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Eine neue Wirtschaft für den Großen Garten

Direkt an der Stübelallee sanieren zwei Brüder ein leer stehendes Häuschen. Sie sind bekannte Gastronomen.

© Sven Ellger

Von Juliane Richter

Das Häuschen ist auffällig und unscheinbar zugleich. Einerseits passt es nicht so recht in den Großen Garten. Nicht im geringsten ähnelt es dem prachtvollen Palais oder den verschnörkelten Torhäusern. Andererseits hat es sich bis vor Kurzem hinter hohen Knallerbsensträuchern versteckt und in den vergangenen 20 Jahren ein einsames Dasein gefristet.

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Eigentümer Ralph Krause hofft nicht nur auf Spaziergänger aus dem Park, sondern auch auf Gäste aus Striesen und Umgebung.
Eigentümer Ralph Krause hofft nicht nur auf Spaziergänger aus dem Park, sondern auch auf Gäste aus Striesen und Umgebung. © Sven Ellger

Nun erwecken es die Brüder Ralph und Rastislav Krause aus seinem Dornröschenschlaf. Sie wollen das mehrere Hundert Jahre alte Gebäude, dessen genaue Geschichte sie nicht kennen, so originalgetreu wie möglich sanieren. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz erhält das Haus einen flachen Anbau. Die restliche Grundstücksfläche wird als Biergarten gestaltet. Oder wie die Brüder sagen: Als „Sommerwirtschaft Drachenwiese“. Die Drachenwiese ist nur wenige Schritte entfernt. Spaziergänger, Jogger, Mütter mit Kindern. Viele kommen hier den ganzen Tag über vorbei, nicht nur am Wochenende. Dass diese Ecke der Parkanlage gastronomisch noch nicht erschlossen ist, hat die Brüder überzeugt. „Wir denken schon, dass die Gäste auch aus Striesen kommen. Bis hin zur Borsbergstraße gibt es eigentlich kein Café“, so Ralph Krause. Die gastronomische Laufbahn der Brüder hat vor rund 20 Jahren mit dem „Paul Rackwitz“ in Dresden-Plauen begonnen. Ihr kleines Herzensprojekt dort mussten sie aufgeben. Doch sie betreiben noch das Blumenau in der Neustadt, das Rauschenbach und das Grillkollektiv an der Weißen Gasse, das Café Central am Altmarkt sowie das L‘Art de Vie im Societätstheater.

Für die neue Sommerwirtschaft planen sie sowohl ein Kaffee- und Kuchenangebot als auch deftigere Speisen. „Aber nicht unbedingt nur Pommes und Bratwurst“, sagt der 46-jährige Ralph Krause. Etwas abwechslungsreicher darf es schon sein. Zubereitet werden die Speisen im Anbau. Das eigentliche Häuschen sei „wirklich klitzeklein“, verfügt im Erdgeschoss über zwei Räume, die dann miteinander verbunden werden. Hier können bis zu 40 Personen Platz finden und diesen Bereich zum Beispiel für eine Geburtstagsfeier oder eine Schuleinführung mieten. In der zweiten Etage, die durch die Dachschrägen noch beengter ist, sind lediglich Personalräume untergebracht. Das Hauptgeschäft soll draußen stattfinden. Etwa 200 Plätze an einzelnen Biertischen wird es geben. „Was uns besonders überzeugt hat, ist das Licht. Die Sonne scheint durch die Bäume hindurch bis auf das Grundstück“, sagt Ralph Krause. Gut acht Jahre hatten er und sein Bruder für die Planungen Zeit. So lange hat es von der Ausschreibung durch den Vorbesitzer, den Freistaat Sachsen, bis zur Unterschrift unter den Notarvertrag gedauert. Kein Grund für die Brüder, sich zu ärgern. Jetzt soll es dafür umso schneller gehen. Wenn das Wetter hält, soll der Anbau noch in diesem Herbst entstehen.

Eröffnung im Frühjahr

Der alte Holzzaun an der Stübelallee ist bereits gewichen, um den Baufahrzeugen Platz zu machen. Für die Wintermonate ist der Innenausbau geplant, sodass spätestens am 1. Mai nächsten Jahres der Biergartenbetrieb beginnen kann. Der ist bis halb eins in der Nacht genehmigt worden. „Kein Gast muss nachts durch den dunklen Park laufen. Die Stübelallee ist ja beleuchtet und die Straßenbahnhaltestelle gleich in der Nähe“, sagt Krause. Den etwas versteckten Charakter soll die Sommerwirtschaft vor der Eröffnung aber wieder zurückbekommen. Die Brüder wollen neue Knallerbsensträucher pflanzen und so auch die neue Sandsteinmauer zur Stübelallee, die als Schallschutz dient, verdecken. Insgesamt investieren die Gastronomen jeweils rund 250 000 Euro für den Anbau sowie für die restlichen Arbeiten. Die sind mitunter aufwendiger als gedacht. Die vorhandenen Stromleitungen sind uralt und müssen erneuert werden. Dafür werden eigens Leitungen von der anderen Straßenseite unter der vierspurigen Stübelallee hindurch verlegt.

Die Brüder wissen, dass das Häuschen schon stand, als der Große Garten auf seine heutige Größe erweitert wurde. Deshalb wirkt es bisher wie ein Fremdkörper in der durchdachten Parkanlage. Jemand hat ihnen erzählt, dass einst der Gärtner des Parks darin wohnte, von anderer Seite war von der Funktion als Zollhaus die Rede. Klar ist, dass die Arbeiten der Brüder schon jetzt auf reges Interesse stoßen. Anwohner der gegenüberliegenden Häuser erkundigen sich verstärkt, was hier passiert. Und selbst einige Stadtführer haben in den vergangenen Tagen bereits angehalten. „Durch die Lage bekommen wirklich viele mit, dass hier etwas passiert“, sagt Krause.