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„Eine Regenhusche rettet die Pflanzen nicht“

Baumschulbetreiber Göran Schumann sagt, wie im Elbtal mit der Trockenheit umgegangen werden sollte.

© Norbert Millauer

Ein wenig Nieselregen. Das Grundwasser sinkt weiter. Die Trockenheit hält an. Die sonst feuchten Wege im Wald sind zu mehligem Staub geworden. Müssen Hausbesitzer mit Grundstück und Kleingärtner jetzt die Pflanzen wechseln, weil das tendenziell so weitergehen könnte? Die SZ hat mit einem gesprochen, der sich tagtäglich um Gartenpflanzen kümmern muss – Göran Schumann von der Baumschule Schumann in Radebeul-Zitzschewig.

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Herr Schumann, haben Sie mal gemessen, wie viel Wasser hier in diesem Jahr vom Himmel nicht kam?

Normal wären 600 bis 700 Liter im Jahr. Am Bismarckturm gibt es eine private Wetterstation – und dort regnet es etwas mehr als bei uns unten. Etwa 260 Liter wurden bisher 2018 dort gemessen. Ich hoffe nicht, dass wir jetzt im November 400 Liter kriegen, dann haben wir 2002 oder 2013.

Seit dem Frühjahr so gut wie kein Regen. Wie überleben Sie das mit Ihren Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen?

Dazu muss ich sagen, dass schon der Winter 2017/18 ungewöhnlich trocken war. Ein extremes Jahr. Wir als Gärtner müssen uns schon seit mehreren Jahren darauf einstellen. Regen ist nicht gleich Regen. Mal 30 Liter auf den Quadratmeter heißt bei trockenem Boden ein Eindringen des Wassers von gerade einmal drei Zentimetern. Selbst jetzt noch ist es bis 40 Zentimeter Tiefe absolut trocken. Wir bewässern mittlerweile fast alle Flächen – mit computergesteuerter Bewässerung.

Wie viel mehr Wasser brauchen Sie?

Wir haben noch nicht genau gemessen. Aber das Doppelte gegenüber einem Jahr mit üblichem Niederschlag wird es mindestens 2018 sein. In normalen Jahren gibt es immer wieder mal Zeiten, zu denen wir die Regner ausmachen konnten. Mal eine Woche die Topfware nicht gießen mussten. Das gab es dieses Jahr nie.

Welche Pflanzen verkraften das besser, welche nicht?

Die einheimischen Berg- und Spitzahorn werden sehr leiden. Buchen haben unter dem Wetter zu leiden, weniger unter dem Wassermangel, aber der extremen Hitze. 37 Grad im Schatten heißt ja in der Sonne auf den Blättern und der Rinde bei über 40 Grad absoluter Stress. Deshalb gibt es in den letzten Jahren auch extrem viele Stammrisse, gerade bei Neupflanzungen. Man sieht es mitunter an Straßenrändern, dass Bäume mit einem Weißanstrich oder Schilfmatten geschützt werden. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim bei Würzburg hat seit 2009 das Projekt „Stadtgrün 2021“, um herauszufinden, welche Gehölze besser klarkommen mit dem zunehmenden Trocken- und Hitzestress.

Welche Bäume sind das?

Zum Beispiel spezielle Ahornarten wie der Dreizahnahorn (Acer buergerianum) oder asiatische Gehölze. Dornenarten wie Apfeldorn (Crataegus ‚Carrierei‘) oder pflaumenblättriger Weißdorn (Prunus ‚Splendens‘). Keakibaum (Zelkova serrata) ist ein Baum aus dem Asiatischen, der jetzt hier kaum einem etwas sagt, der aber mit den klimatischen Verhältnissen, wo es auch noch Fröste wie bei uns gibt, gut zurechtkommt.

Sollte der Elbtalbewohner also Stück für Stück seinen Garten mit Pflanzen erneuern, die mit Hitze und Trockenheit besser klarkommen, auch um den Wasserverbrauch zu reduzieren?

Der Gartenbesitzer wird nicht drumherumkommen. Einige Pflanzen werden nicht mehr schön sein. Etwa durch Blattverbrennungen. Man sollte sich schon Stück für Stück umstellen. Ich empfehle: Beobachten, wie sich die Pflanzen entwickeln. Das hängt ja jeweils auch vom Standort ab. Die Leute kommen zu uns, um sich zu beraten, was gut gedeiht. In Coswig, Weinböhla haben wir Sandböden, da ist es ohnehin extrem.

Was haben Sie in der Baumschule schon verändert?

Wir haben uns im Sortiment teils umgestellt, um guten Gewissens Pflanzen empfehlen zu können. Anhaltspunkte liefert dafür die Landesanstalt Veitshöchheim.

Im Elbtal gibt es immer Wind, der ohnehin austrocknet. Dazu die Hitze und das fehlende Wasser. Haben wir im Elbtal eine spezielle Situation?

Klar haben wir ein spezielles Mikroklima, wie andere Regionen auch. Im Winter haben wir Frostlöcher, weil die Kälte nach unten sinkt. Wind ist auch mehr bei uns, er hat in den letzten Jahren in seiner Stetigkeit zugenommen. Den Winzern passt das wiederum – warmes Klima und Wind verhindert Pilze. Beim Regen allerdings gibt es große Unterschiede schon auf wenigen Kilometern. Wenn Regengebiete von Meißen, also aus Westen, kommen, weiß ich, ich kriege fast nichts ab, weil die Wolken an der Bosel aufreißen und nach Norden Richtung Moritzburg abdriften. In Cossebaude wiederum bleiben die Wolken am Hang hängen. Dort wachsen ganz andere Pflanzen sehr gut, mit mehr Feuchtigkeit als hier.

Kann man sich bei Ihnen in der Baumschule beraten lassen?

Die Kunden kommen meist direkt mit Problemen und fragen nach – etwa bei Krankheiten. Wir sind gerade dabei, die Internetseite umzustellen, und wollen auch Pflanzen zeigen und beschreiben, die für unsere Gegend geeignet sind. Aber damit haben wir gerade erst angefangen.

Ihr genereller Tipp zu Trockenheit und Hitze?

Stetig wässern. Nicht auf jede kleine Regenwolke bauen. Gerade bei Neupflanzungen. Wenn ich einen kleinen Ballen habe, mit Laub drüber, dann ist an den Wurzeln von einer Regenhusche nichts angekommen.

Interview: Peter Redlich