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Eingesackt

Flaschen, Schokopapier, Babybett – die Freitaler putzten am Sonnabend ihre Stadt.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Freital. Über Nacht hatte der Regen schon mal seinen Teil erledigt und Wiesen, Büsche, Bäume ordentlich geputzt. Pünktlich neun Uhr kommt am Sonnabendmorgen die Sonne raus und bescheint die Parkanlage am Platz der Jugend in Potschappel. Ines Kummer schaut über Wege und Rasen. „Auf den ersten Blick sieht es ganz ordentlich aus“, sagt sie. Aber vor einigen Tagen sei sie hier mal herumgelaufen. „Da haben wir etlichen Unrat und Müll gesichtet.“ Es dürfte also einiges zu finden sein.

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Beim Frühjahrsputz in den Freitaler Stadtteilen fand sich allerlei Unrat, von alten Autoreifen bis zerschlissenen Sitzpolstern. Eigentlich ist das ein Fall für den Sperrmüll.
Beim Frühjahrsputz in den Freitaler Stadtteilen fand sich allerlei Unrat, von alten Autoreifen bis zerschlissenen Sitzpolstern. Eigentlich ist das ein Fall für den Sperrmüll. © Karl-Ludwig Oberthür

Kummer, Stadträtin der Grünen und selbst Potschapplerin, verteilt Einweghandschuhe und große Müllsäcke. Einige junge Eltern sind mit ihrem Anhang vom Krippenkind bis zum Grundschüler dem Aufruf der Stadt gefolgt und wollen nun beim Frühjahrsputz helfen. Sie schnappen sich die Mülltüten und schwärmen aus. „Eine Glasflasche“, ruft Grundschülerin Luna. „Und da, ein Bierdeckel.“ Bei den Kindern erwacht das Sammelfieber, während die Erwachsenen mit angewidertem Blick Konservendosen, Joghurtbecher und Tetrapacks aus den Büschen holen. Schnell füllen sich die Säcke mit verkeimtem Verpackungsmüll, durchweichten Pizzaschachteln und verdrecktem Einwegbesteck – der Platz der Jugend scheint ein Anlaufpunkt fürs Picknick in der Stadt zu sein. Nur das manche ihren Müll offensichtlich ins Grün werfen statt in die bereitstehenden Papierkörbe.

Und nicht nur das. Im Verlaufe des Vormittags stoßen Putztrupps in Kleinnaundorf, Pesterwitz, Hainsberg und Birkigt noch auf ganz andere Sachen: alte Fahrradreifen, weggeworfene Buggys und ausrangierte Möbel zum Beispiel. Solcher Unrat ist ein Fall für den Sperrmüll. Den Frühjahrsputzern geht es vor allem um die kleinen Dinge, die sich im Verlaufe eines Jahres rechts und links von Wegen und Grünanlagen angesammelt haben. Zur Aktion in der Region hatte wie jedes Jahr der Abfallzweckverband Oberes Elbtal aufgerufen. Die Stadtverwaltung wollte das Saubermachen dieses Mal effektiver gestalten. Dazu hatte sie die Akteursrunden in den Stadtteilen, den Karnevalsverein Hainsberg, das Umweltzentrum sowie die Ortschaftsräte Pesterwitz und Kleinnaundorf mit ins Boot geholt. Sechs Treffpunkte wurden publik gemacht, von wo aus die Müllsammler starteten. Die Gruppe von Ines Kummer ist eine davon.

Die Kinder stoßen weiter ins Gelände vor, längst sind die jenseits des Parks an einem riesigen verwilderten Wachholderbusch angelangt. Aus Sicht der Jungen und Mädchen ist es ein Volltreffer.

Schon vor dem Busch liegt ein altes Kinderreisebett. Drinnen entdeckten sie kleine Schnapsflaschen, es müssen gut einhundert Stück sein. Ein Mädchen schleppt alte Arbeitsschuhe an, ein nächstes zerrt eine versiffte Matratze aus dem Busch. Als ein Junge schließlich einen halbvollen Farbeimer entdeckt, reicht es Ines Kummer. „Raus da jetzt“, ruft sie. „Das melden wir dem Ordnungsamt. Das ist kein Fall mehr für uns.“ Die wilde Müllecke nahe dem Radweg an der Weißeritz überfordert die fleißigen Helfer – verständlicherweise. Die Männer und Frauen schauen auf den stinkenden Unrat und halten sich die Nasen zu. „Ich möchte mal wissen, wer so etwas macht“, sagt eine Mutter.

Auf dem Betriebsgelände des Bauhofs füllt sich langsam ein großer Absetzcontainer mit den roten Müllsäcken. Kurz nach zwölf Uhr ist er schon zu zwei Dritteln voll. Auch auf dem Hof der Umweltdienste Becker und der Freitaler Strom und Gas stapeln sich die Säcke. Und noch immer rollen Fahrzeuge an und bringen Müll-Nachschub an die Sammelstellen. Auf einem liegt sogar ein völlig vertrockneter Weihnachtsbaum. „Der kommt gleich in den Kompost“, sagt ein Bauhof-Mitarbeiter.

Freitals Stadtsprecher Matthias Weigel zieht am Mittag ein positives Fazit. „Es hat sich bewährt, dieses Jahr Treffpunkte zu benennen und die Vereine anzusprechen. Das hat mehr Menschen motiviert, sich zu beteiligen.“ Aus Sicht der Stadt ist der Frühjahrsputz noch ausbaufähig. Weigel: „Jeder Müll, der am Ende an den Sammelstellen landet, liegt nicht mehr verstreut in der Stadt herum.“