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„Eine völlige Fehlplanung“

Die Grünen halten die Zufahrt zur Elbbrücke für zu gefährlich. Die Staatsregierung findet das weniger dramatisch.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Besonders jetzt im Sommer kommt es immer wieder vor, dass sich ortsfremde Radfahrer in Riesa auf die Elbbrücke verirren. Plötzlich finden sie sich auf der B 169 wieder. Die Grünen im Landtag machen dafür die Verkehrsführung an der Stelle verantwortlich, wo sich B 169 und B 182 kreuzen. Unter der Brücke gibt es an der Straße keine Radwege. Die Radler werden über die Fußgängerbücke am Birkenwäldchen umgeleitet, um so auf den sicheren Radweg über den Fluss zu kommen.

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Mit einer offiziellen Anfrage bei der Staatsregierung hat sich die verkehrspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion Katja Meier jetzt noch einmal über das Thema informiert. „Mit der Fertigstellung der B-169-Elbbrücke im Jahre 2001 ist damals ein neuer, vierspuriger Kreuzungspunkt mit der B 182 entstanden. Straßenbegleitende Radwege wurden bei diesem umfangreichen Bauunternehmen leider nicht geschaffen.“

Die Grünen bezeichnen die Situation an der Elbbrücke, so wörtlich, als skandalös. „Eine völlige Fehlplanung. Wirtschaftsminister Martin Dulig muss bei der Radverkehrskonzeption hier dringend nachbessern“, fordert Meier. Das findet auch Konrad Krause vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, ADFC: „Der Elberadweg ist das touristische Premiumprodukt in Sachsen. Dass aufseiten des Ministeriums kein Bedarf gesehen wird, in Riesa eine sichere und funktionierende Anbindung der Brücke an den Elberadweg herzustellen, ist symptomatisch für die zuweilen chaotische Radverkehrsplanung des Freistaats.“ Die Stadt Riesa sollte stärker öffentlichen Druck machen. „Doch liegt die Verantwortung auch beim Verkehrsminister. Er ist zuständig dafür, Mängel in der Verkehrssicherheit abzustellen, wie sie etwa durch fehlende Radwege entstehen“, sagt der Rad-Lobbyist.

Bei der Radverkehrskonzeption Sachsen 2014 hat das Wirtschaftsministerium den besagten Knotenpunkt mit der untersten Prioritätsklasse C versehen. Projekte der Klasse A müssen bis 2025 fertiggebaut werden. Weniger dringlich sah das Ministerium das Problem vor allem deshalb, weil es damals von einer Verkehrsbelastung von 1 000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden an einer der Abfahrten ausgegangen ist.

Die Zahl beruht auf einer Schätzung. Konkrete Werte, etwa durch eine Verkehrszählung, liegen nicht vor. Zwar sieht auch das Wirtschaftsministerium, dass „die vorhandene Radwegführung schlecht angenommen wird“, hält den Umweg von rund 200 Metern aber für vertretbar: „Die Beschilderungen von der B 169 zum einen in Richtung Stadtzentrum, zum anderen in Richtung Elberadweg sind nachvollziehbar und lückenlos, auch wenn die Radfahrenden hier auf das nachgelagerte Wegenetz geführt werden.“

Katja Meier von den Grünen hinterfragt die Einordnung des Projekts: „Es wurde nicht in Radwegbeziehungen und Netzverbindungen gedacht, sonst hätte die fehlende Radverbindung in Riesa niemals nur in der schwächsten Klasse C aufgenommen werden dürfen.“

Laut Wirtschaftsministerium müsste sich die Stadt Riesa darum bemühen, dass der Knotenpunkt für Radfahrer sicherer wird: „Dass es bisher zu keiner Realisierung kam, kann dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr nicht angelastet werden. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wird daher die Stadt Riesa kontaktieren und das weitere Vorgehen abstimmen“, heißt es aus dem Ministerium.

Laut der Stadtverwaltung steht Riesa aber längst in Verbindung mit dem zuständigen Landesamt. Die Stadt liefere bereits Zuarbeiten, sagt Rathaussprecher Uwe Päsler. Baubürgermeister Tilo Lindner könnte sich einen Radweg von der Elbbrücke runter bis an die B 182, eine Querung unterhalb des Offenen Jugendhauses und weiterführend die Verbindung zum bestehenden Radweg entlang der B 182 /Lauchhammerstraße vorstellen. Zudem wäre es denkbar, den Weg an der B 182 unterhalb des Riesenhügels entlang der Kurve unter der Brücke bis an den bestehenden Elberadweg heranzuführen.

„Ob das alles machbar ist, wird der weitere Abstimmungsprozess ergeben, das lässt sich derzeit weder zeitlich noch finanziell definieren. Aber Stadt und Landesbehörde sehen sich auf einem guten, gemeinsamen Weg“, betont Uwe Päsler.