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Einsteigen und die Türen schließen

© Katja Frohberg

Der Lückenschluss ist da. Das wurde in Sebnitz und Dolni Poustevna mit Bahnhofsfesten groß gefeiert.

Von Anja Weber

So viele Menschen wie am Wochenende haben auf dem Sebnitzer Bahnhof schon lange nicht mehr auf einen Zug gewartet. Der Lückenschluss zwischen Sebnitz und Dolni Poustevna hat sich weit herumgesprochen. Bis aus Berlin sind sie angereist, die Fahrgäste auf der neuen grenzüberschreitenden Verbindung.

Immer wieder schwappen Menschenmassen auf den neuen Bahnsteig der Nationalparkbahn. Kurz vor 10 Uhr kommt der Zug aus Decin. Proppenvoll. Einige Mutige zwängen sich noch hinein. Andere warten auf den nächsten Zug, wie Gerhard Nötis aus Berlin. „Ich habe den ganzen Tag Zeit, will die neue Strecke genießen“, sagt der Eisenbahnfan. Nicht zuletzt lockte auch das Angebot des Verkehrsverbundes Oberelbe. Mit einem Sonderticket für einen Euro ging es am Wochenende zwischen Decin und Rumburk hin und her.

Der nächste Zug rollt ein, und der lässt dann das Herz der Eisenbahnromantiker höher schlagen. Zwei aufgemotzte Dieselloks, in der Mitte stilecht ein roter Mitropa-Wagen. Und auch hier sind die Plätze schnell besetzt. Ab geht es in Richtung Rumburk. Ein Teil der Fahrgäste steigt nach wenigen Metern in Dolni Poustevna aus. Bunt geschmückt empfängt der Bahnhof die neuen Fahrgäste. Örtliche Vereine haben auch hier ein Bahnhofsfest organisiert. Eine Ausstellung im Bahnhofsgebäude zeigt nicht nur zahlreiche Eisenbahnmodelle und -technik, sondern gibt auch Auskunft über den Verlauf verschiedener Strecken. Da kommen manche ins Fachsimpeln. Gerda Weiß aus Neustadt kennt die Strecke noch, bevor sie stillgelegt wurde. „Ich bin mit dem Zug zu meiner Großmutter nach Niedereinsiedel gefahren“, sagt sie. Und jetzt mit über 80 Jahren sei es für sie ein besonderes Erlebnis, wieder mit dem Zug in Dolni Poustevna einzufahren.

Die Stimmung auf dem Bahnhof ist ausgelassen. Angela Maserova freut sich über so viel Besuch in ihrer Heimatstadt. Sie hatte schon die erste Verbindung in Richtung Decin genommen und ist inzwischen wieder zurück. Es sei wunderbar, in so kurzer Zeit Decin erreichen zu können. „Für uns ergeben sich ganz neue Möglichkeiten und ich bin mir sicher, dass hier viele Menschen die neue Zugverbindung nutzen werden“, sagt sie.

Zurück geht es mit einer grün-weißen, sogenannten Ferkeltaxe. Deren Ankunft wird in Sebnitz sehnsüchtig erwartet. Wer nicht mit hineinpasst, kann sich die Zeit auf dem Bahnhof vertreiben. Die Modellbahnausstellung ist geöffnet, das Museum der IG Oldtimer Stolpen ebenfalls. Und rund um das Gelände gibt es viel zu erleben. Am Stand von Jürgen Müller von der Stiftung Bahn-Sozialwerk bildet sich eine Schlange. Die Stiftung hat eine Sonderpostkarte und einen Ersttagsbrief mit Sonderbriefmarke aufgelegt. Viel Betrieb herrscht auch am Stand der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde. Die haben die stilechten Sonderzüge nach Sebnitz gebracht, und das über eine ganz besondere Strecke von Löbau über Ebersbach, Rumburk bis nach Sebnitz. Eine Verbindung, die es so nicht mehr gibt. „Wir haben für zwei Tage die Erlaubnis erhalten“, sagt Karina Grohl. Sie hofft, dass die Strecke bald wieder befahren werden kann. Dann wäre nämlich auch der touristische Lückenschluss zwischen Oberlausitz, Sächsischer Schweiz und Böhmischer Schweiz hergestellt.

Ab heute gilt nun der offizielle Fahrplan. Auf der gesamten Strecke verkehren täglich acht Züge in jede Richtung. Zusätzlich fahren mehr Züge zwischen Decin und Schöna und ein durchgehender Frühzug der Städtebahn Sachsen aus Neustadt über Sebnitz bis Bad Schandau optimiert das Angebot für Pendler. Für Ausflügler in die Sächsische und Böhmische Schweiz ist die Nationalparkbahn an den Wochenenden in Mikulasovice an die Linie U 27 angebunden, die direkten Anschluss an das Nationalparkzentrum in Krasna Lipa bietet.

Informationen zu Tarifen oder Abfahrtszeiten der neuen Linie U 28 gibt es unter www.vvo-online.de oder unter  0351 8526555.