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Eine große Gemeinde für Meißen

Die Strukturreform der Landeskirche macht auch vor St. Afra nicht halt, sagt deren Pfarrer Uwe Haubold.

© Claudia Hübschmann

Herr Pfarrer Haubold, worauf freuen Sie sich 2018 in Ihrer Gemeinde am meisten?

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Das bringt die Zukunft

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So wie alle Jahre: Vielen Menschen zu begegnen. Sie zu begleiten – in Freude und in Leid, wenn dies auch erst einmal irritierend klingen mag. Natürlich auch auf die Gottesdienste und die Veranstaltungen in ihrer großen Fülle.

Die Zahl der Christen im Freistaat nimmt weiter stark ab. Manche Pfarrer fordern, die Missionierung zu verstärken. Wie sehen Sie das?

Da stellt sich zuerst die Frage, was unter Missionierung in diesem Zusammenhang zu verstehen ist. Wenn der Begriff im Sinne einer Weltzugewandtheit gemeint wird, als Aufgabe, den Dialog zu suchen, dann kann ich dem zustimmen. Nehmen wir als Beispiel meine Tätigkeit als Weinpfarrer, den Segen zu sprechen, wenn alljährlich die Lesezeit eröffnet wird. Das ist nur ein kurzer Moment, an einem Ort, wo der Glauben sonst nicht so präsent ist. Aber die Andacht hilft, uns zu vergegenwärtigen, dass wir nicht alles selbst in den Händen halten. Die Frage nach dem Glauben wird ja besonders dann aktuell, wenn sich plötzlich Schwierigkeiten auftun, der Weg nicht mehr schnurgerade weiterführt. Dann suchen die Menschen nach einem Halt und dem, was uns verbindet.

Die St. Afra-Gemeinde hat sich mit dem Ausbau des denkmalgeschützten Hauses der Kirche Markt 10 ein großes Ziel gesetzt. Wie weit sind Sie bisher bereits gekommen? Was steht dieses Jahr dort noch an?

Wenn alles gut funktioniert, möchten wir bis zum Sommer den großen Saal im Anbau fertigstellen. Das Bauen ist gerade im letzten Jahr noch einmal schwieriger geworden. Die Firmen können sich vor Aufträgen kaum retten. Dadurch kommt es immer wieder zu Verschiebungen. Ein Zukunftsprojekt wird dann die Gestaltung des Terrassengartens hinter dem Haus der Kirche Markt 10 zu einer grünen Oase mitten in der Stadt werden. Der jahrzehntelange Wildwuchs hat die Stützmauern schwer beschädigt. Hier gibt es bereits konkrete Pläne, aber erst, wenn die Ausschreibungen fertig sind, werden wir wissen, welche Kosten auf uns zukommen und dann muss nach Wegen gesucht werden, das zu finanzieren.

Welche weiteren Bauvorhaben verfolgt die Gemeinde?

Baustellen gibt es viele. Mit sieben Kirchen und Kapellen sind wir eine im wahrsten Sinne des Wortes steinreiche Gemeinde. In den letzten Jahren konnte nicht immer alles komplett abgeschlossen werden. Ich denke hier unter anderem an das untere Turmzimmer der Frauenkirche. Mit der Restaurierung der Orgel in der Frauenkirche, die ja unter Denkmalschutz gestellt wurde, haben wir zudem noch ein ganz großes Ziel.

Pfarrer Oehler ist aus der Gemeindearbeit ausgeschieden und arbeitet jetzt als Religionslehrer. Ist für Sie allein die ganze Arbeit überhaupt zu schaffen?

Kurz und knapp gesagt: Nein. Der Stellenabbau läuft ja bereits seit längerer Zeit. Ursprünglich hat der ehemalige Superintendent Andreas Stempel eine halbe Stelle im seelsorgerischen Bereich bei uns wahrgenommen. Diese ist schon länger weggefallen. Jetzt kommt es darauf an, genau zu schauen, was ein Pfarrer tun muss, und was er vielleicht unter Umständen abgeben kann. Ich denke, wir müssen wegkommen von einem überkommenen Bild des Pfarrers als Person, auf die sich alles zentriert hat. Wir sollten uns fragen, welche Aufgaben lassen sich von Ehrenamtlern übernehmen? Sie werden das dann vielleicht anders machen, als es sich der Pfarrer vorstellt. Das kann ja aber durchaus ein Gewinn sein. Wobei wir die ehrenamtlich tätigen Gemeindemitglieder nicht ins kalte Wasser werfen dürfen. Wir müssen sie zuvor schulen und anschließend begleiten.

Sachsens Evangelisch-Lutherische Kirche möchte Gemeinden zusammenschließen, um zukunftsfähige Einheiten mit ausreichend Mitgliedern zu schaffen. Wird dies auch für St. Afra Konsequenzen haben?

Ja, natürlich. Wir sind in Meißen dabei, gemeinsame Wege zu erkunden und zu gehen, die den links- und den rechtselbischen Raum zusammenführen. Ich plädiere dafür, diesen Weg mit Mut und Optimismus zu beschreiten und nicht wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren. So ein Zusammenschluss kann viele Synergien erschließen. Das zeigt die Entwicklung der Kirchgemeinde St. Afra, die ja selbst aus drei Gemeinden zusammenwuchs. Auch aus anderen Bundesländern sind mir viele gelungene Vorbilder bekannt. Es heißt zum Beispiel schauen, welche Räume eignen sich besonders für welche Aufgaben und sind gut erreichbar, welche besonderen Stärken und Aktivitäten kann jede Gemeinde ins Miteinander einbringen? Bei den Mitarbeitern der Gemeinde lassen sich durch eine Spezialisierung Zeit und Kraft gewinnen. Dies herauszufinden, dazu braucht es eine Beweglichkeit des Geistes und die Bereitschaft, Gewohntes aber nicht länger Haltbares loszulassen.

Das Gespräch führte Peter Anderson.