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Eine Schule nicht nur für Mathe und Deutsch

Die Evangelische Mittelschule in Pirna feiert ihren zehnten Geburtstag. Die Lehrer legen nicht nur auf gute Noten Wert.

© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Zu berichten ist eine Erfolgsgeschichte. Vor zehn Jahren startete die Evangelische Mittelschule in Pirna einzügig mit 18 Schülern. Heute besuchen mehr als 350  Mädchen und Jungen aus dem gesamten Landkreis die Einrichtung an der Rottwerndorfer Straße. Anlässlich des Jubiläums lud die Schule in den vergangenen Tagen zu einer kleinen nicht öffentlichen Feierstunde ein. Zehn Jahre. „Darauf bin ich schon stolz“, sagt Schulleiterin Hedda Feron. Zu ihrer Philosophie und die des Kollegiums gehört, dass es nicht nur um gute Noten in Mathematik, Deutsch und Englisch geht.

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Die christliche Schule legt Wert darauf, den Schülern Kompetenzen jenseits des Lehrplanes, vor allem soziale Fähigkeiten, zu vermitteln. „Im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft“, erklärt Hedda Feron das Leitbild. So ist es ihr wichtig, dass die Schüler Empathie entwickeln, dass sie den Mitmenschen wahrnehmen, auf ihn zugehen und Offenheit zeigen.“ Nur wer ein Gefühl für Mitmenschen aufbaue, könne mit ihm kommunizieren und mit ihm umgehen, auch mit dessen eventuellen Defiziten.

Deshalb werde bei Außenseitern darauf geachtet, dass genauso die Klassengemeinschaft in der Verantwortung steht. „Es gab einen Schüler, der Einzelgänger bleiben wollte. Das ist sein gutes Recht. Aber wir legen Wert darauf, dass er von den anderen akzeptiert und respektiert wird “, erläutert die Pädagogin. Wenn Hedda Feron von Gemeinschaft spricht, dann meint sie allerdings nicht nur die Klassengemeinschaft. Sie sieht vielmehr die gesamte Schule mit Lehrern und Schülern als eine Gruppe, zu der ebenfalls die Reinigungskräfte und der Hausmeister gehören.

Ganz oben steht ebenfalls, dass die Schüler etwas bewegen, mit anpacken, organisieren. Das läuft gut, wie die jüngste Aktion im Technik-Unterricht gezeigt hat. Auf dem Schulgelände fehlten Sitzmöglichkeiten, kurzerhand wurde mehrere Bänke im Technik-Unterricht von den Schülern selber gebaut. Genauso wie die kleine Hütte auf dem rückwärtigen Pausengelände. Hier finden übrigens Lesenächte und Spielnächte statt, wobei einige Schüler auch gerne in Zelten übernachten, die sie auf dem Areal aufschlagen dürfen.

In dem Schulgarten wird kräftig geerntet, und auf den zahlreichen Sportfeldern können sich die Mädchen und Jungen auspowern. „Das gibt einen freien Kopf für den Unterricht“, weiß Hedda Feron. Als weitere Besonderheit der Schule nennt die Leiterin das Diakonische Profil ab der Klasse sieben, das insgesamt vier Praktika vorsieht. Für Arne aus der 10b war dieses Hineinschnuppern in soziale Berufe der Grund, weshalb er sich jetzt zum Physiotherapeuten oder Rettungssanitäter ausbilden lassen möchte. „Ohne die Praxis, wäre ich nicht darauf gekommen, dass diese Berufsfelder meinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechen“, meint er.

Und was sagen seine Mitschüler? Gina weiß es ganz genau, denn sie startete die erste Klasse in der Evangelischen Grundschule. Es gefiel ihr so gut, dass sie nach der vierten zur Evangelischen Mittelschule wechselte. „Ich habe hier viel gelernt und bin von den Lehrern gut an die Hand genommen worden, die uns aber dann auch zur Selbstständigkeit erzogen haben“, sagt die Zehntklässlerin. Felix, ebenfalls aus der 10b nickt. Er ist Quereinsteiger und kam vom Schillergymnasium. „Weger schlechter Noten“, gibt er ehrlich zu. Bereits der Probeunterricht in der siebten Klasse an der Evangelischen Mittelschule hat ihm zugesagt. „Das vertrauensvolle Verhältnis zu den Lehrern, die mir auch immer viel Mut gemacht haben“, blickt er zurück. Mit Erfolg, denn jetzt plant Felix nach dem Abschluss der zehnten Klasse noch sein Abitur am Beruflichen Gymnasium des Evangelischen Schulzentrums draufzusetzen.

Allerdings geschieht das an einem anderen Standort. Zum Sommer 2018 ziehen die Evangelische Mittelschule und das Berufliche Gymnasium in die dann sanierten und umgebauten Gebäude an der Rottwerndorfer Straße 51 und 52 ein, wo das neue Evangelisches Schulzentrum entsteht (SZ berichtete).