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Einsatz auf dem Gräberfeld

22 Jugendliche aus ganz Europa halten auf einem Meißner Friedhof die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg wach.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Meißen. Idyllisch scheinen die Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel des Neuen Johannisfriedhofs hindurch. Es herrscht eine angenehme, geradezu himmlische Ruhe. Angesichts dieser Atmosphäre fällt es schwer, an blutige Kämpfe, an Giftgas und die „Jahrhundertschlacht“ von Verdun zu denken. Allerdings ist diese Erinnerung an den Ersten Weltkrieg nur wenige Meter entfernt. Auf einer kleinen Anhöhe befinden sich Linkerhand zahlreiche Gräber von gefallenen Soldaten. Leider gibt es nur ein Problem: Man sieht sie nicht mehr. Stattdessen ist alles mit Bäumen zugewuchert.

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Um das Gedenken an die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts dennoch wach zu halten, wollten 22 Jugendliche des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge das jetzt ändern. Nachdem bereits im vergangenen Jahr eine Delegation in Meißen war, sind auch diesmal wieder Teilnehmer aus elf Ländern angereist. „Unser Camp dauert bis zum 28. Juli. In dieser Zeit werden wir auf dem kaum sichtbaren Gräberfeld aus dem Ersten Weltkrieg Bäume und Sträucher zurückschneiden und die Wege zu den Grabstellen wieder anlegen“, sagt Teamleiterin Cristina Russo aus Moldawien. In einem benachbarten Bereich mit Gräbern aus dem Zweiten Weltkrieg würden zudem Blumen gepflanzt. „Der Friedhofsmeister hat bereits die Kreuze wieder aufgestellt, die durch den Sturm Friederike umgefallen waren. Jetzt leisten wir noch unseren Teil, damit es wieder schön aussieht“, sagt die 26-Jährige. Obwohl sie selbst keinen Opa hat, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, weiß sie, dass das Thema noch immer viele beschäftigt. „Ich habe einige Bekannte, die nicht wissen, wo ihr Opa begraben liegt“, sagt sie.

Neben der Arbeit auf dem Meißner Friedhof nehmen die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 24 auch an einem Workshop im Dokumentations- und Informationszentrum in Torgau teil, das sich mit dem Wehrmachtsstrafsystem im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Abgerundet wird das Programm mit Exkursionen nach Dresden, Moritzburg, Berlin und der Sächsischen Schweiz. Diese haben aber keinen thematischen Hintergrund, sondern dienen der Freizeit.„Teil des Programms ist es auch, dass sich die Jugendlichen aus den verschiedenen europäischen Ländern begegnen, etwas unternehmen und gemeinsam Spaß haben“, erklärt Russo.

In Meißen ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit 1994 aktiv. Trotzdem sind nicht jedes Jahr Jugendliche in die Domstadt gekommen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass das Jugendlager inzwischen mindestens zehnmal stattgefunden hat. Zum Auftakt des diesjährigen Camps kam am Montag auch Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) auf den Neuen Johannesfriedhof und begrüßte die Teilnehmer. „Es ist schön, dass Sie hier sind. Toleranz und Völkerverständigung sind nach wie vor wichtige Themen und leider nicht in allen Regionen Europas selbstverständlich.“ Die Tatsache, dass sich die Jugendlichen in Meißen engagierten, mache ihm Hoffnung für die europäische Zukunft, so Raschke.

Gerade dieser aktuelle Bezug liegt auch den Verantwortlichen vom Volksbund am Herzen. „Wir sprechen zwar einerseits über die Geschichte, stellen anderseits aber auch einen Bezug zu aktuellen Themen und Problemen her“, erläutert Referentin Anne Schieferdecker den Ansatz.