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Einen Tag die Stadt regieren

Zum ersten Mal tagt im Rathaus der Jugendstadtrat. Neben schnellerem Internet wurde das Thema Jugendtreff aufgegriffen.

© Dietmar Thomas

Von Eric Mittmann

Hartha. Wie viel Geld ist in Hartha für Jugend-Projekte eingeplant? Wie steht es um den Ausbau der Breitbandverbindung? Gibt es Pläne für den Bahnhof? Was kann getan werden, um die in der Stadt verteilten Stromkästen zu verschönern? Mit diesen und weiteren Fragen setzten sich die Schüler der neunten Klassen der Pestalozzi-Oberschule am Dienstag mit Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) auseinander. Allerdings nicht nur als Bürger, sondern in Form des Jugendstadtrats, der nun erstmals im Rathaus tagte.

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Die Diskussion, Jugendliche mehr in den Entscheidungsablauf der Stadt einzubeziehen, hielt sich offenbar bereits seit Langem. „Der Jugendstadtrat war ein erster Test dafür. Auch wenn er natürlich keine wirkliche Mitbestimmung ersetzt“, erklärt Alex Seling von der Friedrich-Ebert-Stiftung, die den Jugendstadtrat organisiert. Dazu wurden zunächst zwei Projekttage veranstaltet, an denen die Schüler ihre Fragen und Anträge ausarbeiten konnten.

Nach einer kurzen Einführung stellte sich Bürgermeister Kunze am Dienstag zunächst den Fragen seines verjüngerten Stadtrates. Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofes soll ein Baugelände entstehen. Glasfaserkabel für schnelleres Internet seien zum Teil bereits verlegt. „Ich kann allerdings nicht sagen, wann wir alle eine Breitbandverbindung haben“, so Kunze. Für die Verschönerung der Stromkästen müsse zunächst mit der Stromversorger gesprochen werden, da er der Eigentümer ist. Er könne nicht sagen, wie viel Geld für Jugendprojekte geplant sei, da dafür Barbara Müller als Kämmerin zuständig sei.

Als ersten Antrag forderten die jungen Stadträte den Bau eines Drogeriemarktes in Hartha. Das Argument der Schüler: Der nächste Rossmann befindet sich in Waldheim, was gerade für Jugendliche zu weit weg und somit zu aufwendig wäre. Bürgermeister Kunze versicherte, dass ein solches Vorhaben problemlos Unterstützung innerhalb der Stadtverwaltung fände. „Wir haben bereits Müller, DM und Rossmann angeschrieben. Rossmann ist allerdings gerade dabei, einen neuen Standort in Waldheim aufzubauen. Müller errichtet Geschäfte nur in einer Region mit mindestens 100 000 Einwohnern und im Fall von DM sind es 25 000 Einwohner.“

Damit ein solches Projekt gelingt, müsste Hartha zunächst attraktiver für die Unternehmen erscheinen. Also suchten die jungen Ratsmitglieder nach Argumenten für den Bau eines Geschäftes. Potentielle Kunden würden nicht nur direkt aus Hartha, sondern dank der Schulen und Betriebe auch aus anderen Orten kommen. Die vielen Sportvereine der Stadt ziehen zusätzliche Kunden an. Beschlossen wurde am Ende, dass die Verwaltung die gesammelten Argumente zunächst bündeln solle.

Um die Attraktivität der Stadt zu fördern, beantragte der Jugendstadtrat die Organisation von Kinoveranstaltungen. In der kalten Jahreszeit könnten diese beispielsweise in der Bibliothek stattfinden, in den Sommermonaten könne in den Stadtpark gewechselt werden.

Der Vorschlag traf auf unterschiedliche Reaktionen. „Wer wird das organisieren?“, „Wie sollen wir das finanzieren?“, „Attraktivität ja, aber gehen damit nicht die Kunden für Döbeln verloren?“, hieß es von Seiten der Jugendlichen. Ein Kostenplan werde derzeit noch erstellt. Die Finanzierung solle über Spenden und Fördermittel ablaufen.

Letztendlich stimmten vier Räte dafür, die Idee „Kino in Hartha“ weiter im Auge zu behalten. Neun stimmten dagegen und fünf enthielten sich der Stimme. Der Vorschlag wurde damit abgelehnt.

Das Thema Jugendzentrum steht bereits seit Längerem zur Diskussion im Harthaer Rathaus. Nun meldeten sich einmal diejenigen zu Wort, die direkt davon betroffen sind – und lieferten zugleich neue Ideen.

Zahlreiche Gebäude in Hartha stünden leer und könnten genutzt werden. Neben einem Jugendclub wäre auch ein Café eine Option, das von Schülern für Schüler geführt wird. „Es geht uns darum, einen Raum zu haben, den wir unabhängig erreichen können“, so die Ratsmitglieder.

Als Räume wurden der „Schwan“ oder das Gebäude des ehemaligen Supermarktes an der Sonnenstraße vorgeschlagen.

Auch in diesem Fall fiel das Gespräch wieder auf die Finanzierung. Sollen Eintrittspreise für den Club gefordert werden? Mit welchem Geld werde die Sanierung des Gebäudes bezahlt? Welche Größe sollte dieses eigentlich haben?

Bürgermeister Kunze stellte das Sunshine als Option in den Raum, das in zwei bis drei Jahren wieder genutzt werden könne. „Allerdings fehlt es bis dahin an einer Zwischenlösung“, sagte er. Der Jugendstadtrat wollte sich damit nicht zufrieden geben und beschloss, die Angelegenheit in die Ausschüsse zu übernehmen.

Die Jugendlichen gingen auch auf den Zustand der Toiletten in der Oberschule ein. Diese seien seit der Wende nicht mehr erneuert worden und bedürften unbedingt einer Renovierung. „Bereits aus hygienischen Gründen wäre es notwendig, sie zu erneuern“, so die Räte.

Zwar soll die Schule in den nächsten zwei bis drei Jahren komplett auf Vordermann gebracht werden, dennoch entschied sich der Rat, sich bis dahin über Lösungsvarianten zu informieren und kurzfristige Renovierungen vorzuschlagen.

Bürgermeister Kunze lobte die Ideen eines Jugendstadtrates. „Ich habe heute selbst viel gelernt und fahre definitiv motiviert nach Hause.“ Das Projekt Jugendstadtrat soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. Die Vorschläge sollen nun in den Stadtrat aufgenommen und dort weiter verfolgt werden.

Auch die Schüler waren begeistert. „Es war spannend und ich denke, es ist schon besser, wenn die Stadt auch von Schülern vertreten wird“, sagte Annica berger. „Wir wären bereit, uns dafür zu engagieren. Schließlich ist das auch unsere Stadt.“

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