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Eine heiße Sommernacht mit Miss Molly

Die Zittauer tanzen auf der Inneren Weberstraße, erleben eine grandiose Travestieshow und feiern auf dem Markt.

© Rafael Sampedro

Von Mario Heinke

Als „Miss Molly“ zu vorgerückter Stunde ins Mikrofon ruft: „Ich brenne für euch“, toben die Zuschauer beim ersten Straßenfest in der Inneren Weberstraße. Diva „Molly“ alias Andre Matthausch hat in dieser lauen Sommernacht sein Publikum fest im Griff. Es ist Sonnabend, die Sommerparty vor der „Seeger-Schänke“ eine Premiere. „Komm mit und steck dir deine Sorgen an den Hut“, schallt es aus den Boxen. Mit frisch rasiertem Bein im Stöckelschuh, dicken Klunkern an der Hand, präsentiert der Seeger-Schänken-Wirt seine 120 Kilo Lebendgewicht in schrille Garderobe gehüllt den Hunderten Fans mit lasziven Bewegungen. Im Tigerfell-Imitat, Paillettenkleid oder Dirndl, Matthausch zieht auf der Bühne alle Register. „Mein Körper ist von Gott geschaffen und von McDonald’s geformt“, haucht er ins Mikrofon und hat die Lacher auf seiner Seite. Ein unanständiger Witz folgt dem andern. Um die anwesenden Kinder ist der Hobby-Entertainer nicht besorgt. Die seien in einer Travestieshow besser aufgehoben als in der katholischen Kirche, meint „Miss Molly“ blasphemisch. Zwischen den Auftritten der Diva lässt DJ Uri die Zittauer tanzen. Auf dem Pflaster, mitten auf der Straße und bis kurz nach Mitternacht. Ein Bild, das die Anwesenden vermutlich nicht so schnell vergessen werden. Eine Zittauer Love-Parade – altersgerecht mit Bierbänken bestückt. Tanz in einer Straße, die an ihrem Ende schon tot zu sein schien.

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Der Samstag Abend hielt für die Zittauer noch ein besonderes Fest auf der Inneren Weberstraße bereit.
Der Samstag Abend hielt für die Zittauer noch ein besonderes Fest auf der Inneren Weberstraße bereit.
mit Tanz
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und Stimmung
und Stimmung
und Auftritten der einen Art
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und
und
der anderen Art
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Stilecht
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wie man sieht
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Weil das Publikum sich auch seine Lieblingstitel wünschen durfte, bleibt die Nacht nicht frei von der atemlosen Helene Fischer und Schlager-Opa Roland Kaiser. Roswita Weirauch, Ehemann Reinhard und das Ehepaar Brauer zeigten sich angetan von der ausgelassenen Stimmung, Jägermeister sei Dank. Sie erfuhren durch Mundpropaganda von dem ersten Straßenfest und kamen direkt vom Sportfest in der Weinau in die Innere Weberstraße, um zu feiern. Die Auftritte der Zumba-Gruppe um Kerstin Linke, der Hörnitzer Funken, des Bruce-Darnell-Doubles und von Sebastian Weder mit seiner Feuershow sorgten für zusätzliche Abwechslung. Gegen Mitternacht fragte ein Zittauer spontan bei der Technik an, ob er mal singen dürfe. Joachim Thiel durfte und schmetterte die bekanntesten Oldies der Bee Gees in höchster Perfektion durch die Nacht. Nach mehreren Zugaben durfte der bis dahin unbekannte Künstler die Bühne verlassen. „Miss Molly“ beendete das Programm der Laiendarsteller sichtlich gerührt und versprach eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Stadtrat Dietrich Thiele (FUW) zeigte sich begeistert von der Eigeninitiative der Organisatoren, den vielen Helfern und den ortsansässigen Sponsoren. „Die Stadt sollte solche Straßenfeste finanziell unterstützen, statt beim abgetakelten Stadtfest Tausende Euro zu versenken“, so die harsche Kritik des 71-Jährigen, der eine flotte Sohle auf das Pflaster legte.

Der Sonnabend bot aber bereits seit dem Vormittag viel Unterhaltung im Stadtzentrum. Stadtverwaltung und Werbegemeinschaft feierten gemeinsam den „Sommer in der Stadt“. Einige Hundert Schaulustige erlebten eine Modenschau, Zumba, Tanzvorführungen sowie das Orchester Grenzenlos auf dem Marktplatz. Oberbürgermeister Thomas Zenker (ZKM) bedankte sich in seiner kurzen Ansprache bei den anwesenden Bauarbeitern der Baufirma Osteg für ihre bisherige Arbeit.