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Eine Stadt aus Pappe und Papier

In einem Ferienkurs haben Kinder in Freital Objekte mit eigener Geschichte gebaut – nun zu sehen im Mühlenviertel.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Dorit Oehme

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Badespaß und Erholung zugleich

Das Freizeitzentrum "Hains" ist für erholsame Stunden und schweißtreibende Sportangebote bekannt.

Freital. Muriel und Paula haben aus einem Schuhkarton und Pappen eine Häuserkette gebaut. Die Fassade ist angedeutet. Die Fenster sind mit einfarbigen und gemusterten Papieren hinterlegt. Gegen das Tageslicht gedreht, leuchten sie auf.

Die beiden Zwölfjährigen leben in Tharandt. Nun bauen sie ihre Fantasiestadt im Freitaler Familienzentrum Regenbogen. Dort war in dieser Woche die Figuren-Raum-Geschichten-Werkstatt der Volkshochschule (VHS) zu Gast. 15 Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 13 Jahren nahmen am einwöchigen, ganztägigen „Talentcampus“ teil. Er wird übers Programm „Kultur macht stark“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und ist kostenfrei.

„Es ist der 20. Bildungsferienkurs dieses Formates, den wir seit dem Beginn im Jahr 2013 über unsere Volkshochschule anbieten“, sagt Daniela Magirius, Bereichsleiterin für Kultur an der VHS Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die beiden Gestalterinnen der Kreativwerkstatt Händewerk aus dem Freitaler Technologiezentrum arbeiten zum dritten Mal mit. „Es gibt keine konkreten Vorgaben, welche Objekte entstehen. Das entwickeln die Kinder selbst. Wir erklären ihnen Bautechniken. Jedes Kind arbeitet in seinem Tempo. Wichtig ist, dass es in ein vertieftes Arbeiten kommt“, sagt Verena Eichhorn. Sie ist Kostüm- und Bühnenbildnerin mit Diplom. Im Händewerk arbeitet sie auch als Papierkünstlerin – wie Carolina Bräuer.

Diese zeigt dem elfjährigen Luca soeben einen Fransenschnitt für dessen Hund. Mit dem Holz- und Drahtgerüst im Inneren steht der Vierbeiner schon sicher auf den Pfoten. Mit Pappmaché hat Luca den Körper geformt und die Oberfläche dann mit Zeitung kaschiert. „Es sollte ein Fuchs werden. Doch die Schnauze wirkte eher wie bei einem Hund“, sagt er und ergänzt: Einen echten Hund hätte er sogar gern. Nebenan bekommt ein Skorpion sein nächstes Bein. Auch ein Schwein liegt rücklings auf dem Tisch.

Die Kinder erfinden zu den Werken Geschichten. „Einige davon waren gleich zuerst da, andere entstehen beim Arbeiten“, sagt Verena Eichhorn. Insgesamt sei es ein ständiges Wechselspiel, auch zwischen dem Können und den Wünschen der Kinder. „Sie lernen im Schaffensprozess viel.“ Paula wickelt fürs Klettergerüst der Fantasiestadt Wolle von einem Knäuel. „Beim Basteln kommen uns neue Ideen“, sagt Muriel. Parallel hat sie mit Paula eine Murmelbahn gestaltet. Konzentriert arbeiten alle, einzeln oder in Grüppchen.

Zum Kurs gehörte ein Besuch im Theater der Jungen Generation in Dresden samt Führung. „Dabei erfahren die Kinder, wie Geschichten auf der Bühne erzählt werden und im Alltag verankert sind“, sagt Carolina Bräuer. Sie hat Germanistik sowie Kunst- und Musikwissenschaften studiert und in der Umweltbildung gearbeitet. Aus alten wie neuen Dingen entstehen die Objekte. Wer durch die Fußgängerzone des Mühlenviertels in Freital-Deuben schlendert, kann die Ergebnisse dort bis Ostern in den sonst leeren Schaufenstern sehen.

Talentcampus in den Sommerferien: 30. Juli bis 3. August: Druckwerkstatt in Freital. 6. August bis 10. August: „Upcycling – Gestalte dein Zimmer neu!“ in Pirna.

Anmeldung: www.vhs-ssoe.de – Die Gestalterinnen bieten auch Projekte für Schulen und Kitas an. Kontakt über: www.haendewerk-dresden.de