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Eine Tour durch die Republik

Zwei 14-Jährige sind in den Ferien mit ihren Rädern 500 Kilometer durch Deutschland gefahren – um die Oma in Olbersdorf zu besuchen.

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Von Mario Sefrin

Das ist mal ein Ferienerlebnis. Mit dem besten Freund auf Mountainbikes unterwegs, um die Omas zu besuchen und gleichzeitig die einstige Heimat des Vaters kennenlernen. Johannes Heidrich hat sich in den diesjährigen Sommerferien auf eine solche Tour begeben, und ist dabei nach einer 500 Kilometer langen Radfahrt in der Oberlausitz angekommen. Um genau zu sein: in Olbersdorf. Von hier stammt nämlich Johannes’ Vater, Jürgen Heidrich. Heute wohnt er mit seiner Familie in der Gemeinde Selters im Taunus.

„Johannes wollte die Wurzeln seiner Eltern hautnah erfahren“, erzählt Jürgen Heidrich. „Dabei kam er auf die Idee, zusammen mit seinem Freund, Luis Pfaffe, mit dem Mountainbike von seiner Oma in Sünna in Thüringen zur anderen Oma nach Olbersdorf im Zittauer Gebirge zu fahren, meiner Mutter, Brigitte Heidrich. „Da ich das natürlich gern unterstütze, sind wir am 14. August nur mit Rucksack und Mountainbikes von Eisenach gestartet“, so Jürgen Heidrich. „Die Jungs wussten nicht, worauf sie sich einlassen und ich wusste nicht, ob wir das schaffen.“

Sie haben es geschafft, und im Nachhinein ist Heinrich begeistert davon, wozu die Jungs fähig sind. Start war am 14. August am Rennsteig bei Eisenach in Thüringen. „Sie haben den kompletten Rennsteig über Oberhof, Schmücke, Neuhaus, Spechtsbrunn, Steinbach am Wald (Franken) bis Blankenstein bezwungen“, sagt Jürgen Heidrich. „Danach ging es weiter auf anspruchsvollen Mountainbikestrecken entlang der Bleilochtalsperre, über Saalburg und Greiz nach Zwickau. Von dort vorbei an Chemnitz, Oederan und Freiberg weiter nach Dresden.“ Dort war sogar noch Zeit, das Pokalspiel der Dresdner Dynamos gegen RB Leipzig zu besuchen: „Das Spiel war Gänsehaut pur“, so Heidrich. Am nächsten Tag ging es weiter über Bautzen ins Zittauer Gebirge. „Hatte das Wetter uns die ganze Woche mit Sonnenschein verwöhnt, mussten wir jetzt doch noch die Regensachen auspacken“, erinnert sich Jürgen Heidrich. Auf ihrer Fahrt haben die Schüler aber nicht nur sportlich dazugelernt, sie lernten auch die dunklen Seiten der jüngeren Geschichte bei einer Führung im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Bautzen kennen. So erfuhren die Jungs, dass es einem Häftling gelungen war, aus seiner Zelle zu fliehen und dass dort neben politischen Gefangenen aus der DDR auch ausländische Spione und von der Stasi aus Westberlin verschleppte Regimegegner einsaßen. „Das ist Wahnsinn“, sei der Kommentar der Jungs gewesen. Mit der Wende und nach Entlassung der politischen Gefangenen war das Stasi-Gefängnis plötzlich fast leer, wurde dann nur noch kurze Zeit (bis Januar 1992) als Justizvollzugsanstalt geführt. Heute befindet sich dort die Gedenkstätte.

Die Jungs legten schließlich bei Regen und Sonnenschein die letzten Kilometer bis ins Zittauer Gebirge zur Oma in Olbersdorf zurück. Dabei ging es auf idyllischen Radwegen durch die schöne Oberlausitz. „Nachdem sich die Jungs dann noch ein paar Tage bei der Oma in Olbersdorf ausgeruht hatten, ging es mit der Bahn zurück nach Hessen, denn ein paar Tage später wartete die Schule bereits wieder auf die Jungs“, sagt Jürgen Heidrich. „Dort hatten sie sicher viel zu erzählen.“ Insgesamt fuhren die Jungs in sieben Tagen rund 500 Kilometer und 5 000 Höhenmeter. „Eine tolle Leistung“, so Jürgen Heidrich. Die Familien sind jedenfalls sehr stolz auf die ihre Jungs.