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Eine Genussmeile an den Fleischbänken?

Nach dem Würstchenbuden-Experiment auf dem Kamenzer Markt wird weiter untersucht. Sogar eine Laden-Lösung.

© Matthias Schumann

Von Frank Oehl

Kamenz. Die Kamenzer Würstchenbude auf dem Markt hat es bereits zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Das liegt auch daran, dass sie vom 23. März bis 2. Mai weithin sichtbarer Gegenstand einer öffentlichen Debatte gewesen ist. Architekturstudenten aus Leipzig hatten im Auftrag des Vereins „Metamorphose – Kunst in Kamenz“ drei Gestaltungsideen entwickelt, wie man die schlichte Holzbude zu einem den Markt belebenden Blickfang entwickeln könnte (die SZ berichtete mehrfach). Eine Idee wurde im besagten Zeitraum umgesetzt. Die Bude wurde mit einem Gerüst umbaut und damit – wenn auch etwas grob – eine der Gestaltungsvarianten simuliert. Das war recht anziehend, sogar für Blumendiebe, die nächtens mit einem Auto vorfuhren und ein paar Pflanzkästen einfach mal mitgehen ließen.

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Das war eine von drei Grundideen der Architekturstudenten aus Leipzig. Sie wurde wochenlang auf dem Markt recht grob simuliert. Und erhielt tatsächlich die Mehrheit einer kleinen Meinungsumfrage unter Kamenzern.
Das war eine von drei Grundideen der Architekturstudenten aus Leipzig. Sie wurde wochenlang auf dem Markt recht grob simuliert. Und erhielt tatsächlich die Mehrheit einer kleinen Meinungsumfrage unter Kamenzern. © Grafik: HTWK Leipzig

Die „Erweiterung des nutzbaren Raumes“ durch die Überdachung war durchaus erfolgreich, wie jetzt auch der Bauausschuss des Stadtrates feststellte. Vor allem die Briefkastendebatte zu den drei Gestaltungsvarianten war aufschlussreich. 19 Kamenzer äußerten sich, immerhin zehn stimmten für die Gerüsteinrahmung, sieben für die auffälligere, aber wohl auch deutlich teurere Bogenvariante und nur zwei für den Würfel, der die Fassadengestaltung des Rathauses aufnehmen sollte. Die interessierte Bürgerschaft gab aber auch allgemeine Hinweise zum Bratwurststand. Er dürfe die Sichtachse zum Andreasbrunnen nicht versperren, sollte unbedingt auch Kamenzer im Angebot haben (daran wird gearbeitet) und bräuchte eine filigranere Anmutung. Allerdings wurde auch Pauschalkritik am Parken auf dem Markt (ein uralter Hut!) geäußert und angefragt, ob statt der Bude nicht auch ein Ladengeschäft in Marktnähe denkbar wäre.

Das Rathaus hat aus der Debatte eine Quintessenz gezogen, die jetzt den Räten vorlag. Die Untersuchung soll weitergehen, heißt es. Das Angebot der Grillfabrik wird grundsätzlich gewürdigt. Es schließe nicht nur eine Versorgungslücke am Markt, sondern diene auch der Aufenthaltsqualität und der Kommunikation. Gleichwohl müsste der Nähe zum denkmalgeschützten Andreasbrunnen grundsätzlich Rechnung getragen werden. Womöglich wäre eine „leichtere Installation“ an den nördlichen Sitzbänken in Rossmann-Nähe angebrachter. Und auch der Buttermarkt kommt hier ins Spiel. Er soll nach dem, Forstfest neugestaltet werden, heißt es. Man wolle einen Trinkwasser- und Stromanschluss an dieser Stelle mit einplanen. Ohne die Medienversorgung, so heißt es, werde es keine dauerhaft sinnvolle Budenlösung geben können.

Und es wird eine stationäre Variante untersucht – an den Fleischbänken, denen man eine Nähe zum Thema Wurst unterstellen darf. Zum Beispiel könnte die ehemalige Stadtinformation mit dem Café Emilia als Keimzelle einer kleinen „Genussmeile“ wirken, heißt es. Dazu soll eine Standortuntersuchung folgen. Der Grillfabrik-Betreiber hätte signalisiert, dass er sich auch einen stationären Betrieb in einer städtischen Immobilie durchaus vorstellen könnte. Für die weiteren Untersuchungen stehen zunächst 2 500 Euro aus dem Preisgeld im Innenstadtwettbewerb „Ab in die Mitte!“ zur Verfügung. Metamorphose und City-Management bleiben dran.