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Einfach ein starker Typ

Mindestens zwei Dinge gibt es im Leben von Bernd Starke, die er seit Kindesbeinen liebt: die Feuerwehr und Faltboot fahren.

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© Collage: André Braun/Fotos: DA-Archiv/privat

Von Heike Heisig und Tina Soltysiak

Leisnig. Der Feuerwehrchef der Stadt Bernd Starke wird am Donnerstag 60 Jahre alt. Es könnte sein, dass deshalb sein Telefon permanent klingelt. Dabei ist es so gar nicht sein Ding, im Mittelpunkt zu stehen. Genau diesen Wesenszug schätzen Mitmenschen an ihm. „Er nimmt sich selbst nicht so wichtig“, sagt Uwe Dietrich. Der Mann vom Leisniger Ordnungsamt kennt Bernd Starke seit 1991. Ein Jahr später hat dieser das Amt des Feuerwehrchefs übernommen. „Ich sehe dies als eine große Stärke. Bernd kann sich zurücknehmen, lässt auch die Jungen machen. Er tritt weder bevormundend noch belehrend auf“, meint Dietrich. Was er außerdem toll findet, ist Starkes Hilfsbereitschaft weit über den Feuerwehrdienst hinaus. Zuletzt bat er für die Waldheimer Brandopfer um Spenden.

Auch andere Ehrenamtliche freuen sich über Starkes Hilfe. Dazu gehört Kai Schaarschmidt. Der junge Mann beringt Jungstörche. Zweimal schon hat ihn Bernd Starke mit der Drehleiter zu deren Horst hinauf gefahren, damit Schaarschmidt seines Amtes walten kann.

Von dieser Leiter ist Starke selbst überaus begeistert. Schon seit Kindesbeinen hat es ihm die Feuerwehrtechnik angetan. Er gehörte zur Arbeitsgemeinschaft (AG) Junger Brandschützer. Einer seiner Ausbilder war Gerhard Hermann, der sich noch gut an den Ehrgeiz des jungen Bernd erinnern kann. „Bei Wettkämpfen war er immer mit Eifer dabei, bei Faschingsfeiern oder Ausflügen dafür selten“, erzählt der Senior.

Starkes Führungstalent hat wahrscheinlich der damalige Wehrleiter Günter Niemz entdeckt. „Die beiden waren ein tolles Team“, meint Wolfgang Störr, langjähriger Kreisbrandmeister. Er bezeichnet Bernd Starke als guten Kameraden und prima Kumpel. Eine Reihe harter Einsätze hätten die beiden zusammen bewältigt, zuletzt auf der Autobahn, als ein Lasterfahrer ums Leben kam. Den Leichnam den Bestattern zu übergeben, sei keine Aufgabe, um die man sich reiße. „Aber selbst dafür war sich Bernd nicht zu schade“, sagt Störr. Nach solchen Einsätzen sind Starke und die übrigen erfahrenen Kameraden auch immer für die jüngeren da, um gemeinsam die schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten. Ins Feuer geht der Chef übrigens immer noch selbst. Im Brandcontainer übt er regelmäßig für solche Einsätze.

Bewusst in Lebensgefahr begeben

Viel gesehen haben die Feuerwehrleute während der Flut 2013 und vorher 2002. „In dieser Situation waren das enorme Wissen Bernd Starkes und seine Tatkraft für uns unverzichtbar“, so Leisnigs Alt-Bürgermeister Heiner Stephan (CDU). Der hat sich mit Bernd Starke und dessen damaligem Stellvertreter Gerd Liehr sogar bewusst in Lebensgefahr begeben, um einen auf der Mulde abtreibenden Gastank zu untersuchen. „Das war bei der Hitze ausgesprochen gefährlich“, erinnert sich Stephan. Dass der Gastank schon leergeblasen war, wussten die drei Männer nicht.

Danach konnte Dank Starkes Wissen Spezialtechnik aus der Partnerstadt Bünde in Klosterbuch eingesetzt werden. Damit war es möglich, das Heizöl zu separieren, das zusammen mit dem Muldewasser in die Häuser eingedrungen war. Stephan schätzt, dass dies jeden Einzelnen ansonsten mehrere Tausend Euro gekostet hätte.

Dass Bernd Starke selbst in schwierigen Situationen die Ruhe bewahrt, schätzen alle seine Weggefährten. Aber auch sein Humor ist ein besonderer. Den scheint er niemals zu verlieren: Der Piepser geht manchmal zur unmöglichsten Zeit los. Vor fast einem Jahr, es war der 25. September, saß Bernd Starke um kurz nach 16 Uhr gerade auf dem Friseurstuhl, als er zu einem Mini-Feldbrand am Eichberg gerufen wurde. Auf das Helmtragen verzichtete er aus gegebenem Anlass. Schließlich sollte der Besuch ja nicht umsonst gewesen sein. Bezahlen wollte er am Tag darauf. Doch in der Nacht zum 26. September brach in einem Wohnhaus an der Colditzer Straße ein Brand aus. „Nun ist die Frisur doch zerstört. Bezahlt habe ich sie aber noch nicht. Am Montag hole ich das nach“, sagte er damals grinsend. Dumm nur, dass er am besagten Tag nochmal an den Einsatzort zurückkehren musste, um Glutnester zu löschen. „Na, Herr Starke, vielleicht können Sie die Zeche prellen?“ „Nee, das wird nix. Die Friseuse ist meine Nachbarin.“ Ob er wohl mittlerweile bezahlt hat? Daran hat wohl niemand einen Zweifel, der Starke kennt.

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) ist inzwischen zweifacher Dienstherr von Bernd Starke. Er freut sich, mit ihm das neue Gerätehaus in Bockelwitz planen zu können, weil er weiß, dass von ihm alles Wichtige für mehrere Wehren am neuen Standort berücksichtigt wird. Andererseits schätzt Goth Starkes Einsatz als Stadtelektriker. „Auf ihn ist Verlass“, sagt der Rathauschef.

Neben der Feuerwehr hat deren Chef noch eine zweite Leidenschaft, die auch wieder mit Wasser zusammenhängt: Seit frühester Jugend ist er gern mit dem Faltboot auf Flüssen und Seen unterwegs. Fürs Radeln hat er ebenso etwas übrig, weshalb er zum 50. ein „Dienstfahrrad“ bekam. Indes bräuchte er ein Tandem – damit auch seine Freundin mitstrampeln kann, wenn es mal ein Stück weiter als bis ins Gerätehaus an die Ringstraße geht.