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Freital

Einladender Kirchenraum in Deuben

Die Gemeinde St. Joachim hat ihren Saal renoviert. Nicht nur die Farben sind neu.

Kirchenrat und Bausachverständiger Lars-Klemens Steinmann steht in dem renovierten und noch leeren Kirchenraum der Katholischen Kirchgemeinde in Freital. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Sonne scheint durch die hohen Bleiglasfenster des Kirchenraumes der Katholischen Kirchgemeinde St. Joachim in Freital und malt bunte Muster auf das neue Linoleum. Für das launige Spiel des Lichtes war bis vergangene Woche so viel Platz auf dem Fußboden wie lange nicht. Sämtliches Mobiliar musste für die umfassendste Renovierung des Kirchenraumes seit mehr als vierzig Jahren ausgelagert werden. Dabei handelte es sich vor allem um die Holzbänke für die Besucher, die in der Egermühle einen neuen Anstrich bekamen.

Mit einem Festgottesdienst soll am Palmsonntag, also eine Woche vor Ostern, der Kirchenraum wieder eingeweiht werden. Die Gemeinde erwartet ein veränderter Ort, und das nicht nur wegen der hellen und frischen Farben. Die Ausrichtung des Saales wurde um 90 Grad nach rechts gedreht. Der Altar befindet sich jetzt an der Längsseite im Osten. Bisher stand er an der kürzeren Stirnseite im Norden. Die Bänke, auf denen insgesamt bis zu 135 Gäste Platz finden, stehen nicht mehr in einer Reihe hintereinander, sondern teilweise im rechten Winkel zueinander.

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„Mit dieser Sitzordnung können wir uns um den Altar versammeln“, sagt Lars-Klemens Steinmann, Bauingenieur mit eigener Firma und Bausachverständiger der Kirchgemeinde. „Christus rückt so in unsere Mitte, und der Taufstein ist im Blick der Gemeinde.“ Ein stärkeres Gefühl von Gemeinschaft auch räumlich erlebbar zu machen, sei ein wesentliches Ziel der Neugestaltung des rund 250 Quadratmeter großen Raumes gewesen. Die Entscheidungsfindung, wie das Kirchenschiff künftig eingerichtet werden soll, geriet zu einem ungewöhnlichen Prozess, einem demokratischen, in den sich alle Gemeindemitglieder einbringen konnten.

Der Bauausschuss entwickelte mit dem Dresdner Architekten Matthias Horst drei Varianten, die im Herbst 2017 für jeweils einen Monat versuchsweise aufgestellt wurden. Zur Wahl standen neben dem nun realisierten Entwurf, für den sich eine deutliche Mehrheit entschieden hatte, die weitgehende Beibehaltung der bisherigen Sitzordnung im Kirchenschiff und eine Umgestaltung zum Communio-Raum mit einer ellipsenförmigen Sitzordnung.

Kirchenrat Steinmann, der aus Dresden stammt und seit zwanzig Jahren in Tharandt wohnt, ist mit der Entscheidung zufrieden. Er freut sich auch über andere Verbesserungen, wie die erneuerte Beleuchtung, die einen variableren und auch sparsameren Lichteinsatz ermöglicht. „Es gibt jetzt eine einheitliche Gestaltung“, sagt Steinmann. Das betrifft vor allem den Altar und den Ambo, das Lesepult des Pfarrers. Beides ist aus Metall und stammt, wie auch die Fenster, die Bänke und das Christuskreuz, aus den Siebzigerjahren.

Damals wurde im Nachgang des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Katholische Kirche unter anderem in der Ausgestaltung der sakralen Räume und der Liturgie reformierte, das Kirchenschiff in Freital renoviert und neu ausgestattet. Der Dresdner Metallgestalter Uwe Hempel hat die sakralen Gegenstände nun künstlerisch aufgefrischt. Unter anderem integrierte er den von ihm selbst vor fünfzehn Jahren geschaffenen Tabernakel aus Edelstahl und Amethyst aus der ehemaligen Glashütter Kirche in den Freitaler Altartisch.

Auf ungefähr 150 000 Euro beziffert Pfarrer Gerald Kluge die Investitionen für die Erneuerung des Kirchenraums in Freital. Das Geld stammt „aus unseren Ersparnissen“, wie Kluge sagt, aus Spenden sowie Zuschüssen des Denkmalschutzes und der Stadt Freital. Die Kirchgemeinde St. Joachim, die rund 1200 Mitglieder hat, gehört zur Katholischen Pfarrei Osterzgebirge, die sich von Freital über das Müglitztal und Dippoldiswalde bis Zinnwald erstreckt. Sie ist für insgesamt 2300 Gläubige zuständig.

Die Katholische Kirche in der Johannisstraße in Deuben wurde 1895 als Bethaus im neoromanischen Stil errichtet. Eigentlich sollte es nur der Vorläufer für eine richtige Kirche sein, ein Vorhaben, das allerdings nie verwirklicht wurde. 1922/23 wurde das Gebäude um einen Saal mit Bühne erweitert, der auch als Kino diente.

Pfarrer Kluge ist froh, dass das neuerliche Baugeschehen zu einem glücklichen Ende gekommen ist. An diesem Sonntag wird er morgens ab halb neun im renovierten Saal vor den großen Fenstern stehen, allerdings nicht in der Sonne, sofern sie denn überhaupt scheint. Damit die Gemeinde nicht geblendet wird, wurden vorsorglich Rollos angebracht, die per Knopfdruck für gedämpftes Licht sorgen.

Festgottesdienst in St. Joachim am 14. April, 8.30 Uhr.

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