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Eine neue Brücke für Bombardier

Der Konzern investiert kräftig in den Standort an der Bautzener Fabrikstraße. Das bringt das Werk an seine Grenzen – und eine fast vergessene Zufahrt ins Gespräch.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Bombardier setzt auf Bautzen. 20 Millionen Euro will der Schienenfahrzeughersteller in den Standort an der Fabrikstraße investieren. Wie das aussieht, kann man auf dem Werksgelände schon sehen. Dort entsteht gerade für acht Millionen Euro eine neue Produktionshalle. Sie soll die Fertigung von gleich drei Fahrzeugtypen gleichzeitig ermöglichen. Die Neuausrichtung des Standortes ist ein Signal für die Region. Doch sie bringt das Werk in Bautzen auch an seine Kapazitätsgrenzen.

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Höhere Anforderungen an Logistik

Knapp wird es im Bereich Transport. Denn wenn die Leistung in dem Standort erhöht wird, steigen auch die Anforderungen an die Logistik. Oder einfacher gesagt: Die Laster werden künftig deutlich mehr Material anliefern. Außerdem werden auch mehr fertige Schienenfahrzeuge das Werk wieder verlassen. Bislang rollten die Transporter über die Zufahrt Ost und damit über die Fabrikstraße. Auf Dauer wird das nicht mehr funktionieren. Das meint zumindest Andreas Dienemann, Sprecher des Unternehmens. Schon allein deshalb, weil sonst an der Straße ein Lärm entstehen würde, der für die Anwohner und den dort ansässigen Kindergarten nicht zumutbar sei.

Das ist der Grund, warum das Unternehmen gerade über eine zweite Zufahrt für die An- und Auslieferung nachdenkt. Eigentlich gibt es schon die „Einfahrt West“ auf der Rückseite des Werksgeländes. Dort müssen die Fahrzeuge allerdings eine kleine Brücke überqueren. Das Problem ist nur: Das vorhandene Bauwerk entspricht nicht mehr den Anforderungen des Unternehmens. Laut Bombardier müsste die Brücke ein Gewicht von bis zu 40 Tonnen tragen, um tatsächlich als Zufahrt genutzt werden zu können. Doch seit dem Hochwasser im Jahr 2010 ist daran nicht mehr zu denken. Damals hinterließ das Wasser Schäden am Bauwerk. Für Bombardier gibt es deshalb nur einen möglichen Weg: „Eine neue Brücke ist zwingend erforderlich“, erklärt Andreas Dienemann.

Neubau statt Sanierung

Die besagte Brücke gehört nicht der Firma, sondern der Stadt Bautzen. Im Rathaus kennt man die Wünsche von Bombardier gut. Schon lange beschäftigt man sich dort mit dem Bauwerk. Ursprünglich wollte die Stadt die vorhandene Brücke nur sanieren. Doch das ist nicht sinnvoll, erklärt Falko Wendler, Chef des Hoch- und Tiefbauamtes. „Mit einer Sanierung wäre maximal eine Traglast von zwölf Tonnen wieder zu erreichen gewesen“, sagt er. Von den geforderten 40 Tonnen ist das noch weit entfernt. Bleibt also nur ein Neubau. Doch das ist nicht das einzige Vorhaben. Mit dem Bau der Brücke will die Stadt auch die Zufahrtsstraße von der Westtangte zum Bombardier-Werk grundhaft ausbauen.

Die Baubürgermeisterin verspricht sich vom Projekt zwei Dinge. Einmal geht es der Stadt darum, mit dem Bau der Brücke dafür zu sorgen, dass der Bombardier-Standort in Bautzen sicher ist. Schließlich möchte das Unternehmen das Bautzener Werk innerhalb des weltweiten Konzerns zu einem Leitstandort für den Schienenfahrzeugbau entwickeln. Es gibt aber noch einen zweiten Aspekt. „Mit dieser Maßnahme soll auch der Verkehr entlang der Fabrikstraße erheblich entlastet werden“, erklärt Naumann. Damit die neue Zufahrt nicht mehr so lange auf sich warten lässt, hat die Stadt bereits gehandelt. Im Haushalt sind aktuell etwa eine Millionen Euro für die Brücke und 350 000 Euro für die Straße veranschlagt. Das heißt aber nicht, dass es bei dieser Summe bliebt. Wie Falko Wendler erklärt, handelt es sich dabei nur um eine erste Schätzung. Erst nach der Planung wird klar sein, wie teuer das Vorhaben ist.

Brücke soll 2019 stehen

Nicht nur die Kosten stehen noch nicht fest. Offen ist auch die Frage, wann die Brücke gebaut wird. Bei Bombardier hat man dazu eine klare Meinung. „Die Brücke wird im Jahr 2019 benötigt, denn dann soll der Standort auf Hochtouren laufen“, erklärt Andreas Dienemann. Baubürgermeisterin Juliane Naumann versteht die Eile. Doch sie stellt klar, dass diese Zeitvorgabe wohl nicht erfüllt werden kann. „2019 ist mit Planung, Ausschreibung, Vergabe und Bauverfahren nicht realistisch“, erklärt sie. Die Stadt sei schon mit dem Unternehmen im Gespräch. Gemeinsam wolle man sich auf einen realistischen Zeitplan einigen.

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