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Einkaufen ohne Geld

Am Montag öffnete an der Fabrikstraße in Bautzen ein Tauschladen. Gebrauchtes und Nützliches findet hier wieder einen neuen Besitzer.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Bautzen. Auf den ersten Blick sieht der Tauschladen aus wie ein ganz normaler An- und Verkauf. Auf Kleiderständern hängen – wohlgeordnet nach Größengruppen – Blusen, Hemden und Jacken. In Regalen liegen Pullover und T-Shirts. Zu finden sind in dem rund 70 Quadratmeter großen Raum aber auch Haushaltsgegenstände, Schuhe, Spielsachen und vieles andere.

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Die Besonderheit des Tauschladens ist aber, dass die Waren hier ohne Geld über die Ladentheke gehen. Wer hier „einkaufen“ möchte, sollte Dinge, die er selbst nicht mehr braucht, mitbringen und kann sich dann etwas Neues aussuchen. Und eine weitere Bedingung muss er erfüllen: Der Kunde muss im Besitz des Sozialpasses der Stadt Bautzen sein. Denn die Angebote des neuen Tauschladens sollen es vor allem sozial Schwachen ermöglichen, günstig an Bekleidung oder Einrichtungsgegenstände zu kommen. Das Konzept wurde unter anderem schon erfolgreich in Leipzig von den Betreibern, dem Berufsfortbildungswerk (BFW), erprobt, wie Uwe Bonig, Geschäftsstellenleiter für Sachsen und Thüringen sagte. Der neue Bautzener Tauschladen wird von Teilnehmerinnen eines Projektes betreut, das seit September läuft und das darauf abzielt, Migrantinnen schrittweise auf die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Von den zehn Teilnehmerinnen konnten bereits zwei als Reinigungskräfte vermittelt werden und zwei weitere haben ein Praktikum im Best Western Hotel Bautzen aufgenommen.

Deutschkenntnisse unter Beweis gestellt

Auf die Arbeit im Tauschladen haben sich die verbleibenden Teilnehmerinnen langfristig vorbereitet. Sie kommen alle aus GUS-Staaten, hauptsächlich aus Kasachstan. Bei der Einweihung am Montag waren vier von ihnen anwesend. Evgenija Propst ist eine von ihnen. Sie war ziemlich aufgeregt, denn sie musste vor so vielen fremden Gesichtern ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellen. Doch die Aufregung legte sich allmählich. Wie sie erzählte, ist sie schon seit zwölf Jahren in Deutschland. Doch wegen der Erziehung ihrer beiden Kinder konnte sie bislang noch nicht auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. In der Betreuung des Tauschladens sieht sie eine gute Chance, ihre Vermittlungschancen zu verbessern.

Die Projekt-Teilnehmerinnen haben sich in der Zeit seit September unter Anleitung des Sozialpädagogen Werner Wurziger und des Jobcoachs Ramona Pasbrig auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Dies nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch. So malten sie Bilder, um den Verkaufsraum attraktiv zu gestalten, und sie nähten aus Stoffresten Einkaufs-Beutel. Diese wurden mit dem Tauschladen-Logo bedruckt. „Sie sind Werbung für den Laden und gleichzeitig auch Verpackung“, sagt Werner Wurziger.

Nach geeigneten Räumlichkeiten für den Tauschladen hatte das BFW längere Zeit gesucht. Wichtig sei gewesen, dass sich der Laden in der Nähe des Firmensitzes befindet. Das BFW ist an der Preuschwitzer Straße angesiedelt. Und der allergrößte Vorteil sei, dass man unter einem Dach mit der „Bautzener Tafel“ ist. Dadurch können Besucher der Tafel sich gleichzeitig auch im Tauschladen umsehen. Dieser nimmt dankend Kleider- und Sachspenden von allen Bautzenern entgegen. Allerdings keine Großgeräte und -möbel, keine Nahrungsmittel und Tiere.

Der Tauschladen an der Fabrikstraße 50 ist dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.