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"Sich mal in den Arm nehmen, das fehlt"

Mandy Brandt arbeitet seit fast 20 Jahren bei Edeka in Radeberg. Solche Zeiten hat sie noch nicht erlebt.

Stressiger und schneller: Corona-Heldin Mandy Brandt im Radeberger Edeka-Markt.
Stressiger und schneller: Corona-Heldin Mandy Brandt im Radeberger Edeka-Markt. © René Meinig

Schnell, ein Organisationstalent und wenn es sein muss,  Seelentröster:  Mandy Brandt ist die richtige Frau auf ihrem Posten, gerade in diesen Zeiten. Sie ist die Marktleiterin des Edeka-Marktes in Radeberg.  "Ich bin ein Energiebündel. Ich brauch das: ständig im Markt unterwegs sein, mit den Kollegen zusammenarbeiten, mich um die Regale kümmern, neues Obst, Gemüse, Konserven heranorganisieren“, sagt sie. Dass auch ihr die vergangenen zwei, drei Wochen von ihr alles abverlangt haben, ist ihr anzusehen: angespannte Gesichtszüge, Schatten unter den Augen. „Ja es ist stressiger geworden und schneller. Die Menschen kaufen einfach mehr ein.“ Schon früh am Morgen warten  jetzt viele vor der Tür, sagt die 39-Jährige. „Heute haben die Sicherheitsleute 30 Kunden gezählt. Sie  vermuten offenbar,  dass es um die Zeit leerer ist. Normalerweise wird es bei uns erst so gegen 10 Uhr richtig voll. Das ist jetzt den ganzen Tag der Fall.“

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Für sie heißt es, einspringen, wo Not am Mann ist. „Ich fülle dann Regale mit auf, oder setze mich an die Kasse. Wir haben sechs Kassen und derzeit fünf Kassiererinnen. Kasse mache ich übrigens sehr gerne, ich freu mich jedesmal wenn sich Gelegenheit ergibt. Nirgends kommt man so dicht mit den Kunden in Kontakt. Das macht mir Spaß.“ Die meisten Einkäufer sind freundlich, sagt sie. "Ich schätze 80 Prozent. Wir bekommen mitunter auch Schokolade geschenkt, die bringt der Kollege dann mit in die Mittagspause, da freuen sich alle darüber.“ Die meisten halten die Abstandsregeln an der Kasse ein und arrangieren sich mit der Situation. Wenn ein Kunde mal doch unfreundlich wird, versucht sie, mit aller Gelassenheit zu reagieren. „Wenn ich auf die leeren Toilettenpapier-Regale angesprochen werde, sage ich, wir haben keins bekommen. Einstecken habe ich auch keins. Sobald wieder etwas hereinkommt, füllen wir die Regale wieder auf.“

Den Ansturm auf das Toilettenpapier kann sie nicht erklären. „Die Hersteller haben die Nachfrage  wohl unterschätzt. Sie waren auf einen normalen Verbrauch eingestellt. Dann gingen die Käufe enorm in die Höhe und angesichts leerer Regale kauft jetzt jeder, was zu bekommen ist.“ Auch andere Produkte sind derzeit schwer lieferbar. „Die Lager kommen oft nicht nach. Nach meinem Eindruck entspannt sich die Situation aber bereits wieder.“ Prinzipiell kann sie beim Einkaufsverhalten der Kunden keine Veränderungen erkennen. „Wir haben immer noch etliche, die täglich zu uns kommen und dann ihr frisches Obst, Gemüse oder den frischen Aufschnitt kaufen. Dass viele auf einen Großeinkauf nur einmal die Woche umgestiegen sind, kann ich nicht bestätigen.“

"Wir brauchen das. Jeder braucht das"

Bei aller Hektik, eins lassen sich die Verkäuferinnen, Kassiererinnen und die anderen Marktmitarbeiter  nicht nehmen. In der Pause treffen sie sich an der langen Frühstückstafel, um einen Kaffee oder Tee zu trinken. Vor allem aber um zu quatschen. „Wir reden dann darüber, dass dieses oder jenes im Markt erledigt werden muss. Meist  aber geht es aber um Privates. Mal den anderen erzählen, wie es zu Hause läuft mit den Kindern oder mit den Verwandten. Wir haben Spaß dabei. Wir brauchen das. Jeder braucht das.“

Vielleicht merkt sie selber den Druck am ehesten nach Feierabend. „Es gibt schon Tage, an denen die Gedanken nicht aufhören, um den Markt zu kreisen. Oft rufen dann ja auch Kollegen an, die etwas im Dienstplan ändern möchten oder fragen was zu tun ist, wenn eine bestimmte Ware nicht kommt. Dann muss ich auch mal sagen stopp, das reicht jetzt, ich brauche auch mal Zeit, damit ich morgen wieder fit bin." Was ihr fehlt: mal die ein oder andere Kollegin in den Arm nehmen. „Das haben wir vor Corona immer mal gemacht. Jetzt halten wir Abstand. Das fällt manchmal schwer.“

So flexibel wie möglich

Mandy Brandt hat Glück. Ihre Tochter ist 13 Jahre alt. „Sie kann sich schon allein beschäftigen. Sie macht ihre Hausaufgaben und hilft im Haushalt. Mit einem kleinen Kind wäre das viel schwieriger.“ Wenn zu Hause ein wichtiger Termin ansteht oder ihre Tochter zum Arzt müsste, könnte sie das erledigen. „Das halte ich auch bei meinen Mitarbeitern so. Die Schichten werden so gestaltet, dass auch das private Leben möglichst funktioniert. Einer muss warten, bis der Partner von der Arbeit kommt, damit er das Kind betreuen kann. Wir versuchen, das so flexibel wie möglich zu gestalten. Momentan ist ja nichts wie in normalen Zeiten.“ Wenn Mitarbeiter allerdings mit einer Erkältung zu Dienst kommen, findet sie klare Worte. „So gut das auch gemeint ist, ich schicke die Kollegen nach Hause. Sie sollen sich auskurieren, auch im Sinne der Kunden.“

Ohne den guten Zusammenhalt unter den Kollegen sei das nicht zu schaffen. „Jeder steht bei uns für jeden ein. Wenn die Kollegen an der Fleischtheke mal nicht soviel zu tun haben,  helfen sie beim Obst und umgekehrt. Wir sind wie eine große Familie und das ist toll. Deshalb bin ich auch schon solange hier.“ 2001 fing sie noch im „kleinen“ Edeka in Radeberg an, machte den Umzug in den Neubau an der Pulsnitzer Straße mit und ist jetzt Marktleiterin. Genau zur richtigen Zeit.

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