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Einmal voll Milch bitte

In Dorf Wehlen lässt sich jetzt rund um die Uhr frische Kuhmilch zapfen. Eine Idee, die überlebenswichtig ist.

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© Marko Förster

Von Katarina Gust

Dorf Wehlen. Von der Melkmaschine bis in die Flasche sind es keine hundert Meter. Ein bisschen Kleingeld und ein Knopfdruck genügen und der Liter frische Kuhmilch steht trinkbereit parat. Wie ein großer Kühlschrank sieht der Apparat aus, in den Heiko Jaensch investiert hat. Der Landwirt vom Milchhof Fiedler in Dorf Wehlen hat am Sonntag anlässlich des Naturmarktes eine Milchtankstelle eröffnet. In einem kleinen Holzhaus mitten auf dem Hof steht die Anlage. Daneben leere Flaschen, die sich die Besucher selbst befüllen können – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

Das gab‘s zu sehen beim Naturmarkt in Stadt Wehlen

Wolle aus Birkwitz Wie aus einem Märchenbuch entsprungen sitzt Petra Belg an ihrem Spinnrad. Enkel Fabius schaut der Omi gerne zu, wenn die Birkwitzerin aus Wolle Fäden spinnt. Daraus strickt sie Mützen, Schals und Pullover für die ganze Familie.
Wolle aus Birkwitz Wie aus einem Märchenbuch entsprungen sitzt Petra Belg an ihrem Spinnrad. Enkel Fabius schaut der Omi gerne zu, wenn die Birkwitzerin aus Wolle Fäden spinnt. Daraus strickt sie Mützen, Schals und Pullover für die ganze Familie.
Safran aus Lauterbach Im Fruchtaufstrich, im Honig, ja sogar im Zitronenlikör steckt der kleine kostbare Faden. Safran ist das Gewürz, das Boris Kunert auf einem Feld bei Lauterbach erntet. Wer davon kosten will, hat am 18. September beim Bergwiesenfest am Lilienstein die Chance dazu.
Safran aus Lauterbach Im Fruchtaufstrich, im Honig, ja sogar im Zitronenlikör steckt der kleine kostbare Faden. Safran ist das Gewürz, das Boris Kunert auf einem Feld bei Lauterbach erntet. Wer davon kosten will, hat am 18. September beim Bergwiesenfest am Lilienstein die Chance dazu.
Rinder aus Schottland Ziemlich putzig sehen sie aus, die Galloways, die beim Naturmarkt in Stadt Wehlen am Elbufer grasen. Und beeindruckend noch dazu. Nicht nur Besucherin Sarah aus Jena bleibt an dem Gatter etwas länger stehen. Die Galloways stammen von Karl Engelmann aus Mockethal.
Rinder aus Schottland Ziemlich putzig sehen sie aus, die Galloways, die beim Naturmarkt in Stadt Wehlen am Elbufer grasen. Und beeindruckend noch dazu. Nicht nur Besucherin Sarah aus Jena bleibt an dem Gatter etwas länger stehen. Die Galloways stammen von Karl Engelmann aus Mockethal.

„Wir suchen damit noch mehr Nähe zu unseren Kunden“, sagt Heiko Jaensch. Schon immer kann man auf seinem Bauernhof frische Kuhmilch kaufen. Am ersten Wochenende im Monat ist der kleine Hofladen geöffnet. Der Andrang ist groß. Doch auch zwischendurch wird nach Milch gefragt. Aber nicht immer, wenn die Kunden kamen, war die Bauernfamilie auch vor Ort. Der Arbeitsalltag mit 60 Milchkühen ist straff organisiert. „Mit der Tankstelle wollen wir diese Versorgungslücke schließen“, sagt der studierte Agrarwirt.

Neben Rohmilch gibt es auch selbst gemachten Käse. Camembert, Bergkäse und Gouda hat er im Angebot, dazu Frischkäse. Seine Frau Kati Jaensch ist für die Käseproduktion zuständig. Eine mobile Käserei kommt dafür einmal pro Monat auf den Hof. Danach muss der Käse reifen. Je nach Sorte zwischen zwei und acht Wochen. Erst dann kommt er in den Verkauf. „Die Nachfrage nach unserem Käse ist enorm“, sagt Heiko Jaensch. Demnächst will er hausschlachtene Wurst ins Sortiment aufnehmen. Auch die soll an der Zapfstelle zu jeder Zeit erhältlich sein. Die Milch bleibt dennoch seine Haupteinnahmequelle.

An die 1 800 Liter geben seine Kühe innerhalb von 24 Stunden. Jedes Tier einzeln melken, das muss der Milchbauer nicht mehr. Ein Roboter übernimmt diese zeitaufwendige Aufgabe. Die Kühe kennen das Prozedere bereits. Sie gehen selbstständig in einen abgetrennten Bereich im Stall. Während die Tiere frisches Futter bekommen, reinigen Bürsten automatisch ihre Zitzen. Dann wird die Oberfläche der Euter gescannt, sodass die Gummisauger zielgerichtet an die Zitzen andocken können.

Die Milch hat Heiko Jaensch bisher an die Großmolkerei Sachsenmilch bei Leppersdorf geliefert. Wie viel er für einen Liter bekommt, darauf hat der Milchbauer keinen Einfluss. Der Milchpreis variiert von Monat zu Monat. Im Moment erhält er 24,25 Cent als Grundpreis. Dazu sind Aufschläge möglich, zum Beispiel wenn die Milch besonders gute Inhaltsstoffe oder einen besonders hohen Fettgehalt hat. Fürs Überleben des kleinen Familienbetriebes ist das auf Dauer zu wenig. „Wir Bauern haben beim Milchpreis leider kein Mitspracherecht, sind komplett abhängig“, sagt Jaensch. Die neue Milchtankstelle ist für ihn deshalb eine wichtige Einnahmequelle.

Das Modell funktioniert. Das haben bereits andere Bauern gezeigt. Zum Beispiel bei der Agrargenossenschaft in Reinhardtsdorf. Dort wurde in diesem Jahr eine Milchtankstelle eröffnet. Bis zu 70 Liter täglich würden über den Automat verkauft, sagt Heiko Jaensch. Das macht ihm Hoffnung. Die Milch, die er in Dorf Wehlen anbietet, kommt quasi direkt aus der Kuh. Sie wird weder ultrahocherhitzt oder anders behandelt, lediglich gekühlt. Wie viel Fett in der Milch steckt, schreibt der Landwirt er täglich auf eine Schiefertafel. Am Sonntag lag der Wert er bei 3,9 Prozent, der Eiweißgehalt bei 3,25 Prozent. Die Zahlen können variieren. Auch das gehört dazu. „Je nach Futter und auch Tagesform der Kühe“, sagt Heiko Jaensch.

Milchhof Fiedler, Mittelweg 2 in Dorf Wehlen.