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Eine Tankstelle ohne Autos

In Dresden kann man jetzt einen neuen Kraftstoff kaufen. Bisher gibt es aber noch keine Kunden.

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© Sven Ellger

Von Christoph Springer

Der weiße Kasten wirkt noch wie ein Fremdkörper, an den meisten Tagen ist er verwaist, nur am Dienstagmittag war mal richtig Betrieb. Da drängelten sich ungewöhnliche Autos aus Fernost vor der einzigen Zapfsäule an der Ecke Wiener Straße/Gerhart-Hauptmann-Straße. Ein Toyota wurde sogar betankt. Aus dem weißen Kasten wurde Wasserstoff in den Pkw gepumpt. Verbindet sich das Gas mit Luft, entsteht Energie, mit der ein Elektromotor angetrieben werden kann. Der Tankkunde war kein gewöhnlicher Pkw-Fahrer, sondern ein Händler, der solche Fahrzeuge künftig verkaufen will. Er war mit einem emissionsfreien Wasserstoffauto nach Dresden gekommen, um die Eröffnung der ersten Tankstelle für dieses Gas in der Landeshauptstadt zu feiern.

Die Station ist die zweite in Sachsen. In Leipzig gibt es seit einigen Tagen bereits eine solche Tankstelle, in Meerane ist die dritte geplant, und Chemnitz hat sich jüngst um eine Wassertankstelle beworben, berichtete Lorenz Jung, der beim Unternehmen H2 Mobility aus Berlin für den Aufbau des Stationsnetzes zuständig ist. Erfurt, Magdeburg und Neuruppin sollen ebenfalls Wasserstoffstationen bekommen. 100 sollen es bundesweit bis Ende 2019 sein. Die meisten gibt es derzeit im Westen, das ehemalige DDR-Gebiet ist noch Wasserstoff-Entwicklungsland.

Burkhard Reuss, Chefmanager der Tanktstellenkette Total, die zusammen mit weiteren Unternehmen H2 Mobility gegründet haben, rechnet damit, dass diese Wasserstoff-Autos etwa Mitte der 2020erJahre zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden können. Derzeit kosten die Fernost-Fahrzeuge deutlich mehr als ein normaler Pkw – zwischen 60 000 und 80 000 Euro muss man für sie bezahlen. Der Kraftstoffpreis ist dagegen schon günstiger. 9,50 Euro kostet das Kilo H2-Gas an der neuen Tankstelle, ein Kilo reicht für etwa 100 Kilometer, sagte Lorenz Jung.

Die Planer hätten die Wasserstoff-Zapfsäule gern in die bereits bestehende Tankstelle eingebaut, doch dafür reichte der Platz nicht. Besondere Sicherheitsanforderungen gebe es nicht, so Jung. Nun kommt es darauf an, ob Dresdner das Angebot annehmen. Die Statistik der Stadt für 2017 belegt: Bis Ende vergangenen Jahres gab es in Dresden kein einziges Wasserstoffauto.