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Eine Frage der Technik

Die Polizei erwartet in diesem Jahr weniger Wohnungseinbrüche in Deutschland. Die Versicherer empfehlen dennoch gute Sicherheitsausstattung.

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© dpa

Von Michael Kieffer

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland dürfte dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge sinken. „Nach 2016 erwarten wir auch für 2017 einen spürbaren Rückgang der Fallzahlen bei den Wohnungseinbrüchen“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch. Diesen Trend bestätigen die Versicherungsunternehmen. Sie deuten die Zahlen allerdings etwas zurückhaltender: „Zahlen der Versicherungswirtschaft bis September 2017 lassen im Vergleich zu 2016 auf einen Rückgang der Einbrüche in Deutschland hoffen“, heißt es vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das Bild könne sich aber noch deutlich ändern, da vor allem in den dunklen Monaten eingebrochen werde.

2016 hatte es erstmals seit Jahren einen Rückgang der Einbrüche gegeben. Die Fälle waren bundesweit um 9,5 Prozent auf 151 265 zurückgegangen. Dabei blieb es in 66 960 Fällen bei Versuchen (44,3 Prozent). Abschließende Fallzahlen für 2017 gibt es voraussichtlich im Frühjahr 2018, wenn die Kriminalstatistik vorgestellt wird. Aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft gibt es dagegen keine Entwarnung. Die gesunkenen Zahlen bei der Einbruchskriminalität seien nicht als Trendwende zu werten. Hinzu komme, dass die Aufklärungsquoten nach wie vor überschaubar seien.

Reisende Täter und Junkies

Kaum ein anderes Delikt berührt das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung so sehr, wie die Angst davor, Opfer von Kriminalität innerhalb der eigenen vier Wände zu werden. Ein verbesserter Informationsaustausch zwischen den Polizeibehörden der Länder und auch europaweit hat inzwischen aber dazu geführt, dass früher erkannt werde, wo reisende Täter am Werk waren.

Jahrelang hatten Einbrüche in Deutschland zugenommen und ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Bei den Tatverdächtigen dominieren nach BKA-Angaben nach wie vor deutsche Staatsangehörige und „örtlich-regionale Täter“ wie etwa Banden von Jugendlichen sowie Drogenkonsumenten. Kontinuierlich zugenommen habe aber der Anteil nicht deutscher Verdächtiger und sogenannter reisender Täter, die in Banden zusammenarbeiteten, häufig aus Südost- und Osteuropa.

Ermittler und Politiker waren in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, ihren Kampf gegen Einbrecher zu verstärken. Die schwarz-rote Bundesregierung sorgte zuletzt für eine Strafverschärfung, die seit dem Sommer gilt: Beim Einbruch in eine Privatwohnung ist jetzt eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft statt sechs Monaten fällig. Der Rahmen reicht bis zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe.

Wie die YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab, glauben nur wenige an einen Erfolg: Rund 60 Prozent der Befragten meinten, dass die höhere Strafe „wahrscheinlich nicht“ oder „bestimmt nicht“ helfe, die Zahl der Einbrüche zu verringern.

Gleichzeitig gab sich die Mehrheit der Umfrageteilnehmer eher sorglos. Fast zwei Drittel sagten, sie fühlten sich in ihrer eigenen Wohnung sehr gut oder gut geschützt. Das übrige Drittel fühlt sich demnach eher nicht oder gar nicht gut geschützt.

30 Prozent sagten, sie hätten besondere Maßnahmen zum Schutz vor Einbrüchen ergriffen, etwa in Form von einem zusätzlichen Schutz von Türen und Fenstern. Die Versicherer wiesen darauf hin, dass gute Sicherheitstechnik den besten Schutz vor Einbrechern biete. „Wer zum Beispiel Fenster und Türen sichern möchte, bekommt sogar einen Zuschuss vom Staat. Anträge können bei der KfW-Bankengruppe gestellt werden“, erläuterte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Das BKA betonte, der Kampf gegen Einbrecher habe „angesichts der hohen Fallzahlen und der besonderen Bedeutung des Deliktes für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung“ eine große Bedeutung. Er „bleibt auf der Prioritätenliste bei den Polizeien der Länder und des Bundes“, erklärte BKA-Chef Münch. Aus seiner Sicht zeigen die jetzt sinkenden Fallzahlen, dass die Ermittler auf dem richtigen Weg seien.

Die Versicherer mahnten jedoch, selbst wenn sich der Rückgang für das Jahr 2017 bestätigen sollte, bleibe das Niveau der Einbruchszahlen hoch. Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2016 bei 16,9 Prozent, im Jahr zuvor waren es gerade einmal 15,2 Prozent.

Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland hat laut YouGov bereits Erfahrung mit Wohnungseinbrechern machen müssen. Elf Prozent sagten, sie seien selbst von einem Einbruch in die Privatwohnung betroffen gewesen. Weitere 23 Prozent meinten, dass bei jemandem aus dem persönlichen Umfeld eingebrochen worden sei. (dpa)