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Eine Hungermarke für den Nixstein

Der Elbpegel ist derzeit extrem niedrig. Für eine Initiative aus Strehla Anlass genug, eine ungewöhnliche Aktion zu starten.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Strehla. Der Strehlaer Nixstein hat am Freitag eine Gravur erhalten. Den Granitfelsen ziert jetzt langer Querstrich und darüber der Schriftzug „- 1,00 m 2018“. Das Ganze ist eine sogenannte Hungermarke. Die zeigt an, dass der Elbpegel dieses Jahr besonders niedrig war. Aktuell sogar rekordverdächtig niedrig. Aktuellen Daten zufolge lag der Wasserstand in Riesa, an dem sich die Strehlaer Marke orientiert, am Freitagmorgen bei 109 Zentimetern. Zum Vergleich: Als statistisch niedriger Stand gilt schon ein Wert von 141 Zentimetern.

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Den historisch niedrigen Wasserstand für lange Zeit sichtbar festzuhalten, ist eine Aktion der Freien Wählergemeinschaft Strehla (FWG), die das Vorhaben nach eigenem Bekunden auch finanziert. „Unseres Wissens gibt es so eine Hungermarke bisher in Strehla noch nicht. Das wollten wir ändern“, sagt Heiko Zscheile, Chef der FWG-Fraktion im Stadtrat, über die Idee.

Bei der Umsetzung des Ganzen gab es am Freitag aber zunächst Anlaufschwierigkeiten. Denn der Nixstein liegt zwar in einem Elbteich, direkt am Fluss. Das Wasser im Teich hat aber nicht exakt dieselbe Höhe wie das in der Elbe, weil die Verbindungsbauwerke zwischen beiden Gewässern eine Nivellierung bei niedrigen Wasserständen nicht ermöglichen.

Dass es einen gewissen Höhenunterschied geben könnte, war auch im Vorfeld der Markierungsaktion schon erwartet worden. Dass er so groß sein würde, jedoch nicht: Ganze 62 Zentimeter waren es laut Vermessungsingenieur André Knott vom Strehlaer Büro V-Team. Das ließ kurzzeitig die Köpfe bei den Verantwortlichen rauchen. Denn mal eben die Markierung mehr als einen halben Meter unterhalb der Wasserlinie anbringen – unmöglich. – Um die Aktion zum erfolgreichen Ende zu bringen, wurde am Freitag in Strehla zu Trick 17 gegriffen: Eine Höhe wurde nicht bei 109, sondern bei 209 Zentimetern abgetragen. Und damit oberhalb der Wasserlinie am Nixstein. Mit dem kurzerhand beigefügten Zusatz „- 1,0 m“ wird nun angezeigt, dass der eigentliche Wasserstand im Fluss noch mal einen Meter darunter lag, als der Messstrich am Nixstein es ausweist. – Mit diesem Kompromiss konnte dann auch Steinmetz Johannes Heischmann seine Arbeit beginnen und die Daten in den Stein hauen. Das Problem sei dabei weniger die Härte des Granits, aus dem der Nixstein besteht, so der Handwerksmeister aus Riesa. Es sei eher die Grobkörnigkeit des Steins. Um sich die Arbeit zu erleichtern, hatte Heischmann zunächst Zahlen und Buchstaben per Klebefolie und Sandbestrahlung am Felsen „vorgezeichnet“ und sie dann mit einem pressluftbetriebenen Meißel bis zu einem halben Zentimeter tief in den Felsen getrieben.

Um dem neuen Blickfang am sagenumwobenen Nixstein jetzt noch den letzten Schliff zu verpassen, gibt es Überlegungen, eine Pegellatte anzubringen. Das soll die Hungermarke noch ein Stück anschaulicher machen.