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Eine Malerin mit der Kamera

Helga Luzens fotografiert Landschaften, Forellen und Glückskatzen. In Dittersbach zeigt sie Bilder aus 20 Jahren.

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© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

Dittersbach. Die Mittagshitze hat die Glückskatze schläfrig gemacht. Helene, ein Sonntagskind, deren dreifarbiges Fell in der Sonne glänzt, klettert auf den kleinen Holztisch im Hof des Hofmannschen Gutes in Dittersbach. Sie streckt sich im Schatten des Sonnenschirms aus, wird zwischen Schüsseln mit Weintrauben und Pflaumen lang und länger, bettet ihren Kopf auf die Vorderpfoten und schließt die Augen.

Ein Bild für die Götter. Und für Fotografen wie Helga Luzens. Ihre Katzen nimmt sie gern vor die Linse. Aktuell sind das Helene und Seconda, davor waren es Moses und Zippora. Einige dieser Aufnahmen sind jetzt in der Galerie im Hofmannschen Gut zu besichtigen. Als Teil einer Ausstellung mit mehr als fünfzig Fotografien aus den vergangenen zwanzig Jahren, deren Motive Helga Luzens auf dem Anwesen oder in der näheren Umgebung entdeckt hat.

Helga Luzens gelingen malerische Bildfindungen, sie greift die Stimmungen zu allen Jahreszeiten auf, spielt mit Licht und Schatten. Sie fotografiert die Felder vor Sonnenaufgang, mit Regenbogen, mit schwerem Himmel oder mit Wintersonne am Morgen. Dann unternimmt sie einen „Kleinen Spaziergang ums Künstlerhaus“ und lichtet die Obstbäume, den Flieder und die Haselnuss im Garten ab. Oder sie fotografiert silbrig schimmernde Forellen in der Spüle als faszinierendes Stillleben.

Helga Luzens, im Februar 75 geworden, zog 1994 mit ihrem Mann, dem Maler, Grafiker und Bildhauer Hermann Naumann, von Dresden nach Dittersbach. Drei Jahre lang hatten sie zuvor dem heruntergekommenen Bauernhof neues Leben eingehaucht, das Wohnhaus saniert und die querstehende Scheune ausgebaut. Oben befindet sich Naumanns Sommeratelier, darunter die Galerie, die Helga Luzens 1998 eröffnete. Dort zeigt sie regionale und Dresdner Kunst, stellt die Bilder ihres Mannes aus und ihre eigenen. Die Ausstellungen ergänzte sie von Anfang an mit Keramiken aus ihrer Sammlung. Diesmal stammen die Figuren, Vasen, Krüge und Teller aus Siebenbürgen in Rumänien.

Aufgewachsen in Kamenz, war Helga Luzens, die damals noch Jäkel mit Nachnamen hieß, stets von Keramik umgeben, wurde diese doch in der Lessingstadt hergestellt. Ihre Sammelleidenschaft entbrannte aber erst, als sie feststellte, dass die Erinnerung an den nach der Wende geschlossenen VEB Lausitzer Keramik Kamenz unterzugehen drohte. Inzwischen hat sie mehr als 350 Stücke zusammengetragen und zur Geschichte geforscht. „Vielleicht“, sagt Helga Luzens, „wird daraus noch ein Buch.“ Ihre Sammlung, die den Zeitraum 1945 bis 1990 umfasst, will sie den Städtischen Sammlungen Kamenz stiften.

Ihre zweite Leidenschaft, die Fotografie, hat ebenfalls ihren Ursprung in ihrer Heimatstadt. Als Helga zehn war, schenkte ihr ihre Mutter eine Pouva Start, eine einfache Kamera mit Rollfilm. Fortan fotografierte sie Pflanzen, Tiere, Menschen und Landschaften. Im Grunde ist das bis heute so geblieben, nur die Kamera ist jetzt eine andere, allerdings ist sie noch immer analog. Mit der digitalen Technik kann sich Helga Luzens einfach nicht anfreunden.

Die Fotografie ist seit 65 Jahren ihr liebstes Hobby. Beruflich ging Helga Luzens, die drei Kinder hat, andere Wege. Sie ist Werbegrafikerin und arbeitete in der Werbeabteilung der Buchhandlung der Technischen Universität Dresden. Nebenher betätigte sie sich kunstgewerblich, baute Mosaiktische, batikte Stoffe, nähte Kleidungsstücke. Und sie war an der Kunst interessiert, besuchte Malzirkel von Gottfried Zawadski und Rosso Majores. 1971 schließlich wurde sie Assistentin, Modell und Muse von Hermann Naumann.

Helga Luzens’ Musen sind ihre Katzen. Sie scheinen sich tatsächlich für die Fotos zu interessieren. Helene jedenfalls macht es sich jetzt auf den Glasplatten vor den Fischen bequem, um sie in Ruhe betrachten zu können. Vielleicht aber auch nur, weil es dort schön kühl am Bauch ist.

Helga Luzens, Fotografien, bis 29. September im Hofmannschen Gut in Dittersbach, geöffnet Do 15-19 Uhr und Sa 11-16 Uhr; zur Finissage am 10. September, 17 Uhr, gibt es ein Kästner-Programm mit der Schauspielerin Thea Elster und dem Pianisten Conni Wolf, Tel. 035026 91641.