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Einkaufsmarkt speckt ab

Petra Bimmrich hat ihre beiden Läden zusammengelegt. Sie begründet das mit dem Mindestlohn.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Die gesunde Drittelstunde

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Es ist ein einziges Gewusel in Petra Bimmrichs Einkaufsmarkt. Kartons werden ausgepackt, Regale bestückt. Und zwischendurch werden auch die Kunden bedient und abkassiert. So sieht es aus, wenn bei laufendem Betrieb ein Geschäft völlig umgekrempelt wird. Petra Bimmrich hatte bislang an der Weißenberger Bahnhofstraße zwei Geschäfte: einen reinen Lebensmittelladen und einen Gemischtwarenladen mit Postfiliale. Jetzt hat sie den Lebensmittelladen in der Bahnhofstraße 7 aufgegeben und betreibt nur noch das Geschäft in der Bahnhofstraße 5. Jedoch unter der Maßgabe, dass das Lebensmittelgeschäft mit integriert werden musste.

Das sei eine ganz schöne Tüftelei gewesen, sagt die Geschäftsfrau, die nun schon seit 20 Jahren ihre Weißenberger Kunden bedient. Zusammen mit dem Ladenbauer habe man Varianten gefunden, um alles im neuen Geschäft unterzubringen, ohne am Angebot große Abstriche machen zu müssen. Dort, wo bisher die Getränkeabteilung war, ist jetzt das Lebensmittelsortiment untergebracht. Dafür gibt es dort, wo bisher die Postfiliale war, jetzt die Getränke. „Wir haben mehr Zwischenböden in die Regale gelegt, um die gleiche Menge an Getränken auf kleinerem Raum unterzubringen“, sagt Petra Bimmrich.

Für die Post wurde ein Eckchen neben dem Backwarenstand gefunden. Das Einzige, was es jetzt nicht mehr gibt, ist der Fleisch- und Wurststand. Dafür gibt es aber ein Sortiment an abgepackten Fleischerei-Erzeugnissen, die in den eigens dafür angeschafften Kühlregalen und -truhen untergebracht sind. Platz geschaffen wurde auch für Blumen, Obst und Gemüse sowie Haushaltwaren und die vielen Dinge, die man täglich so braucht.

Obwohl immer noch einiges zu tun bleibt, ist für die Geschäftsinhaberin nun ein Ende abzusehen. „Am morgigen Freitag öffnen wir das umgestaltete Geschäft offiziell“, sagt sie, wohlwissend, dass es ja eigentlich keinen einzigen Tag geschlossen war. Petra Bimmrich ist ihren Helfern sehr dankbar, die das Vorhaben mit ihr zusammen gestemmt haben. 16 Leute seien es insgesamt gewesen, die seit Mitte Dezember nicht nur an den verkaufsoffenen Tagen, sondern teils auch an den Wochenenden mit angepackt hatten. „Alleine hätte ich das nicht bewältigen können“, sagt sie.

Doch beschäftigen kann Petra Bimmrich statt bisher 14 Mitarbeiter nur noch sieben, sie selbst mitgerechnet. Schuld daran sei der Mindestlohn. Doch Aufgeben habe für sie nie zur Debatte gestanden. Obwohl ihr auch der Penny-Markt am anderen Ende der Stadt als Konkurrenz zu schaffen macht, sei ihr Geschäft im Gegensatz dazu doch eher der Tante-Emma-Laden, wo die Kunden noch bedient und beraten werden. Außerdem sei ein solches Geschäft wie ihres wichtig für die Leute, die in der unmittelbaren Umgebung wohnen, besonders für die, die kein Auto haben.

Das findet auch Nicole Weißer, die zwar ein Auto hat, aber doch gerne bei Petra Bimmrich einkaufen kommt. Sie schleppt gerade eine Getränkekiste aus dem Laden. „Der Einkaufsmarkt ist für die älteren Leute unentbehrlich“, sagt die junge Frau. Deshalb sei es gut, dass er erhalten bleibt, wenn auch in ein wenig abgespeckter Form. Schließlich könne man ja nicht wegen jeder Kleinigkeit nach Bautzen fahren.

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