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Einmal aufladen, bitte

Die neue Stromtanke in Großharthau ist ganz einfach zu bedienen. Für das Bezahlsystem hat die Enso sogar ein Patent.

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© Regina Berger

Von Constanze Knappe

Großharthau. Man braucht keine Kundenkarte, um sein Elektrofahrzeug an der neuen Stromtankstelle gegenüber der Gemeindeverwaltung in Großharthau aufzuladen. Von dieser anfänglichen Praxis, als 2010 die ersten Ladestationen in Betrieb gingen, hat sich die Enso längst verabschiedet. Die Nutzer wären von Öffnungszeiten ihres Servicebüros in Dresden abhängig und auch sonst ziemlich eingeschränkt. „Es geht viel einfacher“, sagt Gunnar Schneider, Leiter Kommunalvertrieb bei der Enso, und erklärt es auch gleich. Der Kunde richtet sich einmalig auf der Internetseite von Stromticket einen Account ein. Das geht bequem von zu Hause aus oder von unterwegs. An der Ladestation wählt man sich mit seinem Smartphone über eine App ein, gibt an, wie lange man sein Auto aufladen und wie man bezahlen möchte. Per Abbuchung, Kreditkarte oder das PayPal-Zahlsystem. Wie beim Online-Banking bekommt man sofort eine Tan aufs Handy, gibt diese in die Ladestation ein und der Ladevorgang kann beginnen. Dieses von der Enso entwickelte Zugangs- und Abrechnungssystem wurde sogar patentiert. Es hat den Vorteil, dass es jeder nutzen kann, sofern er ein Smartphone besitzt. Also auch der Tourist, der beispielsweise aus Berlin kommend die schöne Oberlausitz entdecken will. Unterwegs und ohne jegliche Voranmeldung kann er sein Elektroauto nun in Großharthau aufladen.

Im März wurde die Ladestation von der Größe eines Schaltkastens installiert und seither auch von auswärtigen Fahrzeugführern genutzt. Damit es noch mehr werden, will die Gemeinde direkt an der B 6 ein Schild mit dem Hinweis auf die Stromtankstelle aufstellen. Dazu läuft nach Aussage von Bürgermeister Jens Krauße (SPD) beim Landratsamt die Überprüfung im Rahmen einer verkehrsrechtlichen Anordnung.

Modellprojekt mit Zukunft

Die Ladestation in Großharthau ist die 13. öffentlich zugängliche, die die Enso betreibt. Eingerichtet wurden sie alle an Standorten, an denen man das Stromtanken mit Arztbesuch, Behördengang, Einkaufsbummel oder einer Wanderung verbinden kann. Oder wie im Falle von Großharthau mit einem Spaziergang durch den nahe gelegenen Schlosspark. „Zurzeit werden monatlich an die 60 Zugriffe registriert“, so Enso-Sprecherin Claudia Kuba. Mit der von der Bundesregierung angekündigten Förderung von Elektrofahrzeugen sei mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Parallel dazu werde ein Lademanagement entwickelt. Es soll die Nutzer später darüber informieren, zu welchen Zeiten der Strom an den Ladestationen am günstigsten zu haben ist.

In einem Modellprojekt testete die Gemeinde Großharthau als eine von 50 in Ostsachsen ein Elektroauto der Enso im Alltag. „Die Wege innerhalb einer Gemeinde sind für die Reichweite kein Problem“, so Gunnar Schneider. Selbst im Landratsamt in Bautzen ist Jens Krauße mit dem Auto gewesen. Es stand zudem als Verbundauto für eine kombinierte Nutzung zur Verfügung. 15 Interessenten machten zu Schließzeiten der Gemeindeverwaltung davon Gebrauch.

Für ein halbes Jahr mietet die Gemeinde nun von der Enso einen Citroen C-Zero mit 49 kW Leistung oder 67 PS und einer Reichweite von 110 Kilometern. Mit Option der Verlängerung. Die Akzeptanz bei seinen Mitarbeitern sei viel besser als erwartet, so Jens Krauße. An der Stromtankstelle in Großharthau können zwei Elektrofahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden. Die Gemeinde hält dafür zwei Stellflächen vor, allerdings eine davon für ihr Elektroauto.

www.stromticket.de / weitere Stromtankstellen auch ohne Stromticket unter www.e-tankstellen-finder.com