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Bautzen

Eine Frau mit Ideen für die Dörfer

Romy Weißflog leitet seit Kurzem das Infrastrukturamt in Malschwitz. Sie hat Visionen für die Zukunft und freut sich über Bürgerengagement.

Romy Weißflog leitet seit April das Infrastrukturamt der Gemeinde Malschwitz. Die Arbeit macht ihr Spaß, und sie hat viele Ideen für die Zukunft. © SZ/Uwe Soeder

Malschwitz. Diesen Platz mag Romy Weißflog. Für sie ist er das Zentrum von Malschwitz. Das Foto entstand also „mitten im Herz“, sagt sie. Seit April leitet Romy Weißflog das Infrastrukturamt der Gemeinde Malschwitz. Keine einfache, aber doch lohnenswerte Aufgabe, sagt die 39-Jährige.

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Erst seit gut einem Jahr wohnt Familie Weißflog in Bautzen. Grund ist der Beruf von Dr. Kay Weißflog. Er ist Pfarrer in der Kirchgemeinde St. Petri in Bautzen geworden. Davor lebten die Weißflogs sechs Jahre in Halle. Doch aufgewachsen ist Romy Weißflog in Eberswalde. Nach der Schule studierte sie Stadt- und Regionalplanung in Cottbus, holte sich weiteres Wissen bei einigen Auslandsaufenthalten. In Leipzig, der Stadt, in der sie ihren Mann kennenlernte, arbeitete sie dann in einem privaten Planungsbüro. Später zogen sie nach Chemnitz, bevor es nach Halle ging. Dort war sie im Stadtplanungsamt tätig. Zur Familie gehören drei Kinder, die neun, sechseinhalb und fast zwei Jahre alt sind.

Auch an die Familie gedacht

Und genau an die Familie hat Romy Weißflog gedacht, bevor sie sich auf die Stelle in Malschwitz bewarb. Dass es überhaupt dazu kam, war einem Zufall zu verdanken. In Bautzen hatte die schlanke Frau gerade bei einem Planungsbüro begonnen, mit dem der Bürgermeister von Malschwitz, Matthias Seidel, zu tun hatte. Sie kamen ins Gespräch und Seidel berichtete ihr von der Suche nach einem Amtsleiter. „Fachlich gesehen ist das ja genau mein Ding“, sagt Romy Weißflog. Aber allein wäre sie nie auf die Idee gekommen, auf die Seite der Gemeinde zu gehen. „Dann habe ich mehrfach überlegt, ob ich es machen soll“, sagt sie. Inhaltlich ja – aber auf solch einer Stelle habe man auch viel Verantwortung. Die sie allerdings auch gegenüber ihrer Familie hat. „Ich musste mich innerlich absichern“, sagt die freundliche Frau. Nun muss dort viel organisiert werden, aber es ist auch ein Ausgleich.

Romy Weißflog bringt über zehn Jahre Verwaltungserfahrung mit nach Malschwitz. „Ich kenne die ganze Bandbreite des öffentlichen Bauens“, sagt sie. Die Unterschiede zu großen, durchstrukturierten Verwaltungen sind auf dem Land die kurzen, direkten Wege. Beides zusammenzubringen, sieht sie als ihre Aufgabe an. Wo sich in Städten mehrere Ämter um ein Problem kümmern, hat sie in Malschwitz nur fünf Mitarbeiter. Dennoch will sie hier jetzt nicht alles über Bord werfen. „Es gehört sich aber auch nicht, alles so zu belassen. Ich habe ja auch meine Ideen und Vorstellungen. Die sollten wir dann gemeinsam besprechen“, sagt Romy Weißflog. Räumt aber auch ein, dass sie noch mitten im Ankommen sei. Obwohl sie sich kaum Zeit lassen kann, denn wichtige Projekte müssen vorangebracht und begleitet werden. Wenn es zum Beispiel um den Legionellenbefall in der Kita Guttau geht, kann die Erneuerung des Sanitärnetzes nicht warten. „Das Problem muss gelöst werden. Deshalb habe ich Angebote eingeholt, um nun planen zu können“, sagt sie. Und gibt zu, dass sie gern Entscheidungen trifft.

Arbeitet gern mit den Bürger zusammen

Weitere Themen sind der Straßenbau. „Wenn ich noch länger mit dem Fördermittelantrag warte, kommen wir dieses Jahr nicht mehr zum Bauen“, sagt sie. Genauso wichtig sind ihr die Gewässer zweiter Ordnung, für die die Gemeinde zuständig ist. Für 186 Kilometer braucht man viel Zeit bei der Vorbereitung. Kosten und Aufwand sind dabei ziemlich hoch.

Romy Weißflog freut sich vor allem über Projekte, bei denen sie sieht, dass die Bürger mitwirken, damit die Gemeinde schön wird. „Es gibt mehrere Bürgerinitiativen, die einen Spielplatz planen, so in Malschwitz, Buchwalde und Baruth. Es ist gut, wenn die Bürger akzeptieren, dass die Gemeinde nicht alles leisten kann“, sagt die Amtsleiterin. So wie es auch beim Problem der Teiche von Niedergurig um eine Zusammenarbeit geht. „Ich habe da auch eine Sicht auf die Dinge. Aber ich muss natürlich mit den emotionalen Befindlichkeiten der Menschen arbeiten“, so Weißflog. Natürlich könne sie ein riesiges Projekt anschieben, aber hier wollen die Bürger doch nur ihren Steg über den Bach zurück. „Da kann ich das große Projekt nicht vermitteln.“ Deshalb hat sie auch im Gemeinderat strukturiert die Wege durch die Teiche vorgestellt – sachlich und emotionslos.

Beim Tourismus etwas anschieben

Für die Zukunft wünscht sie sich, Themen mit Verwaltung, Gemeinderat und Bürgermeister bearbeiten zu können, die mit Visionen und auch mit der fernen Zukunft zu haben. Klimawandel – welche Auswirkungen hat er auf Malschwitz und was kann man dann tun? Barrierefreiheit – nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch bei der Erreichbarkeit, der digitalen Erschließung. Auch beim Tourismus will Romy Weißflog wieder etwas anschieben. „Ich glaube, dass man das mit kleinen, überschaubaren Projekten wieder voranbringen kann.“ Dazu gehört dann auch die Verflechtung mit Bautzen und den Nachbargemeinden – auch wenn hier nach außen manches nicht sichtbar wird, sagt sie.

„Manchmal komme ich mir vor wie beim Märchen vom süßen Brei. Ich arbeite viel, es kommt auch ein Ergebnis raus. Aber jede Lösung bringt neue Fragen und Anregungen“, schmunzelt Romy Weißflog, die sich ihre Erholung bei den Rettungsschwimmern der Wasserwacht holt.