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Einsparungen bei Bildung empören Volkshochschulen

Kurse für Fremdsprachen, Kochen, Computer, Yoga oder Buchhaltung - in den Programmheften der Volkshochschulen findet sich fast für jeden etwas. Im nächsten Jahr sollen die Zuschüsse für Weiterbildung weiter zusammengestrichen werden. Das sorgt an den Schulen für Empörung.

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Von Ralf Hübner

Dresden/Chemnitz. Die geplanten Einsparungen bei der Weiterbildung bringen die Volkshochschulen in Sachsen in Rage. Laut Kultusministerium sollen die Zuschüsse von 6,6 Millionen Euro 2009 auf sechs Millionen Euro in diesem und 5,7 Millionen Euro im nächsten Jahr sinken. Viele Volkshochschulen wollen deshalb die Kurs-Gebühren anheben, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Sie fürchten aber, dass ihnen dann die Kursteilteilnehmer wegbleiben. „Es könnte sein, dass gerade jene nicht mehr kommen, für die Volkshochschule da ist - die Leute mit kleinem Geldbeutel“, sagte der Geschäftsführer des Volkshochschulverbandes, Bernd Staemmler.

Er sieht die Möglichkeiten, weiter zu sparen, ausgereizt. Das Personal sei heruntergefahren worden. Würden die ohnehin geringen Honorare für Referenten gekürzt - sinke die Qualität. Auch mit einer Streichung von Kursen würde nichts besser. „Dann kommt noch weniger Geld herein. Es ist ein Teufelskreis.“ Staemmler zufolge drücken in den 18 Volkshochschulen Sachsens jährlich etwa 170000 Leute in rund die 15000 Kursen freiwillig in der Freizeit die Schulbank.

„Erst der Schrei nach mehr Fachkräften - dann wird an Bildung gespart“, klagte die Chemnitzer VHS-Chefin Heike Richter-Beese. Ein eklatanter Widerspruch sei das. Im nächsten Jahr stiegen an ihrer Schule in die Gebühren schon um rund 20 Prozent - weil die Stadt kürzt. „Eine weitere Erhöhung ist nicht möglich.“

Dabei haben die Chemnitzer ein reizvolles Angebot. Im Herbst haben Erotik-Kurse Premiere. Die Reihe „LiebesLeben“ soll Schwung in festgefahrene Beziehungen bringen. Im Sprachen-Bereich liegt Englisch via Internet im Trend. Beliebt sind zudem Schnupperkurse Reiten oder aber Gesundheitsthemen wie Yoga, Qi Gong oder autogenes Training.

Staemmler zufolge wäre es wirtschaftlich Unsinn gerade solche Kurse aus dem Programm zu nehmen. „Da gibt es viele Teilnehmer und gute Einnahmen. Mit dem Geld könnten etwa Alphabetisierungskurse oder Lehrgänge in Philosophie oder Pädagogik gestützt werden.“

Die Volkshochschule in Dresden bietet mehr als 2000 Kurse an. Rund drei Wochen vor Semesterstart sind etwa „Aqua-Gymnastik“, „vorweihnachtliches Kochen und Backen“ oder „Skilanglauf für Erwachsene“ schon total ausgebucht. Premiere haben „Reiten für Erwachsene„, „japanisches Bogenschießen„ oder aber „Stöckeln - aber richtig!“ - ein Lehrgang für elegantes Gehen und Tanzen in High Heels. Senioren können beim Nachmittags-Tee Englisch lernen. Gestrichen wurden hingegen unter anderem Veranstaltungen zu Philosophie und Religion. Die Preise je Unterrichtsstunde bewegen sich zwischen zwei und fünf Euro, die letzte Erhöhung liegt Jahre zurück. „Wird bei der Förderung gekürzt, können wir das vermutlich nicht mehr halten“, kündigte VHS-Chefin Nadja Naumann an.

Auch in Leipzig werden bei weniger Förderung die Preise nach oben schnellen. „Wir fahren jetzt schon auf Sparflamme“, sagte Schulleiter Rolf Sprink. Die VHS bewege sich derzeit finanziell „auf schwammigem Gelände“. Insgesamt 1600 Kurse stehen im Angebotsheft. „So viel wie noch nie.“ Wellness- und Fitnesskurse liegen voll im Trend. Zu den kulturellen Höhepunkten gehört der Besuch einer Generalprobe beim Gewandhausorchester - einschließlich Gespräch mit Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly. 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht es in „DDR - was bleibt?“ um Erfahrungen und Eindrücke. Es wird auf dem Jakobsweg gepilgert - von Portugal aus. Kurse für Twittern, Facebook und You Tube - Internet wird großgeschrieben. Künstlerische Sachen wie etwa Fotografie sind oft schon ausgebucht.

Exklusiv im Dreiländereck zu Polen und der Tschechischen Republik können sich Interessierte in Löbau, Zittau, Niesky und Weißwasser an der Volkshochschule gar zum Jäger ausbilden lassen - einschließlich Schießübungen. „Wir sind ungewollt zur Jagdschule des Kreises geworden“, sagte Schulleiter Matthias Weber. Neu im Programm sind unter anderem „Shiatsu - als Kunst der achtsamen Berührung“, ein Sprachenstammtisch, Englisch für Kinder, Sprachreisen und Lehrgänge in Bilanzbuchhaltung. „Die Kommunen und Unternehmen nutzen uns gern“, sagte Weber. Er würde nur ungern die Preise erhöhen. „Das haben wir erst gemacht.“ Bei Kürzung der Fördermittel will Weber auch bei Investitionen sparen. Die neuen Computer müssten dann noch etwas warten. (dpa)