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Eine Nixe auf dem Sandsteinsockel

Die Statue neben dem Strehlaer Pilgerhaus nimmt Gestalt an. Dabei gibt es sogar internationale Einflüsse.

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© Robert Steinig

Von Stefan Lehmann

Strehla. Wenn ihn Anwohner und Pilger nach seiner Arbeit fragen, dann ist Joachim Zehme in seinem Element. „Es wird jetzt noch mal spannend“, erklärt er einem älteren Ehepaar, das sich seine Skulptur im Innenhof des Strehlaer Pfarramts einmal aus nächster Nähe ansehen wollte. Dann sprudelt es geradezu aus ihm heraus. Er erklärt die Bedeutung der Figuren und Inschriften auf dem Sockel, spricht über seine Vorstellung für die eigentliche Pilgerfigur, die darauf Platz finden soll. Und lässt es sich auch nicht nehmen, gleich selbst auf den Sockel zu klettern, und den beiden Strehlaern zu zeigen, wie groß sie sein wird und in welcher Haltung der Pilger letztlich auf seinem Sockel stehen soll: „Er sieht aus, als ob er fliegen will“, erklärt Zehme und legt die Hände seitlich an den Kopf. „Und er macht große Ohren, um die Eindrücke der Reise aufzunehmen.“ Die Arbeit beschreibt er so lebendig, dass ihm der ältere Herr am Ende lachend sagt, dass sei schon so erhellend wie eine Führung gewesen.

Mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, das war Joachim Zehmes wichtigstes Ziel, als er vor einigen Tagen am Pilgerhaus mit der Arbeit begann. Die Statue sollte keine Kunst wie aus der Kunstgalerie werden, erklärte er. Den Besuchern wollte er stattdessen die Gelegenheit geben, mit ihm zu sprechen und so die Skulptur mitzugestalten. Eine Idee, die offenbar auf großen Zuspruch getroffen ist. Nicht nur für das Gespräch mit dem älteren Paar nimmt er sich viel Zeit. Wahrscheinlich arbeite er etwa genau so viel aktiv an der Statue, wie er mit den Unterhaltungen zubringe, sagt der Künstler.

Diese Herangehensweise hat schon Früchte getragen: Zu fast jedem Detail kann der Bildhauer eine Inspirationsquelle benennen. „Die Nixe an der Nordseite des Sockels ist auf Anregung des Stadtmarketings entstanden“, erklärt Joachim Zehme. Die Muschel darunter habe sich wiederum eine Pilgerin gewünscht. „Sie sagte mir: Ich will die Jakobsmuschel sehen, wenn ich den Weg zum Pilgerhaus hinaufgehe.“ Die Idee, eine Grabinschrift einzuarbeiten, habe wiederum der Friedhofsmeister gehabt. So wuchs Stück für Stück ein Kunstwerk – in dem sich auch internationale Einflüsse wiederfinden. Schließlich sind auf dem Jakobsweg nicht nur deutsche Pilger unterwegs. „Von polnischen Pilgern habe ich zum Beispiel das Wort ‚razem‘ gelernt. Das heißt ‚gemeinsam‘.“ Joachim Zehme fand das durchaus passend, erklärt er. Schließlich sei es ihm um das Verbindende gegangen. „Ein älterer Herr kam hier vorbei, der noch den Krieg erlebt hat“, erzählt Zehme. Der Mann sei richtig froh darüber gewesen, dass da jemand an einem Denkmal arbeitet, das nichts mit Krieg und Tod zu tun habe, wie die vielen Kriegerdenkmäler.

Am Sonnabendabend soll die Statue eingeweiht werden. Erst einen Tag zuvor wird die eigentliche Statue für den Sockel geliefert. Eigentlich gehe die Arbeit zügig voran, sagt der Bildhauer. „Auf jeden Fall werde ich aber in der Nacht von Freitag auf Sonnabend mit der Taschenlampe hier stehen“, sagt Zehme und schmunzelt. „Das ist immer so: Es wird bis zum Schluss gekämpft.“ Hundertprozentig fertig wird die Statue aber auch zur feierlichen Einweihung noch nicht sein. Die Gäste der Feier dürfen sich dann nämlich ebenfalls noch auf dem Sockel verewigen. Die Strehlaer Statue bleibt Kunst zum Mitmachen – von der ersten bis zur letzten Minute.