nebeneinander wohnen, weiß der Angeklagte nichts von einer Krankheit, tut völlig überrascht.

Merkwürdig an dem Fax ist, dass die Adresse des Angeklagten und nicht des Zeugen angegeben ist. Und es wurde abgeschickt vom Faxgerät einer Firma, in der der Angeklagte einmal gearbeitet hat. Der Nachbar hat wohl kalte Füße bekommen, weiß, dass eine Falschaussage vor Gericht härter bestraft wird als die hier angeklagten Taten.

Der Richter macht dem Mann klar, dass er seine Geschichte nicht glaubt. „Wenn sie in kurzer Zeit so viel getrunken hätten, wie Sie angeben, hätte Sie nicht mal mehr stehen können“, sagt er und macht eine Pause, in der sich der Angeklagte mit seinem Verteidiger beraten soll.

Danach gibt der Mann alles zu. Er habe gestohlen und sei betrunken gefahren. Die Sache mit dem Nachbarn stimme nicht. Er sei auch nicht zum Einkaufen gefahren, sondern zum Papiercontainer. Dort habe er die Pappe der Gartenmöbel entsorgt. Dem Verteidiger ist die Sache peinlich. Er entschuldigt sich in seinem Plädoyer. „Ich bedauere es sehr, dass ich nicht versucht habe, die Aktivitäten meines Mandanten zu unterbinden“, sagt er.

Das Gericht verurteilt den Angeklagten schließlich wegen Diebstahls und Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 600 Euro. Auf seinen Führerschein, der seit dem Tag der Tat eingezogen ist, muss der Arbeitslose nun noch weitere neun Monate verzichten.