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Eine geniale Schnaps-Idee

Der Eibauer Tischler Fred Wollmann hat eine selbstbewegende Wiege erfunden. Heute präsentiert er sie bei RTL im Fernsehen.

© Rafael Sampedro

Von Markus van Appeldorn

Gesund und Fit

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Im Rausch kommen so manche Leute ja auf die dümmsten Gedanken. Aber einem leichten Schwips kann mitunter auch eine grandiose Schnaps-Idee entspringen wie die Geschichte des Eibauer Tischlermeisters Fred Wollmann zeigt. Die nahm ihren Anfang einst bei einer sogenannten „Puller-Party“ in Zittau. Damit feiern frisch gebackene Eltern mit Freunden symbolisch kurz nach der Geburt des Nachwuchses, dass der eben erstmals gepullert hat. „Eine Freundin hatte damals Zwillinge geboren“, erzählt Fred Wollmann. Und die Kindsmutter war bei aller Freude auch ein bisschen genervt davon, die Kleinen in den Schlaf zu wiegen. Wollmann erzählt: „Sie hat gesagt: ,Mensch Fred, kannste nicht mal was erfinden, das sich von selbst bewegt?‘“ Und Fred fing gleich an zu grübeln.

Die Idee kam ihm nur kurz darauf. „Auf dem Heimweg bin ich angetrunken über einen Spielplatz gelaufen und habe mich auf eine dieser Federschaukel-Figuren gesetzt. Dabei wäre ich fast eingeschlafen“, erinnert sich Fred Wollmann. Und im Augenblick kam ihm der Gedanke: Das isses! Eine auf Federn gelagerte Wiege statt eine mit abgerundeten Kufen würde sich bei jeder Bewegung des Babys selbst in Bewegung setzen und das Baby würde sich selbst in den Schlaf wiegen.

Fred Wollmann begann in seiner Werkstatt sofort mit der Konstruktion. Das Komplizierteste, das war ihm klar, würden die Federn sein. Dabei geht es nämlich um höhere Physik. „Entscheidend ist die seitliche Federschwungrate“, erklärt er, „an den Federn habe ich mindestens ein halbes Jahr getüftelt. Das Schwingungsverhalten einer Stahlfeder kann man beeinflussen, indem man verschiedene Bereiche einer unterschiedlichen Härtung unterzieht. „Im oberen und unteren Drittel sind meine Federn härter als in der Mitte“, erklärt Wollmann. Der erwünschte Effekt: „Schon ein leichtes Strampeln oder Bewegen der Ärmchen reicht, damit sich die Wiege in sanfte Schwingungen versetzt“, sagt er. Etwa eine Minute schwingen die Federn nach – es sei denn, der Strampler verlangt nach einer Sonderfahrt. Fred Wollmann hat sich seine „selbstbewegende Wiege“ patentieren und vom TÜV abnehmen lassen. „Wenn das Kind keine Biomasse bräuchte, sprich Muttermilch, hätte ich mich damit sogar um den Nobelpreis beworben, weil ich das Perpetuum mobile erfunden hätte“, scherzt Wollmann.

Auch die gesamte Optik der Wiege erfüllt die Ansprüche gehobener Ästhetik und ist auch ökologisch korrekt. Dabei entsteht sie unter Einsatz von Hightech. „Neben einiger Handarbeit werden die Teile mit einer CNC-Maschine gefräst“, sagt Wollmann. Das ist eine computergesteuerte Präzisionsmaschine, die Teile in großen Mengen in immer gleicher Qualität produziert. Die Wiege ist aus massivem Fichtenholz gefertigt. Die Bodenplatte ist für einen optimalen Luftaustausch mit Lüftungslöchern ausgestattet. Und damit der Nachwuchs immer den Durchblick hat, sind an den Seiten Panoramascheiben aus Plexiglas. Und auch an die Mamas hat Wollmann bei der Konstruktion gedacht. Vom Boden zur Oberkante misst sie 86 Zentimeter. „Die junge Mama will bequem in die Wiege greifen können und soll sich nicht zu tief bücken müssen, um ihre Bandscheiben zu schonen“, erklärt er.

Obwohl es Wollmanns Wiege in keinem Kinderladen zu kaufen gibt, ist sie ein riesiger Verkaufserfolg – und das in aller Welt. „Ich habe mit den Jahren schon einige Tausend verkauft. Die am weitesten entfernten stehen in Australien und Chile“, sagt Wollmann. Obwohl das Modell mit seinem Preis von 399 Euro kein Billigheimer ist. „Ich bin etwas teurer als herkömmliche Modelle. Aber bei mir kann man dafür auch die Arbeitsleistung der Omis herausrechnen“, scherzt Wollmann. Er macht für die Wiege quasi keine Werbung, vertreibt sie nur von Eibau aus im Versand. Aber er hat ein gutes Marketing-Team: „Die Hebammen kennen mein Produkt und empfehlen es“, sagt er. Kunden können die Wiege nach Gebrauch sogar zurücksenden, wenn der Nachwuchs dem Wiegenalter entwachsen ist. Dann gibt‘s einen Teil des Kaufpreises erstattet und Wollmann verkauft die Wiegen gebraucht weiter. „Aber ich bekomme so gut wie nie eine zurück“, sagt er.

Jetzt dürften Fred Wollmann und seine Wiege dennoch einem Millionenpublikum bekannt werden. Denn am heutigen Freitag, 2, November, präsentiert er seine Erfindung in der neuen RTL-Sendung „Hol Dir die Kohle“ (15 Uhr). Ende August war er mit seiner Wiege dafür im Kölner Studio des Senders. „Vor einem Publikum von 100 Gästen hat man 100 Sekunden lang Zeit, seine Erfindung vorzustellen. Das Publikum entscheidet dann, ob es das Produkt kaufen würde oder nicht“, erklärt Wollmann. Erstmals in all den Jahren hat er jetzt übrigens selbst eine seiner Wiegen daheim stehen: Er wird im Januar Vater.

https://www.wollmanie-wiege.de