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Döbeln

Eine Flatterulme für die Muldenwiese

Die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereines haben einen Baum der friedlichen Revolution gewidmet. Er ist eine Rarität.

Uwe Reichel und Pfarrer Andreas Leuschner enthüllen die Gedenktafel an der neu gepflanzten Flatterulme, die zum Gedenken an 30  Jahre friedliche Revolution an der Muldenwiese gepflanzt wurde.
Uwe Reichel und Pfarrer Andreas Leuschner enthüllen die Gedenktafel an der neu gepflanzten Flatterulme, die zum Gedenken an 30 Jahre friedliche Revolution an der Muldenwiese gepflanzt wurde. © Dietmar Thomas

Leisnig. Sie ist der Baum des Jahres und wächst seit Kurzem auch an der Muldenwiese in Leisnig – die Flatterulme. Wer die seltene Baumart sieht, der soll zukünftig an die friedliche Revolution von vor 30 Jahren denken. Denn diesem Anlass ist der Baum am Sonnabend gewidmet worden.

Die Idee dazu kam vom Vorsitzenden des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins, Uwe Reichel. „Seit 2013 ist es eigentlich Tradition im Verein, dass jedes Jahr mindestens ein Baum gepflanzt wird“, sagt der 59-Jährige. Wenn es sich anbiete, so wähle der Verein dafür auch einen Vertreter des Baumes des Jahres aus. Daher sei dieses Mal die Wahl auf die Flatterulme gefallen. 

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Ihren Namen habe der Baum von den buschigen Blüten, die im Wind tanzen, heißt es in einer Meldung der Dr. Silvius Wodarz Stiftung. Diese ernennt den Baum des Jahres. Mit vor Ort am Sonnabend war unter anderem der katholische Pfarrer Andreas Leuschner. Er hatte maßgeblich an der friedlichen Revolution 1989 mitgewirkt und sich in Dresden für die Gründung der Gruppe der 20 mit eingesetzt.

Von den Leisniger Vereinsmitgliedern bisher in die Erde gebracht worden sind unter anderem 2014 eine Eiche in Gedanken an die Opfer des Ersten Weltkrieges, ebenfalls an der Muldenwiese, sowie eine Reformationseiche anlässlich des 500. Jahrestages des Thesenanschlages und damit des Beginns der Reformation. Dieser Baum wächst nahe der Mulde an der Döbelner Straße neben der Fußgängerbrücke zwischen Leisnig und Tragnitz.

Mit den Gedenkbäumen wolle der Verein gleich mehrere Funktionen erfüllen: Zum einen sollen sie nach Reichel an bestimmte Ereignisse, wie zum Beispiel an das 20-Jährige der Stiefelwacht, erinnern. Zum anderen leiste der Verein damit auch einen Beitrag für die Umwelt. „Es werden so viele Bäume weggesägt. Aber ohne Bäume kann keiner existieren“, schildert Reichel. Er sowie andere Mitglieder der vereinseigenen Arbeitsgruppe „Baumfreunde“ übernehmen die Pflege. Diese ist besonders in der ersten Zeit nach der Pflanzung wichtig.

Im Herbst treffen sich die Mitglieder zum Beispiel, um die neu gepflanzten Bäume zu verschneiden. Während des Sommers ist Reichel mit einem Wasserkanister durch die Stadt gefahren, um die jungen Bäume mit Wasser zu versorgen. „Im Sommer muss um die Bäume herum auch Gras gehauen werden“, so Reichel.

Vor allem auf dem Gelände der ehemaligen Kratzenfabrik an der Johannes-R.-Becher-/Erich-Mühsam-Straße hätten es einige Bäume schwer. „Es kann sein, dass die Wurzeln Probleme haben, aufgrund des Untergrundes in die Tiefe zu dringen“, beschreibt Reichel. Manche Bäume hätten daher bereits im Sommer ihre Blätter abgeworfen. Gewidmet worden sind die Bäume an diesem Standort unter anderem der Völkerschlacht bei Leipzig sowie dem General Friedrich Olbricht.

Schwer hat es auch die Bismarckeiche im Leisniger Stadtpark. Doch die Gründe dafür haben mit der Natur nichts zu tun. Bereits zweimal sei der dortige Gedenkbaum durch Vandalismus zerstört worden. Den erste Baum, der 2015 gepflanzt und am 1. April 2016 gewidmet worden ist, hat der Verein extra von einer Gärtnerei aus Friedrichsruh in Schleswig-Holstein, dem Stammsitz der Bismarcks, geholt. 

„Der Baum wurde umgeknickt“, sagt Reichel. Es habe eine Nachpflanzung gegeben. Aber der Baum sei eingegangen. Derzeit fehlt an der Stelle im Stadtpark ein Baum. „Das ist ärgerlich“, sagt Reichel. Er will die Sache erst einmal ruhen lassen.

Seit drei Jahren sitzt Reichel, der in Leisnig eine eigene Elektrofirma betreibt, dem Geschichts- und Heimatverein vor. Zu diesem gehören derzeit rund 95 Mitglieder. „Diese kommen nicht nur aus Leisnig, sondern sind in der ganzen Bundesrepublik verstreut“, berichtet der 59-Jährige. So werde der Mildensteiner Erzähler, die Zeitschrift des Vereins, unter anderem bis nach Hamburg und Stuttgart verschickt. 

Aktiv vor Ort in Leisnig seien zwischen 40 und 45 Mitglieder. Die meisten von ihnen bringen sich beim Altstadtfest in der Handwerkerstraße mit ein. Innerhalb des Vereins gibt es mehrere Arbeitsgruppen, die sich speziellen Themen widmen, wie zum Beispiel die Baumfreunde oder die AG Stadtgeschichte.