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Eine Gnadenhochzeit in Bulleritz

Elli und Heinz Wendt feiern am 24. Januar ein ganz besondere Ehejubiläum. 70 lange Jahre teilen sie Tisch und Bett.

© René Plaul

Von Ina Förster

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Bulleritz. Wer hätte das damals an diesem grauen, regnerischen Schmuddeltag am 24. Januar 1948 gedacht? Dass man 70 Jahre später immer noch gesund und scherzend zusammen auf dem Sofa sitzt, Händchen hält? Und auf die Gäste der eigenen Gnadenhochzeit wartet. Elli Wendt jedenfalls nicht. Die 92-Jährige schüttelt mit dem Kopf und meint: „Gnadenhochzeit – das ist ein eigenartiger Name.“ Ihr Heinz schmunzelt dazu. Denn egal wie das Fest heißt – es wird gefeiert an diesem Mittwoch. Das halbe Dorf kommt gratulieren, Und die Schwepnitzer Bürgermeisterin sowieso. „Die geht bei uns schon ein und aus“, scherzt der 90-Jährige. Erst vor ein paar Wochen hatte er seinen Runden. Die Feier wirkt noch nach …

So sah das Paar 1948 aus. Am 24. Januar gab Elli ihrem Heinz das Ja-Wort. Es war ein grauer, kalter Tag, erinnern sich beide. Geschneit hatte es erst am nächsten Tag. Schön war’s trotzdem!
So sah das Paar 1948 aus. Am 24. Januar gab Elli ihrem Heinz das Ja-Wort. Es war ein grauer, kalter Tag, erinnern sich beide. Geschneit hatte es erst am nächsten Tag. Schön war’s trotzdem! © privat

Nicht vielen Paaren ist es vergönnt, den 70. Hochzeitstag gemeinsam begehen zu können. Der Name dieses Hochzeitstages deutet bereits darauf hin, denn es scheint eine wirkliche „Gnade Gottes“, dass beiden Ehepartnern ein so langes Leben geschenkt wurde. Das Jubiläum ist wahrlich selten. Die Wendts können sich nicht erinnern, dieses Fest bei einem ihrer Bekannten gefeiert zu haben. Nun sind sie selber dran. Am Küchentisch überlegen sie, wie das damals war 1948. Was hatte Elli eigentlich an? „Ein Spitzenkleid war es schon“, sinniert die Seniorin. Oder? Nach 70 Jahren kann man das schon mal aus den Augen verlieren. Ein Blick in das Fotoalbum offenbart es: Alles in Weiß, mit Schleier und großem Blumenschmuck. Ihr Heinz schnieke mit Seitenscheitel-Welle und weißer Fliege. Die Hochzeitsgesellschaft dahinter blickt lächelnd in die Kamera. Das Elternhaus von Elli Wendt in Bulleritz im Hintergrund. Noch immer wohnen die beiden hier. Und es ist immer noch ein Mehrgenerationenhaus. Wie es das schon immer war. Mit großem Garten und einem freien Blick auf die Straße. Einer der Söhne wohnt mit seiner Frau nebenan. Und dessen Sohn, einer der mittlerweile acht Enkelkinder, ebenso. Außerdem gibt es fünf Urenkel. „So fühlen wir uns gut, und sind nie allein“, sagt Elli Wendt. Viele Dinge können die Senioren zwar noch allein verrichten (er fährt sogar noch selber Auto), doch die Sicherheit der Familie im Hintergrund ist tröstend. Heinz, der aus Cunnersdorf stammt, schnappte sich im April 1947 seine Frau beim Tanz im Gasthof weg. Mit dem Fahrrad kam er von der Arbeit als Zimmermann öfters im Dorf vorbei. „Irgendwie hat das alles gut gepasst“, sagt er heute. Und irgendwie habe man sich immer arrangiert. Wenn es mal gekracht hat, dann dauerte der Streit nie lange. Tochter Heidrun, die zur Gnadenhochzeit aus der Schweiz angereist ist, kann das bestätigen. „Man hat die Familie einfach zusammengehalten. Das war extrem wichtig“, sagt sie.

Und was liebt Elli an ihrem Heinz? „Seine Gutmütigkeit, dass er nie nachtragend war“, sagt sie nach kurzem Überlegen. Ihr Mann, dem der Schalk noch im Nacken sitzt, will da nicht wiedersprechen. Ein Rezept für das lange Zusammenleben, das gäbe es aber nicht. „Wir hatten eigentlich nie Zeit, uns das ernsthaft zu fragen“, meint er. Immer gab es etwas zu tun. Haus, Hof, Garten, Landwirtschaft mit Kühen, einer kleinen Ferkelzucht und dazu die fünf Kinder, von denen zwei nicht mehr leben. Das hat Kraft gekostet. Aber trotzdem zusammengeschweißt. „Wir haben gern gefeiert und sind immer viel gereist. Und davon zehren wir noch heute“, so Elli Wendt.