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Einsatz im Zeichen des Löwen

Pirna will das Ansehen der Feuerwehr stärken. Sie bekommt ein neues Logo, bessere Ausrüstung – und hat dieses Jahr viel zu feiern.

© Marko Förster

Von Christian Eissner

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Pirna. Warum findet die Feuerwehr so schwer Freiwillige, die ihren Mitbürgern als Brandbekämpfer und Lebensretter zur Seite stehen wollen? Neben der schwierigen Vereinbarkeit dieses Ehrenamts mit dem Berufsleben und dem hohen Zeitaufwand für die Ausbildung hörte man in den vergangenen zwei Jahren in Pirna als Grund immer wieder, dass der Dienst in der Wehr kaum gewürdigt und stattdessen als Selbstverständlichkeit hingenommen werde. Die Stadt, so hieß es, behandle ihre Feuerwehr regelrecht stiefmütterlich: zu wenig Personal bei den hauptamtlichen, zu wenige Anerkennung für die freiwilligen Feuerwehrleute. Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) versprach Besserung.

Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, hat die Stadt von der Pirnaer Designagentur Dauterstedt ein einheitliches Logo für die Wehr entwickeln lassen.
Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, hat die Stadt von der Pirnaer Designagentur Dauterstedt ein einheitliches Logo für die Wehr entwickeln lassen.

Die ersten Schritte sind inzwischen getan. Die Feuerwehr geht selbstbewusst ins Jahr 2018, sagt Wehrleiter Peter Kammel. Immerhin ist es ihr 150. Jubiläum. Und das will gefeiert werden.

Mehr Mitarbeiter, starkes Logo

Innerhalb von neun Minuten nach einem Notruf muss die Feuerwehr am Einsatzort sein, und zwar mit so vielen Kräften, dass im Brandfall ein erster Löschangriff begonnen werden kann. Damit diese Frist eingehalten wird, muss Pirnas Hauptwache rund um die Uhr mit mindestens sechs hauptamtlichen Feuerwehrleuten besetzt sein, erklärt Wehrleiter Peter Kammel. In vergangenen Jahren allerdings war auf Kosten der Einsatzbereitschaft gespart worden – ein Risiko, das der Stadtrat erst im März 2017 mit dem Beschluss eines neuen Brandschutzbedarfsplans auszuräumen begann. Im vergangenen Jahr wurden fünf neue Berufsfeuerwehrleute eingestellt, ihre Zahl ist insgesamt auf aktuell 29 gestiegen. In diesem Jahr sollen noch einmal drei hinzukommen.

Wehr-Historie

4. Juli 1868: Gründung der „Freiwilligen Turner-Feuerwehr“ nach einer Aufforderung des Stadtrates und des Turnerrates. Es schreiben sich insgesamt 68 Freiwillige ein.

19. April 1879: Gründung der „Freiwilligen Bürger-Feuerwehr“ neben der bestehenden Turner-Feuerwehr.

1891: Zusammenlegung der beiden Wehren zur „Freiwilligen Feuerwehr Pirna“ – bestehend aus einem Steigerzug mit drei Abteilungen.

1. Mai 1950: Gründung der Berufsfeuerwehr (Kommando Feuerwehr).

1. Januar 1991: Übernahme des gesamten Personals, der Technik und Ausrüstung in die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Pirna als hauptamtliche Abteilung.

Quelle: Feuerwehr

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Ohne die Unterstützung von Pirnas sechs freiwilligen Ortswehren – Altstadt, Copitz, Birkwitz-Pratzschwitz, Graupa, Libethal und Neundorf – wäre die Hauptwache aber oft chancenlos. Insgesamt 165 Kameraden tun in den Ortswehren freiwillig Dienst. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, hat die Stadt von der Pirnaer Designagentur Dauterstedt ein einheitliches Logo für die Wehr entwickeln lassen. Ein zwei große Flammen stoppender Pirnaer Löwe demonstriert Kraft und Mut. Das Logo wurde bereits auf alle Fahrzeuge aufgeklebt und hält nun auch in Flyern und Dokumenten Einzug. Die Ortswehren können nebenher nach wie vor ihre eigenen Wappen verwenden.

Bessere Ausrüstung

Die Stadt will umfangreich in die Ausstattung der Feuerwehr investieren. Wichtigster Posten dabei ist das Ersetzen der in die Jahre gekommenen Einsatzkleidung. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen alle Feuerwehrleute neue Anzüge bekommen, die Ausschreibung dafür hat ein tschechischer Hersteller gewonnen. Erwartet werden die ersten 67 neuen Anzüge im Februar, sie kosten rund 1 000 Euro pro Stück. Im März soll zudem ein neues Logistikfahrzeug kommen, im April ein Führungsfahrzeug für den ABC-Zug, im Mai wird ein neuer Mannschaftstransportwagen erwartet.

Jüngere Wehrleitungen

2017 war ein Superwahljahr – zumindest aus Feuerwehrsicht. Sowohl die Gemeindewehrleitung als auch die Chefs in allen Ortsfeuerwehren wurden neu gewählt. Damit einher ging vielerorts ein Generationenwechsel.

Präsent auf allen Festen

Am 4. Juli 1868 gründete sich die „freiwillige Turner-Feuerwehr“ als erster dauerhaft organisierter Löschtrupp in Pirna. Statt einmalig ein Feuerwehrfest zu feiern, hat sich die Wehrleitung entschieden, mit der Feuerwehr im gesamten Jahr Präsenz zu zeigen. So soll zum Pirnaer Stadtfest am 16. Juni eine Schauübung mit dem Thema „Schiffsbrand“ der Jugendfeuerwehren Pirnas auf der Elbe stattfinden. Am Tag darauf gestalten die Kameradinnen und Kameraden mit zahlreichen Bildern den Festumzug mit. Auch zur Pirnaer Hofnacht am 4. August ist die Feuerwehr im Stadtgebiet präsent, am 1. September beim Stadtteilfest Sonnenstein. Beim Hochhauslauf am 17-Geschosser testen Feuerwehreinsatzkräfte dann mitsamt ihrer Einsatzkleidung und mit Atemschutz ihre Fitness. Zur Einkaufsnacht möchte die Wehr einen musikalischen Höhepunkt auf dem Marktplatz bieten. Am 14. September feiert zudem die Copitzer Ortswehr ihren 140. Geburtstag, am 8. Dezember ist im Rahmen des Weihnachtsmarktes eine „Lichterparade“ mit Feuerwehr-Fahrzeugen geplant. Von Juni bis Oktober wird im Rathaus-Foyer eine Ausstellung zur Geschichte der Feuerwehr Pirna zu sehen sein.

Über 500 Einsätze

Dass die Organisation aller Festlichkeiten ein großer Kraftakt für die Feuerwehrleute werden wird, ein Blick die Einsatzstatistik des vergangenen Jahres. Denn zum Feiern bleibt normalerweise kaum Zeit. Die Wehr rückte zu insgesamt 518 Einsätzen aus, das waren 59 mehr als 2016. Allein 66-mal halfen Pirnaer Kameraden dabei außerhalb der Stadtgrenzen und unterstützen andere Gemeinden.

Den Schwerpunkt bildete auch 2017 die Technische Hilfeleistung mit insgesamt 339 Einsätzen. Zu diesen Einsätzen zählten vor allem die Rettung von Personen, aber auch die Hilfe beim Beseitigen von Sturmschäden oder die Unterstützung nach Verkehrsunfällen. Zur Brandbekämpfung rückte die Feuerwehr 69-mal aus, 16-mal standen dabei Wohnungen in Flammen. Bei insgesamt 61 Fehleinsätzen fuhr die Feuerwehr umsonst zum Einsatzort.

Die einsatzreichste Zeit hatt die Wehr im Zusammenhang mit dem Sturmtief Herwart Ende Oktober 2017, zu 63 Einsätzen rückten die Kameradinnen und Kameraden allein wegen des Sturms aus. Den mit Abstand längsten Einsatz löste allerdings ein eher profanes Feuer aus. Im Juni brannte auf einer Wiese bei Birkwitz ein großer Haufen Strohballen. Erst nach 30 Stunden war das schwelende und immer wieder aufflammende Stroh komplett gelöscht.